Bayern macht Weg frei nach München

In 145 Minuten von St. Gallen nach München: In der bayrischen Landeshauptstadt wurde gestern der Finanzierungsvertrag für den 210 Mio. Euro teuren Ausbau der Strecke Lindau–München unterzeichnet.
20. Dezember 2008, 01:00
CHRISTOPH ZWEILI

ST. GALLEN. Nun ist auch auf deutscher Seite das Geld gesprochen. Bis spätestens 2015 wird die Strecke Lindau–Memmingen–München durchgehend elektrifiziert und für den Einsatz von Neigezügen bereit sein. Die Fahrzeit zwischen Zürich und München reduziert sich von heute vier Stunden 15 Minuten auf noch drei Stunden 25 Minuten – zwischen St. Gallen und München auf zwei Stunden 25 Minuten.

50 Mio. Euro aus der Schweiz

In München wurde gestern der Finanzierungsvertrag zwischen Bayern und der Deutschen Bahn AG unterzeichnet. Der Vertrag zwischen der Schweiz und der Deutschen Bahn AG wird im Januar dem Bundesrat vorgelegt.

An den Gesamtkosten von 210 Mio. Euro beteiligten sich Bayern mit 55 Mio. und die Schweiz mit 50 Mio. Euro. Das Schweizer Parlament hatte vor drei Jahren im Rahmen des HGV-Gesetzes einer Schweizer Vorfinanzierung mit 75 Mio. Franken für den Streckenanteil der Deutschen Bahn AG zugestimmt.

Auch schneller nach Stuttgart

Künftig geht es auch schneller vom Bodensee nach Ulm und Stuttgart. Der Finanzierungsvertrag für die Neubaustrecke Ulm–Stuttgart inklusive neuem Durchgangsbahnhof Stuttgart 21 mit Gesamtkosten von über 5 Mrd. Euro kann laut einer Mitteilung des Landes Baden-Württemberg im Januar unterschrieben werden. Die Fahrzeit von Stuttgart nach Ulm halbiert sich damit ab 2020 auf noch knapp eine halbe Stunde.

Damit die Bodenseeregion auch hier den Zugang findet, haben die Regionalverbände und Gemeinden die Deutsche Bahn AG für 1,4 Mio. Euro mit der Vorplanung der Elektrifizierung Lindau–Friedrichshafen–Ulm beauftragt. Für das 130 Mio. Euro teure Bauprojekt sind die Verhandlungen über den Finanzierungvertrag ebenfalls in der Abschlussphase.

Die Realisierung soll hier spätestens 2012 begonnen und bis 2015 abgeschlossen werden. Nach dem Ausbau wird die Fahrzeit von Friedrichshafen nach Stuttgart via Ulm noch eine Stunde 30 Minuten betragen.

Neue Rheinbrücke

Der Weg von St. Margrethen nach München und Ulm führt über Österreich. Der von der österreichischen Bundesbahn betriebene Abschnitt wird ebenfalls für gut 50 Mio. Euro ausgebaut. Hauptbauwerk ist eine neue Rheinbrücke zwischen St. Margrethen und Lustenau.

Die neue Rheinbrücke verläuft gegenüber der bestehenden Brücke um rund zwei Meter angehoben und leicht rheinaufwärts verschoben. Damit können die neuen Hochwasservorgaben für den Alpenrhein erfüllt und die enge Kurve in Lustenau gestreckt werden. Das Bauprojekt steht, und die Pläne für den Schweizer Abschnitt sollen noch im Frühling in Bern zur Genehmigung eingereicht werden.

Knackpunkt bildet auch hier die Finanzierung. Derzeit laufen deshalb Gespräche zwischen Österreich und der Schweiz über die Aushandlung eines neuen Staatsvertrags.

Ausbau Zürich–St. Margrethen

Das Schweizer Parlament hat vor drei Jahren auch 180 Mio. Franken für den HGV-Ausbau der SBB-Strecke Zürich–St. Margrethen zugestimmt. Im Abschnitt St. Gallen–St. Margrethen wurde mit dem Ausbau der drei Kilometer zwischen St. Fiden und Engwil auf zwei Spuren im Oktober begonnen. Für die Ausbauten im Abschnitt Zürich–Winterthur werden die SBB-Auflageprojekte bis April/Mai 2009 ausgearbeitet. In den nächsten fünf Jahren werden in der Ostschweiz aus dem HGV-Kredit insgesamt 440 Mio. Franken verbaut.

Mit der Elektrifizierung der beiden Neat-Zulaufstrecken und den Fahrzeitverkürzungen von je bis zu einer Stunde nach München und Stuttgart wird die Bedeutung des Grenzübergangs St. Margrethen für den Verkehr Richtung Deutschland/Osteuropa noch unterstrichen.


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