Pünktlich zu Weihnachten

OHO ⋅ Ingrid Leu lebt in einem Pflegeheim in Schönenberg, sie sieht gerne fern. Aber ihr altes Gerät funktioniert nicht mehr, und ein neues ist zu teuer. Die Aktion Ostschweizer helfen Ostschweizern kam zur rechten Zeit.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Ingrid Leu sitzt in ihrem Sessel und strickt. Die Abendsonne fällt durch das Fenster in ihr Zimmer im thurgauischen Schönenberg. Dort lebt Leu seit fünf Jahren in einem Pflegeheim. «Es gefällt mir gut hier», sagt die 79-Jährige. Unweit des Heims fliesst die Thur. Einmal in der Woche mache sie einen kleinen Spaziergang zum Lädeli im Dorf, sagt Leu. Bis vor einem Jahr sei sie noch bis nach Weinfelden zu Fuss gegangen. Inzwischen mache ihr aber der Schwindel zu schaffen.

Aufgewachsen ist sie in Liechtenstein. Seit 1959 lebt Ingrid Leu in der Schweiz. «Mein Mann und ich sind innerhalb der Ostschweiz oft umgezogen.» Zuletzt hatte das Ehepaar in einer Wohnung in Schönenberg gelebt. Ingrid Leus Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Sie wird im Februar 80. «Eine grosse Feier wird es nicht», sagt sie. Ruth Trachsel, Berufsbeiständin von der Berufsbeistandschaft Region Bischofszell fügt hinzu: «Aber hier im Heim wird es eine kleine Feier geben.»

Am liebsten schaut sie Krimisendungen

Ruth Trachsel war es auch, die Mitte November ein Gesuch um finanzielle Unterstützung an die Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern geschickt hatte. Darin bat sie um 400 Franken für ein neues Fernsehgerät für Ingrid Leu. Wegen einer ­Umstellung des Kabelanbieters funktionierte das alte Gerät nicht mehr. «Das war sehr schade», sagt Leu. Krimisendungen wie den «Tatort» möge sie am liebsten, schweizerische, österreichische und deutsche Programme schaue sie sich an, öfters auch die «Tagesschau». Sie lese auch gerne, nichts Bestimmtes, Bücher, die es hier im Heim gebe. Doch gerade am Abend sitze sie gerne vor dem Fernseher.

Damit sie darauf nicht verzichten musste, stellte ihr das Heim ein Gerät zur Verfügung – allerdings zur Miete. Es steht auf einer Kommode neben dem Bett. «Einen Fernseher müssen die ­Bewohner des Heims selber finanzieren», sagt die Beiständin Trachsel.

Die Rente von Ingrid Leu und Zuschüsse wie etwa die Ergänzungsleistungen reichen für die Heimkosten, einen neuen Fernseher kann sie sich jedoch nicht leisten. «Ich dachte, dass die Aktion Ostschweizer helfen Ostschweizern dafür der richtige Ansprechpartner sein könnte», sagt Ruth Trachsel.

Damit sollte sie recht behalten; der Beirat bewilligte das ­Gesuch. «Das hat mich sehr gefreut», sagt die Beiständin. Sie habe das Geld vor kurzem er­halten, und in den kommenden Tagen werde sie das neue Gerät kaufen. «Pünktlich zu Weihnachten werden Sie wieder einen eigenen Fernseher haben», sagt Ruth Trachsel zu Ingrid Leu. Diese sitzt in ihrem Sessel, lächelt und sagt: «Das ist schön.»


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