«Bloggen soll nicht meine Hauptbeschäftigung werden»

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer mit Katze Gigi, von der sie oftmals Bilder im Blog zeigt. (Urs Jaudas)

Wer im Internet etwas sucht, stösst immer häufiger auf Blogs. Frauen schreiben oftmals über Rezepte und Dekoideen. Auch Yvonne Aldrovandi-Schläpfer aus Muolen liebt es, Haus und Garten zu verschönern – und schreibt darüber in ihrem Blog «Happy Sonne».

14. September 2012, 08:36
Maria Kobler-Wyer
Einladend: Eine Willkommenstafel inmitten herbstlicher Dekoration vor dem Hauseingang. Zoom

Einladend: Eine Willkommenstafel inmitten herbstlicher Dekoration vor dem Hauseingang.

Ein Arrangement auf dem Holztisch: Die 50-Jährige dekoriert gerne mit Kerzen und Karten. Zoom

Ein Arrangement auf dem Holztisch: Die 50-Jährige dekoriert gerne mit Kerzen und Karten.

Auf einer  Tafel neben der Tür steht «Willkommen» geschrieben, im Blumentopf stecken zwei rostige Herzen, auf dem Holztisch im Wintergarten liegt eine Schiefertafel, dekoriert mit Filz-Blättern, einer Kerze und einer Karte mit Spruch: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer hat Haus und Garten mit viel Liebe dekoriert. Und wer ihren Blog «Happy Sonne» liest, entdeckt überall Bekanntes. Den Herbstkranz an der Eingangstür, den sie für ihren neusten Blogeintrag fotografiert hat, das getupfte Nutella-Glas, welches nun als Teelicht dient oder die Katze Gigi, die wie auf dem Foto auch zu Beginn unseres Besuchs auf der geflochtenen Bank im Wintergarten schlummert. Denn die 50-Jährige veröffentlicht  jede Woche Bilder von ihren Dekorationen in Haus und Garten auf ihrem Blog.


Ein positiver Blog
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer beschriftet gerne Steine mit Sprüchen. Zoom

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer beschriftet gerne Steine mit Sprüchen.

Der erste Eintrag von Yvonne Aldrovandi erschien am 16. Januar 2011. «Ich habe mich bereits 2008 mit dem Gedanken befasst, einen Blog zu eröffnen», sagt sie.  «Damals habe ich im Internet nach einer Anleitung für die Herstellung von Betonschalen gesucht und bin auf einen Blog gestossen.» Da sie aber kaum Erfahrung mit dem Computer hatte, liess sie es vorerst bleiben. «Anfang 2011 sagte ich mir, jetzt versuche ich es doch mit dem Bloggen», sagt die Hausfrau. «Ich wollte eine Art Tagebuch für mich.» Der Name «Happy Sonne» entstand zufällig. «Viele Namen, die ich probierte, waren schon vergeben», erklärt sie. «Ich wollte einfach das Wort Sonne im Namen.» In ihrem Alltag herrsche nicht immer eitel Sonnenschein. «Aber mein Blog soll positiv sein», so die St.Gallerin.

Ein Buch und viele Hefte
Filzige Glückspilze auf einem Herbstkranz. Zoom

Filzige Glückspilze auf einem Herbstkranz.

Bald schon schrieben die ersten Leserinnen Kommentare unter ihre Einträge. Laut Statistik haben sich inzwischen fast 500 Leser für ihren Blog eingetragen und bereits über 8000 Kommentare hinterlassen. «Ich habe schon Kommentare aus den USA und aus Neuseeland erhalten», erzählt Yvonne Aldrovandi. Ihre Blogeinträge vom vergangenen Jahr liess sie zu einem Buch binden. Und jeden Monat entsteht ein dickes Heft mit Blogeinträgen samt Kommentaren.

«Mir würde etwas fehlen»
Manchmal hilft auch der Ehemann: Er hat das Möbelstück abgeschliffen und neu gestrichen. Zoom

Manchmal hilft auch der Ehemann: Er hat das Möbelstück abgeschliffen und neu gestrichen.

Obwohl Yvonne Aldrovandi während einer kurzen Blogpause im vergangenen Sommer mit dem Gedanken spielte, ihren Blog aufzugeben, postet sie nun fleissig weiter. «Mir würde etwas fehlen», sagt die Mutter von zwei Töchtern. «Wir sind wie eine grosse Familie.» So hat sie während ihrer Blogpause  –  die Handwerker waren im Haus – Mails von besorgten Bloggerinnen erhalten. Oder nachträglich zum Geburtstag von einer Frau aus Deutschland neue rotweisskarierte Vorhänge für ihre Küche. Ein Ereignis hat die 50-Jährige besonders berührt: «Eine Frau, die oft meine Beiträge kommentiert hat, ist gestorben. Zwei Tage zuvor hatte sie mir noch geschrieben.»

Immer die Kamera dabei
Ein mit Blumen dekoriertes Velo, daneben ein rostiges Herz. Zoom

Ein mit Blumen dekoriertes Velo, daneben ein rostiges Herz.

Am Anfang hat Yvonne Aldrovandi noch häufiger gebloggt. Inzwischen schreibt sie einmal pro Woche. «Schliesslich soll das Bloggen nicht zu meiner Hauptbeschäftigung werden», sagt sie. An Ideen mangelt es ihr nie. «Wenn ich im Internet oder in Zeitschriften etwas finde, das mir gefällt, setzte ich das um», sagt die gebürtige Thurgauerin. Inspiration findet die kreative Frau auch in der Natur. «Seit ich blogge, habe ich immer die Kamera dabei», sagt sie. Dabei entdeckt sie spezielle Steine, Schwemmholz mit interessanter Struktur und vieles mehr. Aber auch in der Brockenstube stösst Yvonne Aldrovandi immer wieder auf brauchbare Dekorationsgegenstände. Etwa eine alte Suppenkelle, die nun als Kerzenhalter am Rosenbogen hängt. Oder ein Buch mit Sprüchen, die sie in Kalligraphie-Schrift auf selbstgebastelte Karten überträgt.  

«Grüezi mitenand!»
Ein Betongugelhopf. Zoom

Ein Betongugelhopf.

In nächster Zeit wird Yvonne Aldrovandi an einem Nachmittag einen Kurs in Aquarellmalen besuchen. Vielleicht stellt sie auch Gipsgugelhöpfe her, in welche sie Kerzen stellen kann. «Für Geburtstagsfeste», sagt sie. Geplant hat sie auch, demnächst einen Post auf Mundart zu schreiben. «Vor allem die Deutschen lieben unseren Dialekt», sagt die Bloggerin. Deshalb beginnt sie ihre Einträge jeweils mit einem «Grüezi mitenand!», denn ihre meisten Leser stammen aus Deutschland, gefolgt von der Schweiz.
Ganz besonders freut sich Yvonne Aldrovandi aber auf die Olma. «Sie gehört einfach dazu», sagt sie. «Schon als Kind war ich jeweils an der Olma.» Nur letztes Jahr musste die 50-Jährige passen – wegen einer Knieverletzung. Dieses Jahr will sie aber unbedingt wieder dabei sein. «Und dann gibt es eine Olma-Bratwurst», sagt sie. «Ohne Senf.»

Bloggertreffen in St.Gallen
Eine Bloggerin, die in St.Gallen aufgewachsen ist, wollte sich mit Yvonne Aldrovandi in der Stadt treffen. «Ich habe ihr vorgeschlagen, dass ich auf meiner Seite einen Aufruf starte, damit auch andere Bloggerinnen dabei sein können», sagt die Muolerin, die in Hauptwil aufgewachsen ist. Nun hat sie für den Samstag, 15. September, ein Bloggertreffen in der Stadt St.Gallen organisiert. 13 Frauen aus der Deutschschweiz nehmen teil. «Wir werden in einer Pizzeria essen, durch die Stadt spazieren und uns einen Kaffee gönnen», sagt die Muolerin. (maw)

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