Tagblatt Online, 24. Juli 2008 01:15:50
Gemeinsamer Flug nach Hongkong
Tiziana Realini ist an den Olympischen Spielen die einzige Schweizer Vielseitigkeitsreiterin
Die Tessinerin Tiziana Realini auf Gamour: Einzige Schweizer Vielseitigkeitsreiterin in Peking. (Bild: Bild: EQ Images/Valeria Streun)
Nach einer Woche Quarantäne fliegt Tiziana Realini mit Gamour morgen nach Hongkong. Sie weicht dabei ihrem Pferd nicht von der Seite, denn die beiden haben eine starke Beziehung.
Rabea Huber
Tiziana Realini steht im Stall und putzt sorgfältig ihr Sattelzeug. Auf einer Checkliste kontrolliert sie danach, ob sie alles Material eingepackt hat. Denn bereits heute werden ihre Reitutensilien nach Hongkong geflogen, wo die olympischen Reitturniere stattfinden.
Seit vergangenem Freitag ist die 24jährige Tessinerin mit ihrem Pferd Gamour in Aachen, wo sie eine Woche unter Quarantäne verbringen müssen, um nach China reisen zu dürfen. Morgen um 7 Uhr kommt der Lastwagen, der das Paar nach Amsterdam bringt, von wo es nach Hongkong fliegt. Der Reiterin war es wichtig, dass sie zusammen mit ihrem Pferd reisen kann: «Bei Start und Landung werde ich angeschnallt auf meinem Sitz Platz nehmen müssen, aber sonst kann ich die ganze Zeit bei Gamour sein, der in einem grossen Container, einer Art Boxe, untergebracht ist.»
Bereits seit sieben Jahren reitet Realini Gamour. Als ihre Eltern für die Tochter das erste Pferd kaufen wollten, hat diese verschiedene zur Probe geritten. Fündig wurde sie aber erst in der Ostschweiz. Als sie das erstemal auf Gamour sass, buckelte er nach einem Sprung und Realini landete auf dem Boden. Trotzdem: dieses Pferd wollte sie unbedingt, auch wenn andere ihr vom 175 cm grossen Wallach abgeraten hatten. «Ich hatte schon immer einen sturen Kopf», sagt die Tessinerin mit einem Lachen.
Sommerferien bei Paul Weier
Und mittlerweile haben Pferd und Reiterin eine enge Beziehung. «Gamour und ich haben zusammen alles gelernt und das hat uns zusammengeschweisst.» Gemeinsam haben sie die Liebe für Geländesprünge entdeckt, als sie die Sommerferien in Elgg bei Paul Weier verbrachten. Aber schon vorher ist sie an Dressur- und an Springprüfungen gestartet. «Im Tessin gab es nicht viele Möglichkeiten, da bin ich an allen Turnieren gestartet, die es gab. Ich wollte immer alles machen.»
Unterdessen ist Realini eine erfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin. Mit zwei Siegen an internationalen Prüfungen in Polen und Portugal hat sie sich den Quotenplatz für Olympia gesichert. Und mittlerweile lebt Realini, die Agronomie studiert, im Emmental bei ihrem Freund Philippe Hirsbrunner, der eine Reitschule führt.
Realini macht alles selber
Auf die Frage, zu wem denn die Beziehung stärker ist, zögert sie nur kurz: «Mit Philippe bin ich erst ein Jahr zusammen, Gamour kenne ich schon viel länger», sagt Realini. «Er spürt, wie ich mich fühle. Wenn ich nervös bin, ist er es auch. Und beim Pferd weiss ich, dass es immer für mich da ist.»
Und auch sie ist für ihr Pferd da. Während andere Reiter ihre Tiere den Pflegern anvertrauen, macht sie in Aachen alles selber. Der Betreuer fliegt derweil bereits heute von der Schweiz aus nach Hongkong, nimmt das Material entgegen und richtet die Boxe ein, damit alles bereit ist, wenn Realini und Gamour ankommen.
Verantwortung übernehmen
Von den Vielseitigkeitsreitern ist in Hongkong besonderes Gespür gefordert, wenn sie unter extremen Bedingungen die Geländestrecke absolvieren. «Da muss ein Reiter auch mal seine Erwartungen zurückschrauben», sagt Equipenchef Dominik Burger. Doch bei Realini muss man keine Angst haben, dass sie diese Verantwortung nicht wahrnimmt, denn die Beziehung zu Gamour ist zu stark.
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