Tagblatt Online, 27. Oktober 2008 01:05:33
Ein Punktverlust als Lehrstück
Trotz sechs Toren von Martin Engeler gibt St. Otmar auswärts gegen Suhr Aarau überraschend einen Punkt ab. (Bild: Bild: Alexander Wagner)
Die NLA-Handballer von St. Otmar lassen auswärts gegen Suhr Aarau in den letzten Sekunden das 30:30 zu. Deshalb spricht Trainer Markus Burger von einem «verlorenen Punkt».
Jörg Greb/Wettingen
Ein Feuerwerk kurz nach Spielschluss veranlasste die Verantwortlichen von St. Otmar dazu, Suhrs Trainer Andreas Steiner scherzhaft zu fragen, ob dies der Ausdruck der Freude über das Unentschieden sei. Schliesslich hatten die Suhrer Handballer in der NLA seit Wochen nicht mehr gepunktet.
Für die St. Galler gab es indes wenig zu feiern. «Dieser eine Punkt ist ein verlorener Punkt», sagte Trainer Markus Burger, um anschliessend auf die Suhrer Gefühlslage vor dem Spiel zu verweisen. Die Aargauer seien verunsichert gewesen. Verletzungen von Leistungsträgern wie Captain Manuel Reichlin, Marian Tallo und Besford Bilijali hatten sie zu beklagen. «So wäre das Auswärtsspiel gegen diese junge Equipe für uns eigentlich zum richtigen Zeitpunkt gekommen», sagte Burger. Auch den vermeintlichen Vorteil, dass die Suhrer wegen der in Aarau besetzten Halle in Wettingen antreten mussten, konnten die St. Galler nicht ausnutzen.
Zu viele Fehler
«Es braucht nur einen Blick auf die Statistik», sagte St. Otmars Trainer nach der Partie. Diese beinhaltete unter anderem drei verschossene Siebenmeter der St. Galler. Zuerst scheiterten Martin Engeler und Bernd Friede an Nationaltorhüter Andreas Merz. Und nach drei verwerteten Penalties verschoss Raphael Liniger beim vierten Anlauf ebenfalls. Erst Ivan Pavlovic als vierter Schütze blieb bei zwei Versuchen ohne Tadel. Diese Fehler waren auch gegen einen verunsicherten Gegner zu viel. Auf der Gegenseite machte sich die Eingliederung des französischen Neuzuzugs Cédric Largent, die Rückkehr des lange verletzten Marian Tallo sowie die Reaktivierung des Ende vergangener Saison zurückgetretenen Thomas Brügger bezahlt. Dank ihnen gewann das Suhrer Spiel deutlich an Qualität und Stabilität.
Fehlende Abgeklärtheit
Aus St. Galler Sicht darf dies allerdings nicht die Erklärung für das Unentschieden sein. Trainer Burger sagte hinterher: «Wir verfügen dennoch über das homogenere Kader.» Vor allem aber den quirligen Regisseur David Parolo, der neun Treffer erzielte, bekam die Abwehr St. Otmars nie richtig in den Griff. Ein weiteres Manko war die Abschlussschwäche. «Uns fehlte die Abgeklärtheit», sagte Burger. So blieb Liniger mit sieben Treffern trotz seines verschossenen Penalties St. Otmars erfolgreichster Torschütze. Engeler kam dank vier Toren in der zweiten Halbzeit noch auf sechs Treffer.
«Manchmal will man zu viel»
Woran die fehlende Cleverness im St. Galler Angriff gelegen hatte, liess sich nur erahnen. «Manchmal will man einfach zu viel», sagte Burger. Nicht als Entschuldigung, aber als möglicher Ansatz dient ein Blick auf den Spielplan. Da zeigt sich, dass St. Otmar in den ersten neun Runden sechsmal zu Hause hatte antreten können. Und die Tatsache, dass Auswärtspartien einen anderen Charakter als Heimspiele haben, bestätigte sich nicht zuletzt gegen Suhr Aarau. Burger sieht in diesem Punkteverlust deshalb auch ein Lehrstück für die Zukunft: «Diesen Unterschied der Heim- und Auswärtspartien müssen wir in den Griff bekommen.»
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