Wiler helfen Ostschweizern

OHO ⋅ Andreas Zeller ist einer von 15 Beiräten der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern. Er sagt, die Bearbeitung der Gesuche sei gegenwärtig recht zeitintensiv – aber auch äusserst befriedigend.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Die Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) läuft auf Hochtouren. Die Beiräte, welche die Gesuche bearbeiten, kommen aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell. Einer von ihnen ist alt Nationalrat Andreas Zeller, Geschäftsführer der Ausgleichskasse Schweizerischer Elektrizitätswerke.

Andreas Zeller, seit wann sind Sie OhO-Beirat?

Ich darf jetzt schon im dritten Jahr diese ebenso anspruchsvolle wie interessante und befriedigende Arbeit erfüllen.

Wie sind Sie zur Spenden­aktion gekommen?

Die Präsidentin des Beirates, Marianne Kleiner, hatte mich angefragt, ob ich mitarbeiten möchte. Sie kannte mich aus den gemeinsamen Zeiten in der Finanzkommission des Nationalrates. Anscheinend habe ich dort bewiesen, dass ich haushälterisch mit fremdem Geld umgehen kann, ohne Notlagen der sozial Benachteiligten unserer Gesellschaft zu vergessen.

Weshalb engagieren Sie sich für OhO?

Es ist eine Aufgabe mit drei Gewinnern: Die finanzielle Notlage eines Beschenkten wird gelindert, der Spender weiss, dass sein Geld optimal eingesetzt wird, und der Beirat freut sich über die Zufriedenheit der Beteiligten. Kommt hinzu: Schicksale, für die es trotz gut ausgebauter Auffangnetze keine finanzielle Unterstützung gibt, sind auch bei uns häufiger, als wir oft glauben.

Hat Sie ein Gesuch besonders bewegt?

Die eindrücklichsten Gesuche sind jene, in denen eine Person zunächst alles versucht, eine finanzielle Notlage eigenverantwortlich selbst zu meistern – letztlich aber trotzdem auf Unterstützung angewiesen ist.

Haben Sie bestimmte Schicksale weiterverfolgt?

Dafür fehlt meistens die Zeit. Zudem will man ja nicht aufdringlich und indiskret sein. Und dennoch: Offene und nicht selten rührende Dankesbriefe geben Einblick in den weiteren Verlauf einer OhO-Unterstützung.

Sind Sie im OhO-Beirat für einen bestimmten Bereich zuständig?

Jedem Beirat ist eine bestimmte Region zugeteilt, in der er alle Gesuche behandelt. Dabei wird dar­auf geachtet, dass die zugeteilte Region nicht mit dem Wohnsitz des Beirates identisch ist. Dieser Grundsatz hat den Vorteil, dass Anonymität und Neutralität des jeweiligen Beirates bestmöglich gewährleistet werden.

Sind sich die Beiräte immer einig oder kommt es auch mal zu Diskussionen?

Wenn es um grössere Beiträge geht, wird die Entscheidung im Gesamtplenum gefällt. Da oft ein gewisses Ermessen sowie die subjektive Beurteilung jedes einzelnen Beirates hineinspielen, ist es fast logisch, dass es nicht selten zu Diskussionen kommt. Diese sind aber im Gegensatz zu vielen politischen Diskussionen ausnahmslos sachlich und vor allem: Die Entscheidungen sind letztlich fast immer einstimmig.

Wie zeitintensiv ist die Arbeit als OhO-Beirat?

Jeder Beirat bearbeitet in den Monaten November und Dezember rund 140 Gesuche. Dazu kommen drei bis vier Sitzungen des Gesamtplenums. In diesen beiden Monaten ist der zeitliche Aufwand recht gross – aber stets äusserst befriedigend. Und Arbeit, die man gerne macht, belastet wenig bis nicht.

Inzwischen haben Ostschweizerinnen und Ostschweizer fast 1,2 Millionen Franken für OhO gespendet – und die Aktion dauert an. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Der andernorts verwendete Slogan «Aus der Region, für die Region» ist meines Erachtens der Erfolgsfaktor. Hinzu kommt, dass praktisch keine Verwaltungskosten anfallen.

www.tagblatt.ch/oho


Leserkommentare