Hilfe aus dem Appenzellerland

OHO ⋅ Drei Beiräte der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern kommen aus dem Appenzellerland. Ihre Motivation ist dieselbe, ihre Hintergründe jedoch sind unterschiedlich.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

«Ich bin Novize», sagt Arthur Bolliger. Der Ausserrhoder Bankier ist in diesem Jahr zum ersten Mal Beirat der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO). Die Aktion unterstützt er aber schon seit langem. «Früher habe ich jeweils gespendet.» In den Beirat kam er durch dessen Präsidentin, Marianne Kleiner. «Sie hat mich angefragt und ich habe zugesagt – ohne zu zögern.» Denn bei OhO werde der Geist der Gemeinschaft gepflegt, sagt Bolliger. Die Arbeit als Beirat sei indes nicht immer einfach: «Es nimmt mich ziemlich mit, wie viele Personen in materiellen Nöten leben.» Und das trotz eines funktionierenden Sozialstaats. Als Beispiel nennt ­ er eine Frau, die von der IV lebt und dringend eine Daunendecke benötigte. «Was für viele eine Selbstverständlichkeit ist, konnte sich diese Frau nicht leisten.» OhO konnte ihr helfen – so wie vielen anderen in der Region.

Die Weihnachtsaktion ist ein Erfolgsprojekt. Initiiert wurde sie vor zwölf Jahren. Vergangenes Jahr ist eine Rekordsumme von über 1,3 Millionen Franken eingegangen. ­Damit wurden über 1300 Ge­suche erfüllt. Der Beirat, der sie bearbeitet, zählt 15 Mitglieder. Zwei kommen aus Ausser-, eines aus Innerrhoden, die anderen ­aus dem Thurgau und dem Kanton St. Gallen. «Der OhO-Beirat ist heterogen die Berufe, das Alter, den Wohnort und das Geschlecht betreffend», sagt Beiratspräsidentin Marianne Kleiner, ehemalige Nationalrätin aus Herisau und seit vier Jahren in diesem Amt. Sie übernimmt neben der Arbeit im Beirat re­präsentative Aufgaben und steht den anderen Beiräten bei Fragen zur Seite.

Kleiner sagt, sie finde es toll, dass die Spendenaktion Personen in der Ostschweiz unterstütze. Denn auch hier gebe es viele Notleidende. Oft könne OhO bereits mit kleineren Beträgen helfen. Die Geschichte einer Familienfrau mit vier Kindern und einem Mann, dessen Berufskleider sie täglich waschen musste, sei ihr besonders in Erinnerung geblieben, sagt Kleiner. Die Familie lebte mit ihren Kindern in einer Mietwohnung, die Waschmaschine teilte sie sich mit den Nachbarn. «Beim Waschen gab es Probleme, die Frau wurde von den Nachbarn regelrecht gemobbt.» Eine eigene Waschmaschine konnte sie sich nicht leisten. OhO machte dies möglich. «Für die Frau war das ein riesiges Geschenk», sagt Kleiner. Manche Gesuche müsse der Beirat ablehnen. «Das ist schmerzhaft. Aber wir können leider nicht allen helfen.» Sei eine Person verschuldet, müsse etwas Grundsätzliches passieren. Es sei deshalb wichtig, Experten im Beirat zu haben. Kleiner freut sich, dieses Jahr neu eine Vertreterin aus dem Gewerbe im Beirat begrüssen zu dürfen: Sylvie Manser.

Von den Erfahrungen der andern profitieren

Manser ist das dritte Mitglied aus dem Appenzellerland. Sie ist mitarbeitende Partnerin bei der Holzbau Albert Manser AG in Gonten. «Für mich ist die Arbeit im Beirat Neuland.» Ihre bisherigen Eindrücke seien positiv, sagt Sylvie Manser. Sie freue sich, mit dieser Arbeit Menschen in Not helfen zu können. Sei sie bei einem Gesuch unsicher, würde sie eine Nacht darüber schlafen. «Das hat sich bewährt.» Zudem könne sie in den regelmässigen Sitzungen mit dem Beirat auf die Meinungen und Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen zählen. Und eines sei ihr in den vergangenen Monaten einmal mehr bewusst geworden: «Wie dankbar ich sein darf.»


Leserkommentare