«Manchmal tut Ablehnen weh»

Seit dem Beginn von OhO 2004 ist Margrit Stadler als Vizepräsidentin im Beirat aktiv. Die St. Galler alt Kantonsrätin über das Privileg, vor Weihnachten selber Christkind zu spielen, und Fälle, die sie berühren.

SAMUEL KOCH

Frau Stadler, was sind Ihre Erwartungen für die diesjährige Sammelaktion?

Margrit Stadler: Ich hoffe, dass sich die Summe am Schluss wieder im ähnlichen Rahmen wie im vergangenen Jahr bewegt. Zwar ist das ein sportliches Ziel, aber die ansteigende Zahl der Gesuche zeigt uns auch, dass die soziale Not weiter zunimmt. Ich hoffe, dass parallel auch die Spendefreudigkeit der Ostschweizer ansteigt.

Wie wichtig ist die Spendenaktion OhO für Sie?

Stadler: Seien wir ehrlich, uns geht es doch gut. Wir können vor Weihnachten das Herz und die Gefühle sprechen lassen. Ausserdem können wir Menschen aus misslichen Lagen helfen und ihnen eine Weihnachtsfreude bereiten. Ich finde es ein Privileg, vor Weihnachten selber Christkind zu spielen.

Macht die Vorweihnachtszeit OhO noch spezieller?

Stadler: Ja, definitiv. Die Vorweihnachtszeit gilt als besinnliche Zeit, in der alle noch besser auf Menschen achten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Was ist der Vorteil von OhO gegenüber anderen Spendenaktionen?

Stadler: Wir helfen in unmittelbarer Nähe. Geschenke gehen an Leute aus der Nachbarschaft, die nicht privilegiert sind. Ich staune jedes Mal wieder und bin froh, dass wir beispielsweise eine Familie unterstützen können, die den finanziellen Aufwand für eine Zahnarztrechnung der Kinder bei einem normalen Arbeiterlohn nicht bewältigen kann.

Wie würden Sie OhO in wenigen Worten beschreiben?

Stadler: OhO ist ein Hilfswerk mit Herz.

Sie arbeiten ehrenamtlich als Vizepräsidentin im Beirat von OhO. Woher kommt Ihr Engagement?

Stadler: Ich habe auch als St.Galler Kantonsrätin schon immer gerne Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Mir bedeutet es sehr viel, mich für die Gesellschaft zu engagieren.

Was ist Ihre Aufgabe im Beirat?

Stadler: Ich behandle einzelne Gesuche aus der Region Wil. Die meisten davon werden von Sozialämtern, Beratungsstellen und Institutionen eingereicht, weshalb wir uns über all die Jahre schon gut kennen und eine gute Zusammenarbeit pflegen. Gesuche von Privaten habe ich bisher vergleichsweise wenige erhalten. Wichtig ist, dass wir bei jedem Gesuch die Referenzen und die Notwendigkeit einer Spende prüfen. Das sind wir den grosszügigen Spenderinnen und Spendern in der Ostschweiz schuldig.

Hat Sie ein Fall in den vergangenen Jahren besonders berührt?

Stadler: Da kommen mir so einige in den Sinn. Am meisten beeindruckt hat mich ein Fall, als wir einer alleinerziehenden Mutter mit fünf Kindern beim Sanieren ihrer Altbauwohnung helfen konnten. Vorher regnete es buchstäblich in die Kinderzimmer. Wir halfen mit einem namhaften Betrag beim Umbau der Zimmer. Die Freude war riesig, als die Kinder in die neuen Zimmer einziehen durften.

Halten Sie nach der Unterstützung weiterhin Kontakt zu den Begünstigten?

Stadler: Nein. Ab und zu erhalte ich aber Dankesbriefe.

Tut es weh, wenn Sie jemanden ablehnen müssen oder jemandem kein Geld sprechen können?

Stadler: Ja. Manchmal tut es weh. Aber es gibt teilweise auch übertriebene Gesuche, die dann eher in Richtung Luxus gehen und deshalb von OhO nicht berücksichtigt werden können. Auch deshalb ist eine gute Abklärung vorab entscheidend.


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