Stoppt alle Tierversuche

Gastkommentar – Renato Werndli zu den geplanten Versuchen an Primaten in Zürich
31. Juli 2016, 02:35

Tierversuche sind ethisch betrachtet wohl etwas vom allerschlimmsten, das wir Menschen uns zuschulden kommen lassen. Und die Qualen gehen täglich weiter, so gut es geht im Verborgenen, um die Empörung nicht zu provozieren. Wer sich aber etwas näher damit befasst, der kennt das unglaubliche Ausmass dieser Leiden. Immer wieder erscheinen heimlich aufgenommene Videos, in denen Brutalitäten an Versuchstieren publik werden.

Dies zur unbestrittenen ethischen Komponente der Tierversuche. Wissenschaftlich gelingt es den Forschenden leider problemlos, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen, indem sie Angst verursachend behaupten, dass der medizinische Fortschritt ohne Tierversuche leide. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt immer mehr Hinweise, dass durch die meist fehlende Übertragbarkeit der Erkenntnisse von Tieren auf den Menschen die Forschung sehr oft fehlgeleitet wird. Und wahrscheinlich merken dies die Forschenden selber. Aber aus Publikationswahn, Titelsucht und aus Bequemlichkeit machen sie pietätlos weiter.

Gegenwärtig sind Versuche an Primaten, zu denen Affen gehören, ein aktuelles Thema. 2009 hatte die Zürcher Tierversuchskommission erstmals überraschend einen Antrag auf Versuche mit Primaten abgelehnt. Nun hat das Institut für Neuroinformatik von Uni und ETH erneut einen Antrag gestellt für ähnliche Versuche, der diesmal bewilligt wurde. Drei Tierversuchs-Kommissionsmitglieder haben gegen diesen Entscheid Rekurs beim Regierungsrat und nun auch beim Verwaltungsgericht eingelegt. Der Entscheid ist hängig.

Bei diesen Primatenversuchen geht es lediglich um Grundlagenforschung zum Thema Schizophrenie. Forscher Valerio Mante möchte wörtlich «die Ursache von Schizophrenie verstehen». Dabei ist ihm bestens bekannt, dass sich die allerwenigsten Resultate gerade bei psychischen Krankheiten einfach so von einer Tierart zur anderen oder auf den Menschen übertragen lassen. Alternativen sind allerdings keineswegs Menschenversuche. Als Arzt kann ich bestätigen, dass am meisten Erkenntnisse an medizinischem Wissen durch sorgfältige Beobachtung von Kranken, durch Autopsien und durch epidemiologische Studien entstehen. Ebenso durch Arbeiten mit menschlichen Zell- und Gewebekulturen. So müsste kein einziges Tier leiden.

Zum Glück regt sich Widerstand gegen diese unsäglichen Versuche: Bereits 46 Organisationen und Unternehmen sprechen sich öffentlich gegen Tierversuche aus und begrüssen das Initiativprojekt von tierversuchsverbot.ch. Am 3. September ruft die Ligue suisse contra la vivisection wegen der Primatenversuche zu einer bewilligten Kundgebung auf mit anschliessendem Demo-Zug von der Stirnseite des HB Zürich zur ETH. Die Forderung ist eindeutig: «Stoppt alle Tierversuche – jetzt, sofort!»


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