Hochzeitstag als Autonummer

Im Thurgau versteigert das Strassenverkehrsamt ab Mittwoch einstellige Autonummern. Der Kanton erwartet Einnahmen von einer Viertelmillion Franken. Das Geld fliesst in die Verkehrssicherheit.

17. Mai 2015, 02:35
SILVAN MEILE

FRAUENFELD. Eine tiefe Nummer soll das Fahrzeug des Autonarren schmücken – oder zumindest eine, die durch eine besondere Zahlenkombination auffällt. Glück und ein gutgelaunter Mitarbeiter des Strassenverkehrsamtes reichen dafür nicht aus. Vielmehr bestimmt die Nachfrage den Preis. Generell gilt: Je tiefer die Nummer, desto wertvoller das Metall, in das sie geprägt wird. Einem St. Galler war das Kontrollschild SG 1 einst 135 000 Franken wert. Auch TI 10 und ZH 1000 sind in dieser Preisklasse an Autos geschraubt worden.

TG 1 bleibt in der Schatzkammer

Im Thurgau kostete die bislang teuerste Autonummer – eine tiefe zweistellige Zahl – 45 800 Franken, sagt Ernst Anderwert, Geschäftsführer des Strassenverkehrsamtes Thurgau. Nun gerät diese Marke ins Wanken. Denn für die Thurgauer Autofahrer ist der Startschuss zum Rennen um einstellige Autonummern gefallen. TG 4 bis TG 10, bis anhin nicht vergeben, kommen ab Mittwoch im Wochenrhythmus unter den Hammer. Eine Viertelmillion will das Strassenverkehrsamt mit den sieben Versteigerungen einfahren.

«Wir verzeichnen seit Bekanntgabe der Auktion Ende April einen deutlichen Anstieg an Nutzern auf unserer Auktionsseite», sagt Anderwert. Für die Nummer TG 4 lag am Freitagabend, eineinhalb Monate vor Auktionsende, das Höchstgebot bei 34 650 Franken. Für TG 10 müssen 22 450 Franken überboten werden. Diese Auktion endet am Mittwochabend. Die Schilder TG 1 bis TG 3 bleiben in der Schatzkammer.

Hochzeitsdaten hoch im Kurs

Als erster Kanton startete der Thurgau 2002 mit der Auktion begehrter Autonummern. Für 6,5 Millionen Franken ersteigerten 5000 Thurgauer inzwischen eine Nummer. Seit 2010 können Autofahrer diese auch selber auf der Auktionsplattform anbieten. Der Erlös fliesst – abzüglich der amtlichen Gebühren – in ihre eigenen Taschen. Eine halbe Million wurde bisher so umgesetzt, sagt Anderwert. Die Hoffnung, jemand biete auch für eine vermeintlich gewöhnliche Nummer Geld, ist nicht abwegig. Auch eine sechsstellige Autonummer kann einige hundert Franken Gewinn abwerfen. «Beliebt sind beispielsweise Zahlen, die für ein Hochzeitsdatum oder einen Geburtstag stehen», macht Anderwert deutlich. Bei aller Euphorie räumt er auch ein, dass hohe Summen für eine Autonummer von Kritikern als dekadent empfunden würden. Im Thurgau habe man aber «eine sehr gute Lösung» zur Verwendung der Einnahmen gefunden. Das Geld fliesst nicht wie in anderen Kantonen direkt in die Staatskasse, sondern ausschliesslich in Präventionsprojekte für mehr Verkehrssicherheit. Auch etwa Leuchtwesten für Schüler oder Verkehrsparcours werden damit bezahlt.


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