26'000 Passagiere im Fürstenland

ÖFFENTLICHER VERKEHR ⋅ Im Kanton St.Gallen sind 26 Prozent der Einwohner sehr gut bis gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Der meistgenutzte Bahnabschnitt liegt zwischen St.Gallen und Wil – das zeigt der aktuelle Standbericht des Kantons.
14. September 2017, 08:30
Christoph Zweili

Christoph Zweili

christoph.zweili@tagblatt.ch

Welche Ausbauschritte plant der Kanton St.Gallen im öffentlichen Verkehr für 2030/35? Welche Bahnkorridore sind am meisten frequentiert? In welchen Bahnhöfen steigen am meisten Passagiere ein und aus? Welche Rolle spielt der öffentliche Verkehr im Vergleich zu den andern Verkehrsträgern? Und wie ist er finanziert? – Wer etwas über den öffentlichen Verkehr im Kanton St.Gallen wissen will, findet die wichtigsten Kennzahlen im aktuellen Standbericht.

 

Abgeltungen: Im laufenden Jahr zahlen Bund (51,0), Kanton (42,2) und Gemeinden (42,2) 135,5 Millionen Franken an den Regional- und Ortsverkehr.

Ausbauschritte 2030/35: Die wichtigsten Ausbauwünsche im Kanton sind stündlich vier Fernverkehrsverbindungen Zürich–St.Gallen mit unterschiedlicher Haltepolitik, der Halbstundentakt beim Voralpen-Express und die Stadtbahn Obersee (zweite Etappe) St.Gallen–Luzern. Ferner sind es die Durchmesserlinien im Viertelstundentakt Gossau–Rorschach, der S-Bahn-Viertelstundentakt Wil–St.Gallen, ein neuer Schnellzug Konstanz–St. Margrethen und der S-Bahn-Halbstundentakt Altstätten–Sargans–Ziegelbrücke. Die Projekte für total 7 bis 12 Milliarden Franken sprengen den Finanzrahmen: Der Bund prüft und priorisiert daher diesen Wunschkatalog.

Bahninfrastruktur: Die bisher von Bund und Kantonen gemeinsam finanzierten Kosten für Betrieb und Substanzerhalt der Privatbahnen werden seit 2016 vollumfänglich aus dem Bahnin­frastrukturfonds (BIF) finanziert. Im Gegenzug leisten die Kantone einen Pauschalbeitrag von 500 Millionen Franken (300 Millionen bisher, neu 200 Millionen zusätzlich). Auf den Kanton St.Gallen entfiel für das Jahr 2017 ein Anteil von 33,15 Millionen Franken. Für 2018 wird es ein Anteil von 31,95 Millionen sein. Die Kantonsbeiträge an den BIF werden ab 2019 steigen. Aus den Leistungsvereinbarungen 2017 bis 2020 im Umfang von 4,9 Milliarden Franken entfallen auf die SOB 265 Millionen, die Thurbo 29 Millionen, die Appenzeller Bahnen 80,4 und die Frauenfeld-Wil-Bahn 18,4 Millionen Franken.

Bahn und Bus: Der Kanton St.Gallen beteiligt sich seit 2016 am Stadt- und Ortsverkehr – er bestellt und finanziert neu 27 Ortsbuslinien in St.Gallen, Rorschach, Wil und Rapperswil-Jona mit, im ganzen Kanton sind es aktuell 120 Regionalbuslinien. Das Netz im ganzen Kanton ist 1300 Kilometer lang. Die Bahnen erbringen den grössten Teil der gefahrenen Personenkilometer – 688,8 Millionen im laufenden Jahr. Der Busanteil steigt aber stetig: 2017 beträgt er geschätzte 221,7 Millionen Personenkilometer.

Ein- und Aussteiger: St.Gallen ist nach wie vor mit Abstand der am meisten frequentierte Bahnhof im Kanton: Hier werden täglich knapp 42'000 ein- und aussteigende Passagiere gezählt – national liegt St.Gallen damit allerdings erst an 14. Stelle. Es folgen Rapperswil mit 22'000 und Wil mit 18'000 Ein- und Aussteigern pro Tag. Es gibt aber auch die Kleinen: In Salez-Sennwald, Mols, Rüthi und Bronschhofen AMP steigen pro Tag nur rund 100 Personen ein und aus.

Erschliessungsqualität:Über den ganzen Kanton betrachtet sind rund 26 Prozent der Einwohner sehr gut bis gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Über 60 Prozent verfügen über eine mittelmässige oder geringe Erschliessungsgüte. 12 Prozent sind nicht mit dem ÖV erschlossen. Für die Attraktivität des Arbeitsplatz-Standortes wird die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer wichtiger: Während in der Region St.Gallen-Bodensee mehr als die Hälfte der Beschäftigten gut bis sehr gut an ihren Arbeitsplatz mit dem ÖV angebunden sind, sind dies in der Region Zürichsee-Linth mit dem zweithöchsten Anteil nur ein Drittel der Beschäftigten. In den Regionen Rheintal, Sarganserland-Werdenberg und im Toggenburg arbeiten die meisten Beschäftigten an Standorten mit geringer ÖV-Erschliessungsgüte.

Fahrgäste: Die Zahl der beförderten Fahrgäste im regionalen Personenverkehr wird im laufenden Jahr auf 84,2 Millionen geschätzt, das sind 4,2 Prozent mehr als 2016: Die Begründung liegt in der Übernahme des Bus-Ortsverkehrs.

Kostendeckungsgrad: Das System Stadt-, Ortsbus erreicht in der Stadt St.Gallen den sehr hohen Kostendeckungsgrad von 72 Prozent. Über den ganzen Kanton beträgt der Kostendeckungsgrad im Regional- und Ortsverkehr 54,2 Prozent.

Verkehrskorridore: Die meistgenutzte Bahnstrecke im Kanton war 2016 der Abschnitt St.Gallen–Wil. Bis zu 26'000 Fahrgäste pro Tag wurden im Fern- und Regionalverkehr transportiert. Im Vergleich zu 2014 wurden die höchsten Zuwachsraten in den Korridoren St.Gallen–Gossau (plus 13 Prozent) und Gossau–Wil (plus 11 Prozent) verzeichnet. Die Strecke Sargans–Ziegelbrücke weist mit knapp 20000 Fahrgästen die zweithöchste Frequenz auf. Der Abschnitt Wattwil–Nesslau ist die am wenigsten befahrene Normalspurstrecke.

Verkehrsträger: Die St.Gallerinnen und St.Galler besitzen im nationalen Vergleich weniger ÖV-Abonnemente: In städtischen Gebieten liegt der Anteil 7 Prozent tiefer als in der Schweiz, im ländlichen Raum dafür 2 Prozent höher als im Schweizer Durchschnitt. Rund 62 Prozent aller Einwohner in städtischen Gebieten besitzen ein ÖV-Abonnement. In den Regionen Rheintal und Sarganserland-Werdenberg ist der ÖV-Anteil am kleinsten – Ursachen sind das gut ausgebaute Strassennetz, die weiten Siedlungsstrukturen und die hohe Verfügbarkeit eines Autos. Demgegenüber sind zwischen Rorschach–St.Gallen und Wil–Nesslau seit 2013 jährlich mehr Pendler mit dem ÖV unterwegs.

Unternehmen: Mit 181,58 Millionen erbrachten die SBB 2016 einen Anteil von 39,5 Prozent der gefahrenen Personenkilometer, gefolgt von Thurbo (29,9), SOB (28,5), Appenzeller Bahnen (2) und Frauenfeld-Wil-Bahn (0,1 Prozent). Bei den Busunternehmen sind es mit 71,45 Millionen Postauto Region Ostschweiz (35,3), die Verkehrsbetriebe St.Gallen (30,6), Bus Ostschweiz (15,6) und Regiobus (8,1).


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