Frau Müller hat sich eingelebt

OHO ⋅ Eine Mieterhöhung ihrer St.Galler Wohnung zwang Klara Müller zum Umzug. Dann wurde auch noch ihr Portemonnaie gestohlen. Die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern unterstützte die 78-Jährige.

Katharina Brenner

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

«Ich fühle mich wohl in der neuen Wohnung», sagt Klara Müller. Sie sitzt zwischen Kissen und Decken auf dem Sofa im Wohnzimmer. Seit Mitte September wohnt sie in der Dreizimmerwohnung im Neudorf in St.Gallen. Dass es ihr hier gut gehe, freue sie sehr, sagt die 78-Jährige. Denn in der ersten Hälfte dieses Jahres war ihr wenig Gutes widerfahren.

Klara Müller muss mit wenig Geld auskommen. Sie erhält AHV und Ergänzungsleistungen sowie einen Teil der sehr bescheidenen Pension, die ihr Mann erhalten hätte. Er ist vor einigen Jahren gestorben. Bevor sie ins Neudorf gezogen ist, lebte sie in einer Wohnung im St.Galler Stadtteil Riethüsli. Diese Wohnung wurde im Frühjahr renoviert. Der Vermieter beschloss, die Miete im Zuge dessen um über 150 Franken zu erhöhen – ein zu hoher Betrag für Klara Müller. Sie war gezwungen, sich eine neue Wohnung zu suchen.

Eine Augenoperation und eine neue Brille

Als wäre das nicht schon genug, wurde während der Renovationsarbeiten Müllers Portemonnaie gestohlen. «Der Dieb hat mein Konto total leer geräumt. Und das kurz nachdem ich die Renten erhalten hatte.» In dieser schwierigen finanziellen Lage hatte sie ­einen Umzug zu bewältigen. Zu allem Überfluss musste Klara Müller während dieser Zeit auch noch an den Augen operiert werden. Sie hatte den Grauen Star und benötigte danach eine neue Brille. Die Kosten für die Brille musste sie selbst tragen.

«Meine Schwester hat mich in der Zeit sehr unterstützt», sagt Klara Müller. «Es ist unglaublich, wie sie mir hilft.» Beim Reden über die Schwester ist ihr eine tiefe Dankbarkeit anzumerken. Die Schwester war es auch, die Anfang November ein Gesuch bei der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) einreichte. Darin erzählte sie die Geschichte von Klara Müller und bat um eine Unterstützung von 1000 Franken. Der Betrag sollte eine Überbrückungshilfe sein und ihrer Schwester «wieder etwas mehr Sicherheit bringen», wie es im Gesuch heisst. Der OhO-Beirat bewilligte es. Klara Müller kam die Hilfe bereits Anfang Dezember zu Gute. Der Beirat versucht, so viele Gesuche wie möglich vor Weihnachten zu bearbeiten und die Beträge zu sprechen. Denn OhO ist eine Weihnachtsaktion und mit den Spenden­geldern sollen Menschen in Not Geschenke der besonderen Art erhalten.

Im Falle von Klara Müller kam der Verein für die neue Brille auf und für eine kleine Waschmaschine. Diese benötigt sie in der neuen Wohnung. «Ich bin so dankbar für diese Hilfe», sagt sie. OhO sei ihr eine riesige Unterstützung gewesen. Wenn es ihr ­finanziell einmal besser gehe, möchte sie selbst sehr gerne spenden, sagt Müller.

Momentan habe sie nicht allzu viel, aber es reiche ihr und sie sei zufrieden. Jeden Sonntag sei sie bei ihrer Schwester und bei ihrem Schwager zum Essen eingeladen. Es sei immer sehr gut, häufig gebe es einen Braten. Sie selbst leiste sich kein Fleisch unter der Woche.

Im Sommer möchte sie den Garten herrichten

Klara Müller lebt bescheiden. Ihre beiden Hunde würden nur ganz günstiges Futter bekommen, sagt sie. Sie hängt sehr an den beiden kleinen Hunden mit dem langen Fell. Alina und Bärli heissen sie. Seit elf Jahren sind sie bereits an Müllers Seite. «Auch sie fühlen sich in der neuen Wohnung wohl», sagt sie. Das liege vor allem an dem kleinen Gartenstück, das zur Wohnung gehöre. Die Glastür im Wohnzimmer führt hinaus auf eine Terrasse. Der Rasen ist umgeben von einem provisorischen Zaun. «Im Frühjahr möchte ich den Garten zusammen mit meiner Schwester schön herrichten», sagt Klara Müller.


Leserkommentare