Die verhängnisvolle Ähnlichkeit

Die harmlose Waldschabe taucht vermehrt in Häusern und Wohnungen auf. Weil sie der Deutschen Schabe, der Kakerlake, zum Verwechseln ähnlich sieht, kommt es derzeit vielfach zu Verwirrungen.
26. Juli 2015, 02:35
SEBASTIAN KELLER

Die Schädlingsbekämpfer kommen sich diesen Sommer vor wie ein Callcenter. Der Grund: Waldschaben tauchen vermehrt in Wohnungen und Häusern auf und verwirren die Menschen. «Es hat diesen Sommer extrem viel», bestätigt Werner Strebel von Strebel's Schädlingsbekämpfungs-Service in Rorschacherberg. «Wir haben viele Anrufe deswegen», sagt auch Andy Probst von der schweizweit tätigen Desinfecta AG. Die Schädlingsbekämpfer können die Anrufer beruhigen: Die Waldschabe ist harmlos. Das sieht auch der Bund so. «Waldschaben sind vielleicht lästig, stellen aber kein Gesundheitsproblem dar», sagt Catherine Cossy, Sprecherin des Bundesamtes für Gesundheit. «Diese Tiere bereiten aus Umweltsicht keine Probleme», sagt Rebekka Reichlin, Sprecherin des Bundesamtes für Umwelt.

Für die Verwirrung verantwortlich ist die Doppelgängerin der Waldschabe: die Deutsche Schabe, besser bekannt als Kakerlake. Sie sieht der Waldschabe zum Verwechseln ähnlich wie ein eineiiger Zwilling. Die Deutsche Schabe ist der böse Zwilling: Sie richtet Schäden an Lebensmitteln an und überträgt Krankheiten wie Salmonellen. Optisch unterscheiden sich die zwei Schabenarten nur gering: Die Deutsche Schabe weist zwei schwarze Längsstreifen auf dem Halsschild auf, die Waldschabe nicht.

Offene Fenster und Türen

Die Waldschabe verirrt sich vor allem im Sommer in Räume, wenn viele Fenster und Türen offenstehen. Sie kann fliegen, die Kakerlake hat zwar auch Flügel, kann sich damit aber nicht fortbewegen – sie lässt sich vielmehr als blinder Passagier transportieren. Vielfach wird sie in Koffern aus den Ferien eingeschleppt. Schädlingsbekämpfer Werner Strebel rät deshalb zur Artenbestimmung. Und die ist einfach: Wenn das Insekt auf dem Balkon, an der Hausfassade oder im Garten gesehen wird, ist es meist eine Waldschabe. Um sicher zu gehen, könne man die Schabe auch in die Luft werfen. Wenn sie fliegt, ist es eine harmlose Waldschabe. Wenn sie nicht fliegt, ist ein Anruf bei einem Schädlingsbekämpfer angezeigt.

Um Waldschaben und andere Insekten fernzuhalten, rät Andy Probst, den Abfallsack öfters zu wechseln. Auch Fliegengitter vor Fenstern können unerwünschte Gäste fernhalten. Die Waldschabe überlebt in Räumen nicht lange und verendet nach einigen Tagen. Wer sie mit einem Glas sorgfältig einfängt, kann sie in Freiheit entlassen und schenkt ihr dadurch vielleicht weitere Lebenstage.

Noch mehr ungebetene Gäste

«Bleibt es weiterhin trocken, kann es sein, dass auch die Orientalische Schabe vermehrt auftaucht», sagt Andy Probst. Wenn ihr Lebensraum, die Kanalisation, austrocknet, kriecht sie allenfalls zu Toiletten hoch. Diese Art ist nicht harmlos. Die Orientalische Schabe schleppt Keime ein und überträgt sie. Auch sie ist ein Fall für die Schädlingsbekämpfer.


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