Tagblatt Online, 09. März 2010 16:30:00
Zwei Ostschweizer an den Paralympics
Claudia Hüttenmoser gehört an den Paralympics in Vancouver dem Schweizer Team an. (Bild: Bild: Urs Huwyler)
Claudia Hüttenmoser aus Goldach und Bruno Huber aus Bazenheid nehmen an den Paralympics in Vancouver teil. Für die Rollstuhl-Curlerin liegt eine Medaille drin, der Langläufer und Biathlet wäre mit einem Diplom zufrieden.
15 Schweizer Athleten sowie 21 Betreuer sind zu den Paralympics in Vancouver eingetroffen. Die meisten Alpinen sind direkt vom Weltcup-Finale in Aspen nach Whistler gereist. Mit dabei sind auch zwei Ostschweizer Sportler: Die 42-jährige Claudia Hüttenmoser aus Goldach und der 45-jährige Bruno Huber aus Bazenheid. Richterin Hüttenmoser sitzt nach einem Autounfall seit 2003 im Rollstuhl. Dem ehemaligen Rangier-Angestellten Huber mussten 1986 nach einem Arbeitsunfall mit dem Zug beide Beine amputiert werden.Athleten im olympischen Dorf
Am Montag wurden die Athleten im Village empfangen, wie Veronika Roos, Generalsekretärin bei Swiss Paralympics, auf Anfrage von Tagblatt Online sagt. Die Fahnen seien gehisst und die Nationalhymnen gespielt worden. Laut Roos ist das olympische Dorf für die Paralympics verkleinert worden. Deshalb wohnen die Behindertensportler nicht am gleichen Ort, wo die nichtbehinderten Schweizer Athleten untergebracht waren.
Eröffnung am Freitag
Die offizielle Eröffnungsfeier findet am Freitag statt. Bis dahin haben die Sportlerinnen und Sportler Zeit sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen und letzte Trainings zu absolvieren. Die Kenntnis über die Schnee- und Wetterbedingungen sei vor allem für die Serviceleute wichtig, sagt Roos. Noch nicht bekannt ist, welcher Athlet die Schweizer Fahne tragen wird.
Zwei Medaillen als Ziel
An den neun Wettkampftagen werden in fünf Sportarten Medaillen vergeben. «Zwei Medaillen sind unser Mindestziel», sagt Roos. Vor vier Jahren holten die Schweizer Athleten ebenfalls zwei Medaillen – eine silberne und eine bronzene. «Seit Turin kann man nicht mehr so viele Medaillen gewinnen», erklärt die Generalsekretärin. Bei den Alpinen und Nordischen wird nur noch in drei Kategorien gestartet: Stehend, sitzend und sehbehindert. Innerhalb einer Kategorie werden die Resultate mit einem Zeitfaktor berechnet, damit ein Leistungsvergleich zwischen den verschiedenen Behinderungsarten möglich ist.
Alpine mit besten Chancen
Laut Roos haben die Alpinen die besten Medaillenchancen. Der Freiburger Michael Brügger (stehend) habe in der laufenden Saison am meisten überzeugt. Gute Chancen räumt sie auch dem Schwyzer Thomas Pfyl ein, der im Weltcup viele 4. Plätze eingefahren habe. In der Kategorie sitzend erreichte Christoph Kunz fast immer die Top Ten. «Bei den Nordischen wäre es eine Überraschung, wenn Bruno Huber eine Medaille gewinnen würde», sagt Roos.
Olympisches Diplom
Huber selber, der im Sommer bereits mit dem Schweizer Handbike-Team Weltmeister wurde, möchte sich an der Spitze behaupten. Sein Traum ist ein olympisches Diplom, wie er gegenüber der Wiler Zeitung sagte. Im Biathlon könne er vorne dabei sein, wenn er treffe. «Ich freue mich riesig. Vor einem Jahr waren wir bereits beim Weltcup dort. Mir passt es in Whistler, und die Strecken sind ideal angelegt.»
Im Schlitten auf Langlaufskis
Der SBB-Feinmechaniker Bruno Huber wird im Langlauf und im Biathlon in der Kategorie sitzend als einziger Schweizer Athlet am Start sein. Er qualifizierte sich mit einem fünften Ragn im Weltcup für Vancouver. Huber wird in einem Schlitten auf Langlaufskis fahren. Die behinderten Langläufer und Biathleten benützen alle normale Skistöcke. Die Schlusszeit wird mit einem Prozentsystem berechnet. Je nach Behinderungsklasse wird jedem Athleten ein Prozentwert zugeteilt, welcher am Schluss des Rennens mit der Rennzeit multipliziert wird.
Goldacherin im Berner Team
Die Rollstuhl-Curlerin Claudia Hüttenmoser musste ihren Traum von den olympischen Spielen eigentlich schon begraben. Mit ihrem Team Wetzikon verlor sie an den Schweizer Meisterschaften den Final gegen Bern. Nun darf die zweifache Mutter trotzdem teilnehmen – mit dem Berner Team. Gemäss den Rollstuhl-Regeln muss immer eine Frau auf dem Eis sein. Cheftrainerin Nadja Röthlisberger hatte sie anstelle der Berner Stammfrau für die Paralympics aufgeboten und verzichtete auf einen Ersatz.
Halbfinal-Qualifikation als Ziel
Auf der Homepage von Swiss Paralympic bezeichnet die Rollstuhl-Curlerin das Erreichen der Halbfinals als Ziel. «Das Niveau und die Ausgeglichenheit steigt zwar von Jahr zu Jahr», sagt Hüttenmoser. «Aber wir können sowohl vorzeitig ausscheiden als auch eine Medaille gewinnen.» Beim Turnier in Prag setzten sich die Schweizer im Final gegen Norwegen durch, zuvor hatten sie bereits Weltmeister Kanada ausgeschaltet. Im Rollstuhl-Curling wird der Stein mit einem «Stick» abgegeben. Ist der Stein einmal weg, kann er nicht mehr mit Wischen verändert werden. Bei der Abgabe des Steins stabilisiert ein Teamkollege den Rollstuhl.
Die Schweizer Athleten:
Ski Alpin: Nadja Baumgartner (Zollikofen), Karin Fasel (Brünisried), Anita Fuhrer (Horrenbach-Buchen), Michael Brügger (Plasselb), Micha Josi (Adelboden), Christoph Kunz (Reichenbach), Hans Pleisch (Saas), Thomas Pfyl (Schwyz). – Ski Nordisch: Chiara Devittori (Comano), Bruno Huber (Bazenheid). – Curling: Claudia Hüttenmoser (Goldach), Martin Bieri (Bern), Manfred Bolliger (Zollikofen), Anton Kehrli (Tägertschi), Daniel Meyer (Zollikofen).
- Paralympics 2010
Die Paralympics dauern vom 12. bis 21. März. Die 64 Medaillensätze werden in den Sportarten Biathlon, Curling, Langlauf, Schlitteneishockey und Ski Alpin verteilt. Es gibt je ein paralympisches Dorf in Whistler und in Vancouver. Vom Schweizer Team sind einzig die Curler in Vancouver stationiert. 1350 Athletinnen und Athleten, Guides (für Blinde und Sehbehinderte), Trainer sowie Offizielle aus 43 Nationen sind dabei.
SF berichtet täglich in «Sport Aktuell» (22.20 Uhr). Rückblick mit Highlights am 28. März um 9.50 Uhr. ZDF sendet vom 12. bis 17. März im Paralympics extra, ARD vom 18. bis 22. März. Täglich live auf www.paralympicsport.tv.
Weitere Infos unter: www.swissparalympic.ch oder www.vancouver2010.com








