Zur Mobile-Ansicht wechseln
Tagblatt Online
20. September 2016, 13:30 Uhr

Ständerat diskutiert Erdbebenversicherung

Der Ständerat hat eine Baselstädter Standesinitiative für eine obligatorische Erdbebenversicherung auf Bundesebene abgelehnt, nach ausführlicher Diskussion. Dass es die Versicherung bräuchte, ist indes kaum umstritten. Handeln sollen aber die Kantone.

Der Ständerat folgte am Dienstag mit 23 zu 18 Stimmen der Mehrheit seiner Kommission für Umwelt, Energie und Raumplanung (UREK). Basel-Stadt hatte mit der vernachlässigten Erdbeben-Vorsorge argumentiert und vor möglichen immensen Schäden gewarnt. Viele private Neubauten seien nicht genügend geschützt.

Prinzip Hoffnung

Eine risikogerechte, landesweite Vorsorge und eine angemessene Versicherung von Erdbebenschäden seien überfällig. Dem Bund soll gemäss der Initiative die Koordination zufallen. Er soll einerseits die Kantone anweisen, entsprechende Bauvorschriften zu erlassen und anderseits die Versicherungsdeckung veranlassen.

UREK-Präsident Werner Luginbühl (BDP/BE) führte aus, dass ein Erdbeben wie jenes in Basel im Jahr 1356 heute 60 bis 80 Milliarden Franken Schäden verursachen würde. Bisherige Versuche, eine nationale Versicherung zu schaffen, seien aber gescheitert.

Die Kantone seien mehrheitlich für eine föderalistische Lösung, und der Bundesrat sei der Ansicht, dass für eine landesweite Lösung die Verfassung abgeändert werden müsste. Die UREK wolle die Kantone deshalb auffordern, die Arbeiten an einem von der Mehrheit der Kantone befürworteten Konkordat aufzunehmen.

Hoffnung sei beim Management von Naturgefahren und dem Management der Risiken von Naturgefahren ein schlechtes Prinzip, wandte Beat Rieder (CVP/VS) namens der Minderheit der UREK ein. Diese hätte die Initiative unterstützen wollen.

Eidgenössische Sicht verlangt

Laut dem Erdbebendienst der ETH Zürich könne es alle 100 Jahre zu einem Erdbeben mit der Magnitude von 6 kommen. Wo, sei offen. Am wahrscheinlichsten seien solche Beben im Wallis und in Basel. "Wer trägt die Verantwortung, wenn ein solches Ereignis eintritt?"

Ein starkes Erdbeben treffe nicht nur eine Region, sondern das ganze Land, warb auch Anita Fetz (SP/BS) für die Standesinitiative. "Es wäre mehr als sinnvoll, endlich zu einer eidgenössischen Sicht dieser Gefahren zu kommen."

Eine obligatorische Erdbebenversicherung hatte das Parlament schon 2012 beim Bundesrat in Auftrag gegeben, mit der Überweisung einer Motion von Ständerat Jean-René Fournier (CVP/VS). Der Bundesrat kam 2014 aber zum Schluss, dass die Einführung einer nationalen und obligatorischen Versicherung gegen Erdbeben nicht möglich sei.

"Grenzen beim Versichern"

Mehrere Votanten plädierten dafür, diese Motion dennoch aufrechtzuerhalten. "Wir reden hier seit 2011, 2012 rum", kritisierte Fournier selbst. "Geben wir den Menschen, die sich gegen Erdbeben versichern wollen, eine Möglichkeit, dies zu vernünftigen Kosten zu tun."

Hannes Germann (SVP/SH), Vorstandsmitglied im Hauseigentümer-Verband, wandte ein, dass es "Grenzen gibt beim Versichern". Nicht nur für Hausbesitzer würde die Versicherung kosten, sondern auch für Mieter und für Geschäftsliegenschaften. Komme es zur Katastrophe, zähle er auf die Solidarität der Bevölkerung. (sda)



Kommentar schreiben

Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung.

(maximal 950 Zeichen)

* Pflichtfeld

Sie dürfen noch Zeichen als Text schreiben.

Die Redaktion sichtet die Leserkommentare und schaltet sie frei. Wir behalten uns vor, Beiträge nicht zu publizieren (s. AGB). Am meisten Chancen haben Kommentare, die direkt auf einen Artikel eingehen. Beiträge mit ehrverletzenden, rassistischen oder unsachlichen Äusserungen publizieren wir nicht. Der Korrespondenzweg ist ausgeschlossen.

  • Für registrierte Nutzer

  • Für nicht registrierte Nutzer

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken.





meierpirmin (24. September 2016, 10:10)
Erdbebenversicherung sind ein technisches Problem

Wenn ich das Irrationale des Erdbebens beschreibe, ändert das nichts daran, dass es sich bei der Erdbebenversicherung um ein technisches Problem handelt. Der Vorstoss von Anita Fetz war einigermassen beeindruckend. Wäre er entgegengenommen worden, hätten auch Alternativen geprüft werden müssen. Es ist aber gut, Geschichten von Erdbeben zu vergegenwärtigen. Die Wahrscheinlichkeit ist hundertfach höher als bei einem Atomunfall, sollte man nie vergessen, auch wenn man es nicht gerne hört.

Beitrag kommentieren

Frische_Luft (20. September 2016, 23:40)
660

Immer wieder wird das Erdbeben von Basel im Jahre 1356 bemüht. Seither sind 660 Jahre vergangen. Sicher ist in dieser Zeit die Bevölkerung gewachsen und das Land wurde auch viel dichter bebaut. Es gibt heute aber auch viel umfangreichere Vorschriften für erdbebensicheres Bauen. Wenn nun alle 660 Jahre so ein Erdbeben die Schweiz heimsucht, dann wird dieses Land verdammt noch mal zusammen stehen können, um die Schäden gemeinsam zu tragen. Dafür aber 660 Jahre lang Geld aufzuhäuffelen ist Unsinn. Das nützt nur den Finanz- und Versicherungshaien. Und der SNB, die zusätzlich noch Negativzinsen abkassiert.
Unsere Politiker in Bern sollten sich besser mit wichtigerem beschäftigen.

Beitrag kommentieren

meierpirmin (21. September 2016, 14:43)
660

Der Anonymus 660 hat keine Ahnung von Erdbeben in der Schweiz, im 19. Jahrhundert wurde das Wallis katastrophal heimgesucht,mit Sammlungen in der ganzen Schweiz, dort ist St. Garin Erdbebenheiliger, auch Graubünden, selber ist mir 1964 in Sarnen Verputz auf den Kopf gefallen. Über Lösungen kann man diskutierten, aber nur Ignoranten sagen, dass es alle 660 Jahre ein Erdbeben gebe. Dass sogar die Zelle von Bruder Klaus durch ein Erdbeben kaputt ging, schrieb ich schon. Ausserdem gab es in Luzern 1601 einen Tsunami.

Pirmin Meier, Kulturhistoriker, Rickenbach LU

Beitrag kommentieren

Frische_Luft (21. September 2016, 17:46)
Verputz auf den Kopf gefallen

Ich kann auch 330 oder 220 Jahre schreiben. Das ändert aber nichts daran, dass man nicht einen Geldhaufen aufschüttet, wo sich Staat und Nationalbank mit Negativzinsen bedienen und wo Finanzer und Versicherungen sich dumm und dämlich verdienen.

Beitrag kommentieren

meierpirmin (20. September 2016, 13:54)
Dieses Erdbeben miterlebt

Am 17. Februar 1964 und am 14. März 1964 dieses Erdbeben einmal im 4. Stock, das andere Mal im 5. Stock eines alten Schul- und Internatsgebäudes zu erleben, war von der Schockwirkung her unübertrefflich. Beim Gottesdienst wurde eine Fürbitte "Gegen die Geissel des Erdbebens" gebetet. Die Einsiedelei von Bruder Klaus ging 1601 durch ein Erdbeben kaputt. Noch interessant: Eine Wallfahrt gegen das Erdbeben wurde 1963 nicht mehr durchgeführt. Prompt schlug "es" im Jahr darauf wieder zu. Frömmigkeit zwischen Vorsehung und Aberglauben?

Beitrag kommentieren

Mode (21. September 2016, 07:41)
Holz anfassen

Klopfen Sie sich auch gerade an den Schädel?

Beitrag kommentieren

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

ostjob.ch  STELLENSUCHE

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

FACEBOOK.COM /TAGBLATT