Thurgauer helfen Ostschweizern

OHO ⋅ Drei Beiräte der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern kommen aus dem Thurgau. Sie haben dieselbe Motivation, doch unterschiedliche Hintergründe.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Seit zwölf Jahren gibt es die Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO). Und seit zwölf Jahren ist Anita Fahrni im Beirat des Vereins. «So habe ich gesehen, wie OhO sich von einer Idee zu einer Aktion mit sehr breiter Wirksamkeit entwickelt hat», sagt Fahrni. OhO ist ein Erfolgsprojekt. Im vergangenen Jahr ist eine Rekordsumme von über 1,3 Millionen Franken eingegangen. Damit wurden über 1300 Gesuche erfüllt. Der Beirat, der sie bearbeitet, zählt 15 Mitglieder. Drei kommen aus dem Thurgau, die anderen aus dem Kanton St. Gallen und den beiden Appenzell. Und jedes Mitglied hat einen anderen Hintergrund.

Anita Fahrni war elf Jahre im Kantonsrat, zwölf Jahre im Zentralvorstand von Helvetas und in Frauenorganisationen aktiv. «Ich engagiere mich für OhO, weil die Aktion direkt und schnell Leuten aus unserer Region hilft, die sich in Schwierigkeiten befinden – normalerweise unverschuldet», sagt sie. Die Schweiz habe eine gute Sozialhilfe. «Trotzdem gibt es Leute, die vorübergehend Hilfe aus anderen Mitteln brauchen, um wieder Fuss zu fassen.» Es mache ihr Eindruck, wenn der Beirat ein bescheidenes Gesuch bekomme, für zwei- oder dreihundert Franken. Oder wenn eine Familie durch Krankheit aus dem Ruder geworfen werde und für Kosten aufkommen müsse, welche die Krankenkasse nicht decke – etwa für Kinderbetreuung. «Da bin ich sehr froh, dass OhO helfen kann, dank Spenden aus der Region», sagt Fahrni.

«Hilfe vor Ort ist auch in der Ostschweiz nötig»

Sie kommt aus Frauenfeld, so wie ein weiterer Thurgauer Beirat: der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm. «Ich bin schon seit 2013 mit von der Partie.» Er sei seitens Beiratsmitgliedern angefragt worden, da diese gerne einen weiteren Vertreter aus dem Kanton Thurgau dabei haben wollten, sagt Stokholm. «Hilfe vor Ort, auch bei uns in der Ostschweiz, ist nötig.» OhO ermögliche, dass vielen Menschen, die in einer schwierigen Situation seien, unbürokratisch und schnell geholfen werden könne. Wie Anita Fahrni sagt auch Anders Stokholm, dass ihn die kleinen Gesuche bewegten, bei denen um zwei- oder dreihundert Franken für eine Anschaffung gebeten werde. Als Beispiel nennt er eine siebenköpfige Familie, die für ihre älteste Tochter um einen Beitrag an einen neuen Schreibtisch ersucht hatte, damit sie ihre Aufgaben in der richtigen Sitzposition machen könne. «Gerade in der Weihnachtszeit können wir mit einer Spende unsere Dankbarkeit ausdrücken und Menschen in der Nähe unterstützen», sagt Stokholm.

Dankbarkeit ist auch für Kathrin Zellweger ein Grund, weshalb sie sich für OhO engagiert. Die Journalistin aus Weinfelden ist seit vier Jahren Beiratsmitglied. «Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens. Grund genug, mich für jene einzusetzen, die im Schatten stehen», sagt sie.

Dankbarkeit sei das eine. «Das andere ist, dass ich viel lernen kann.» Es gebe Menschen, die sich allen Schicksalsschlägen zum Trotz dem Leben stellten und ihre Kräfte mobilisierten, um aus ihrer Situation hinauszufinden, sagt Zellweger. Ein besonderes Schicksal hervorheben möchte sie nicht. «Es bewegen mich alle Gesuche, sonst würde ich sie nicht bewilligen.» Aber vor allem jene Menschen würden sie bewegen, die schier Unmögliches versuchten, um nicht auf dem Sozialamt zu landen. «Oder wenn eine Rechtsanwältin auf ein Drittel ihres Honorars verzichtet, um ihren Mandanten finanziell zu entlasten.» Während der diesjährigen Aktion sind bereits über eine Million Franken für OhO gespendet worden. Und auch in diesen Tagen und den kommenden Wochen können Spenden eingehen. Den Erfolg von OhO erklärt sich Kathrin Zellweger damit, dass die Spenden Menschen in der Region helfen. Diese Nähe schaffe Verbindlichkeit und Verbindung.

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