St.Galler helfen Ostschweizern

OHO ⋅ Drei Beiräte der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern kommen aus der Stadt St. Gallen. Sie engagieren sich alle aus denselben Gründen. Doch ihre Hintergründe sind unterschiedlich.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

«Als ich zum ersten Mal von der Aktion Ostschweizer helfen Ostschweizern gehört habe, lag ich am Strand», erinnert sich Roland Eberle und lacht. Der ehemalige OhO-Vizepräsident Silvan Lüchinger hatte Eberle in den Ferien angerufen, die beiden kennen sich privat. Das war vor zwölf Jahren. Damals war die Idee für OhO gerade erst entstanden. Die Spendenaktion sollte zum ersten Mal durchgeführt werden und es war ungewiss, wie sie sich entwickeln würde. Heute steht fest: Sie ist ein Erfolgsprojekt. Im vergangenen Jahr ist eine Rekordsumme von über 1,3 Millionen Franken eingegangen. Damit wurden über 1300 Gesuche erfüllt.

Roland Eberle hat vor zwölf Jahren am Telefon zugesagt. Seitdem bewilligt er als Mitglied des OhO-Beirats Gesuche. Ein Gesuch sei ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. Eberle erzählt, wie OhO einen Familienvater unterstützt hat, der an einer seltenen Nervenkrankheit leidet. Für ein halbes Jahr habe der Verein die Kosten für ein Medikament übernommen, das die Krankenkasse damals nicht zahlen wollte. Für den Mann sei das Medikament aber sehr wichtig gewesen. Inzwischen trage die Krankenkasse die Kosten. «Es mag gemütvoll klingen, aber es macht mir Freude, anderen eine Freude zu machen.»

In den Beiratssitzungen könne er ausserdem das Wissen aus seiner Tätigkeit einbringen. Eberle ist Geschäftsstellenleiter von Procap St. Gallen-Appenzell, der regionalen Sektion des Mitgliederverbands von und für Menschen mit Behinderung. Für OhO engagiere er sich, weil er in den Spenden eine sinnvolle Ergänzung zu gesetzlichen Mitteln sehe und die Hilfe unbürokratisch sei, sagt Eberle.

Experte für zahnärztliche Fragen

Ein weiterer Beirat aus der Stadt St. Gallen ist Jürg Baumann. Seit vier Jahren engagiert er sich für OhO – aus demselben Grund wie Eberle: «Ich möchte Personen in sozialen Notständen helfen», sagt Baumann. Als Pensionär möchte er seine Zeit sozialen Aufgaben widmen und somit der Gesellschaft etwas zurückgeben.Früher sei er auch in seinem Beruf mit Nöten konfrontiert gewesen. Baumann hatte als Zahnarzt eine Praxis in St. Gallen. OhO-Beiratspräsidentin Marianne Kleiner sei vor vier Jahren auf ihn zugekommen. Im Beirat habe ein Experte für zahnärztliche Fragen gefehlt. «Wir erhalten viele Gesuche aus diesem Bereich», sagt Baumann. Meist seien sie sehr aufwendig. Denn Zahnersätze seien teuer und bestünden aus vielen Arbeitsgängen. Deshalb müssten diese Gesuche genau ausgewertet werden, ein Behandlungsplan müsse vorliegen. «Der Beirat arbeitet sehr gründlich. Das ist wichtig», sagt Baumann.

Der OhO-Beirat zählt insgesamt 15 Mitglieder. Drei von ihnen kommen aus der Stadt St. Gallen, die anderen aus Städten und Gemeinden im Kanton St. Gallen, im Thurgau und den beiden Appenzell. Er finde es schön, mit Beiräten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuarbeiten, sagt Baumann.

Aus dem sozialen Bereich etwa kommt der dritte OhO-Beirat aus der Stadt St. Gallen. «Ich vertrete als Geschäftsleiter der Caritas St. Gallen-Appenzell die Hilfswerke», sagt Philipp Holderegger. Er ist in diesem Jahr zum ersten Mal als Beirat bei der Spendenaktion aktiv. Die Aufgabe hat er von seinem Vorgänger übernommen. «Ich engagiere mich sehr gerne bei OhO, da es nirgendwo anders möglich ist, so unkompliziert Menschen zu helfen.» Während er im Rahmen seines Berufs an viele Vorgaben gebunden sei, könne er als OhO-Beirat direkter und freier auf die Gesuche eingehen.

Das Geld wird direkt ausgezahlt

Dass OhO unbürokratisch sei, würden auch Spenderinnen und Spender schätzen, sagt Holderegger. «Sie sehen direkt, in welche Projekte ihr Geld fliesst. Viele Stiftungen legen Geld in Fonds an, wir zahlen es direkt aus.» Und OhO biete zudem die Möglichkeit, Freunden, Nachbarn oder Bekannten in Not ein ganz spezielles Weihnachtsgeschenk zu machen.

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