Obacht

Zum Geburtstag Post vom Mars

05. Juni 2016, 02:35
Silvan Lüchinger

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Steve Schilds Wille ist es, bis 2027 zusammen mit anderen Astronauten auf dem Mars zu landen und dort eine Siedlung zu bauen. Eine dauerhafte, denn die Rakete zurück gibt es nicht. Die Expo 2027 – wenn sie denn kommt – wird Schild nur aus Distanz erleben.

Mit der Idee, sein Leben auf dem roten Planeten zu beschliessen, geht der Elgger schon länger schwanger. Inzwischen hat es der Marsaspirant in den Kreis der letzten hundert Bewerber geschafft. Inzwischen ist aber auch seine Partnerin schwanger. Real, nicht mit einem Venus-Projekt.

An Steve Schilds interplanetaren Träumen ändert das nichts. Und Leute, die das nicht verstehen, versteht er nicht. Es gebe viele Menschen, die hinter seiner Freundin stehen würden, wenn er dann einmal weg sei, ist er sich sicher. Allein in den Himmel hinauf schauen muss sie also nicht.

Das Kind ist ohnehin kein Problem. 2027 wird es zehnjährig sein. In diesem Alter versteht man, dass der Vater jetzt ein Marsianer ist. Zudem ist laut Schild Kommunikation mit den Angehörigen auch vom Mars aus möglich. Wo doch schon heute jedes Kind ein Handy hat.

Was ein rechter Vater ist, weiss auch, dass Geschenke die familiäre Bindung stärken. Wie werden die Kinderaugen strahlen, wenn pünktlich zu Weihnachten und zum Geburtstag Post vom Mars eintrifft. Der Nachwuchs wird vergehen vor Stolz. Welches andere Kind kann schon am Zeigetag in der Schule echte grüne Männchen vorführen? Da würde ein Vater nur stören.


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