Editorial

Im Ausland ist leichter Vorbild sein als daheim

09. November 2014, 02:34

Schweizer brüsten sich – vorab im Ausland – oft und gern mit dem System und den Vorteilen der direkten Demokratie. Dabei betonen sie vor allem, dass hierzulande über fast alles und jedes abgestimmt werden kann. Weil es Verfassung und Gesetzgebung so vorsehen, oder weil es eine bestimmte Anzahl Stimmberechtigter verlangt. Des Eigenlobs kurzer Schluss: Die Welt wäre besser, nähme sie sich die Schweiz als Vorbild.

Geht es aber darum, im eigenen Land als Vorbild voranzugehen, sieht es anders aus. Die Mitbezahlpflicht für Ausländer gilt zwar als selbstverständlich; in Sachen Mitbestimmung allerdings werden sie an der kurzen Leine gehalten. Das Recht auf Teilhabe an der direkten Demokratie definiert sich per Geburt, und nicht über die Frage, was jemand an das Funktionieren des Gemeinwesens ideell und materiell beisteuert. Lediglich drei Gemeinden in der Ostschweiz kennen heute das Ausländerstimmrecht. Sagt Rehetobel am 30. November ja, kommt zu den Exoten ein vierter hinzu. Einen Meinungsumschwung auf breiter Ebene wird das nicht auslösen – der Rest der Region wird sich um die Ausserrhoder Leuchttürmchen foutieren. (Seiten 2,3,15)

Einen einzigen, dafür starken Leuchtturm wünscht sich, wer von Berufs wegen, in der Schule oder ganz einfach aus Freude am Schreiben mit Fragen der Rechtschreibung konfrontiert ist. Seit die Rechtschreibereform angestossen wurde, halten Verteidiger der überkommenen Regeln vehement dagegen. Zwischen den beiden Lagern suchen Organisationen wie die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) einen Mittelweg, auf dem Reformbedarf und Tradition nebeneinander Platz haben. Durchgesetzt hat sich bislang keine der Parteien. Was wird gross und was klein geschrieben? Was zusammen und was getrennt? Kaum mehr jemand ist sich seiner Sache sicher – und lässt darum das Schreiben aus Angst vor Fehlern ganz sein. Würden die Leute folgedessen mehr miteinander reden, wäre das ja auch nicht zu verachten. Doch sie stopfen sie sich lieber einen Stöpsel ins Ohr – und tippen SMS.


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