Letzte Hinrichtung vor 70 Jahren

14. Juli 2013, 01:33

Es scheint lang, lang her zu sein – doch dieser Eindruck täuscht: Die letzte Hinrichtung in der Schweiz, die auf altes kantonales Strafrecht gestützt war, fand am 18. Oktober 1940 in Sarnen statt. Der dreifache Mörder Hans Vollenweider wurde 32jährig durch die Guillotine hingerichtet.

Abschaffung fast verhindert

Die Abschaffung der Todesstrafe war in der Schweiz kein klarer und einfacher Schritt, sondern eine langwierige und komplizierte Geschichte. Eigentlich war sie schon im Jahr 1874 verboten worden. In einer Volksabstimmung wurde sie 1879 aber wieder erlaubt. Einige Kantone, vor allem katholische, führten die Todesstrafe wieder ein. 1938 kam dann die erneute Wende: Mit der Annahme des eidgenössischen Strafgesetzbuchs, womit das Schweizer Strafrecht vereinheitlicht wurde, lehnte das Stimmvolk die Todesstrafe in der Schweiz endgültig ab. Hans Vollenweider war der Letzte, der nach einem zivilen Strafprozess hingerichtet wurde. Das Obwaldner Kantonsparlament hatte sein Gnadengesuch abgelehnt. Dies löste zum Teil heftige Debatten aus, weil die Abschaffung der Todesstrafe zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, aber noch nicht in Kraft war.

Der Fall des «Taximörders» Paul Irniger hätte die Abschaffung der Todesstrafe fast verhindert. Irniger hatte in Baar einen Taxifahrer ermordet und 1937 in Rapperswil einen Polizisten und einen weiteren Mann erschossen. Das St. Galler Gericht verurteilte ihn im Frühling 1938 zum Tode, das Kantonsparlament begnadigte ihn aber. Danach wurde Irniger nach Zug überführt, wo er 1939 hingerichtet wurde.

Das Militärstrafgesetz erlaubte die Todesstrafe in Kriegszeiten noch bis ins Jahr 1992. Auf dieser Basis wurden im Zweiten Weltkrieg 30 Schweizer Soldaten zum Tod verurteilt; 17 davon wurden bis zum Kriegsende erschossen. Besonders bekannt ist der Fall von Ernst Schrämli, der wegen Landesverrats 1942 bei Oberuzwil hingerichtet wurde. Die letzte Hinrichtung, die auf dieses Gesetz gestützt war, fand 1944 statt. Seit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung am 1. Januar 2000 ist die Todesstrafe auch verfassungsrechtlich vollständig verboten.

Neue Todesstrafe-Initiativen

Dennoch wird immer wieder darüber diskutiert: 1983 wurde die Volksinitiative «Zur Rettung unserer Jugend» lanciert, sie sah die Todesstrafe für Drogenhändler vor. Die Unterschriften kamen nicht zusammen. 2010 reichte ein Komitee die Unterschriftenliste für eine Initiative ein, welche die Todesstrafe bei «Mord mit sexuellem Missbrauch» forderte. Das Komitee zog das Begehren zurück. (kba)


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