Eine Küche für Familie Kuratli

OHO ⋅ Bei einem Blitzeinschlag im Mai ist in Brunnadern der Stall von Familie Kuratli abgebrannt. Dank Spendengeldern ist ihr der Neuanfang gelungen.

Katharina Brenner

BRUNNADERN. Monika Kuratli bringt eine Tasse Kaffee aus der Küche an den Tisch im Esszimmer. Der Raum ist niedrig, die Decke in dem alten Bauernhaus misst gerade einmal 1,80 Meter. Der Blick durch die Fenster führt hinaus auf die hügeligen Wiesen von Brunnadern und St.Peterzell im Toggenburg. Plötzlich geht die Tür auf. Zwei Kinder in Hemdchen und mit roten Wangen stürmen herein. «Mami, Mami», rufen sie und rennen auf Monika Kuratli zu. Die nimmt das Meitli auf den Arm, Anna. Die Dreijährige schmiegt sich an ihre Mutter. Der Bub, Melchior, zwei Jahre alt, rennt im Raum umher. In der Ecke steht eine Spielzeug-Scheune aus Holz. Ein Zaun, ebenfalls aus Holz, umgibt sie, dahinter stehen kleine hölzerne Kühe. «Für die Kinder kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als auf einem Bauernhof aufzuwachsen», sagt Kuratli. Sie und ihr Mann Mathias sind beide auf einem gross geworden. Monika in Obwalden, Mathias im Toggenburg. «Mit dem eigenen Hof haben wir uns einen Traum verwirklicht», sagt Mathias Kuratli.

Die Scheune brannte komplett ab. Familie Kuratli muss sie wieder aufbauen und zusätzlich das unversehrte Wohnhaus sanieren. Zoom

Die Scheune brannte komplett ab. Familie Kuratli muss sie wieder aufbauen und zusätzlich das unversehrte Wohnhaus sanieren.

Vor gut einem Jahr hat das Ehepaar das Grundstück in Brunnadern am Ende einer steilen Strasse gekauft. Seitdem ist etwas Furchtbares und viel Gutes geschehen. Das Furchtbare passierte am 27. Mai 2016, als gegen 22.30 Uhr ein Blitz in die Scheune einschlug – nur wenige Meter neben dem Wohnhaus. Mathias Kuratli schlief zu diesem Zeitpunkt bereits. «Ich bin gerade ins Bett gegangen», sagt Monika Kuratli. Sie habe ein Krachen gehört. «Als ich aus dem Fenster sah, hat der Stall schon voll gebrannt.» Sie weckte ihren Mann, rief die Feuerwehr, holte die Kinder aus dem Bett und eilte nach draussen. Ihr Mann rannte zur Scheune. Es gelang ihm, die 14 Kühe und die beiden Kälber heraus zu treiben und zu retten. Sie sind seitdem im Stall eines Bauern in der Nachbargemeinde St.Peterzell untergebracht. Die Familie Kuratli und ihre Tiere blieben unverletzt.

Von der Scheune ist nur noch ein kleiner Schutthaufen übrig

Die Scheune ist an jenem Abend komplett abgebrannt. Heute erinnert nur noch ein kleiner Schutthaufen an sie. Bis zum Frühjahr wird auch er verschwunden sein. Denn läuft alles wie geplant, wird dann an dieser Stelle eine neue Scheune stehen. Die hohen Holzstangen vor dem Bauernhaus markieren die Fläche, auf der sie gebaut werden soll. Der neue Stall wird deutlich grösser als der alte, ausgerichtet auf 20 Hektar statt der bisherigen sieben. Dieser Wiederaufbau kostet Geld. Geld, das die Familie nicht hat, nachdem sie ihr Erspartes in den Erwerb und Aufbau des Betriebes investiert hatte. Zwar wird sie einen Betrag von der Versicherung erhalten, dieser deckt den Schaden aber nicht vollständig ab.

In der Nacht, in der die Scheune in Flammen stand, habe sie zu ihrem Mann gesagt: «Wir brauchen Hilfe», erinnert sich Monika Kuratli. Und Hilfe kam – von vielen verschiedenen Seiten. Die Gemeinde richtete ein Spendenkonto ein, und ein Freund der Familie rief das Organisationskomitee «Wiederaufbau Scheune und Teilsanierung Wohnhaus» ins Leben. Neben den privaten Spenden möchte man zusammen mit Institutionen und Stiftungen die Finanzierungslücke schliessen. «Die Hilfe ist überwältigend», sagen Monika und Mathias Kuratli. Auch von der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) hat die Familie Geld erhalten. Die 25'000 Franken fliessen allerdings nicht in die Scheune. Damit sind eine neue Küche und eine neue Heizung im Wohnhaus mitfinanziert worden. Als die Familie vor gut einem Jahr in das alte Bauernhaus einzog, wusste sie bereits, dass einige dringende Renovationen anstehen würden. «Die Küche war früher ein ganz dünner Schlauch», sagt Monika Kuratli. Nicht mal zwei Personen konnten gleichzeitig aneinander vorbei laufen. Auch die Heizung war sehr alt und dringend sanierungsbedürftig. «Wir konnten keine Wärme speichern. Passte man nicht auf, war es sofort wieder kalt.»

Den Sommer über haben sie in einem Wagen gekocht

Im August hat die Familie mit den Arbeiten für die Wohnhaussanierung begonnen, die heute bereits weitgehend abgeschlossen sind. Während des Umbaus hat sie weiterhin im Haus gewohnt. «Gekocht haben wir draussen in einem Wagen», sagt Monika Kuratli. Er ist mit Holz verkleidet und erinnert an eine Waldhütte. An einer Seite ist eine Lichterkette angebracht, neben der Tür steht auf einem Schild «Party». «Im Sommer haben wir hier häufig mit den Kindern grilliert. Das war schön», sagt Kuratli. Manchmal sei sie aber auch an ihre Grenzen gestossen. «Wenn ich nach Hause komme, hoffe ich jedes Mal, dass alles in Ordnung ist», sagt sie. Und sie habe das Gefühl, dass es diesen Sommer besonders häufig gewittert habe. Noch einmal betont Monika Kuratli die grosse Hilfe, welche ihre Familie erfahren darf. Neben der Küche ist mit OhO-Spendengeldern auch eine Speicherheizung im Keller des Wohnhauses mitfinanziert worden. Diesen Winter haben es die Kuratlis warm – ohne darüber nachdenken zu müssen.


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