Walensee-Resort-Betreiber deponieren Bilanz

TOURISMUS ⋅ Neun Jahre nach der Eröffnung steht das Walensee-Resort in Unterterzen vor dem Aus. Weil mit zu grosser Kelle angerührt wurde, liefen die Geschäfte im Hotel mit Wellnessanlage von Anfang an schlecht.
15. September 2017, 18:31

"Ich habe heute Mittag beim Kreisgericht Sarganserland die Bilanz deponiert", sagte Rechtsanwalt Hubert Bühlmann von der Walensee Resort AG auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er bestätigte Informationen der Zeitung "Sarganserländer" vom Freitag.

Betroffen vom Konkurs seien das Hotel mit Restaurant, die Wellnessanlage mit Hallenbad sowie sechs Häuser mit Ferienwohnungen. Die weiteren 131 Wohnungen gehören Privaten und sind nicht vom Konkurs betroffen. Den vier Angestellten, die das Hotel seit letztem Jahr noch als "Bed and Breakfast" führten, wurde gekündigt. Wie und ob es in der Wintersaison weitergehe, hänge vom Konkursverwalter ab.

Das Hotel habe einige Geburtsgebrechen, sagte Bühlmann. Die Wellnessanlage und das Hallenbad seien völlig überdimensioniert. Statt Doppelzimmer gebe es viel zu grosse Suiten, zum Beispiel eine Penthouse-Suite mit 12 Betten und Luxusküche, sagte Bühlmann. Wegen der sehr teuren Heizanlage seien die Fixkosten hoch. Ausserdem gab es Streit mit den Besitzern der Ferienwohnungen, für welche die Gesellschaft die Vermietungen abwickelte und weitere Dienstleistungen erbrachte.

Verkauf gescheitert

Nur ein Jahr nach der Eröffnung kämpften die Betreiber bereits mit finanziellen Problemen und verkauften das Hotel an neue Investoren. Hauptaktionäre sind die Bergbahnen Flumserberg, ein deutscher Unternehmer, ein Schweizer Treuhänder und drei Private aus der Niederlande. Nun sei das Resort auch unter den neuen Besitzern überschuldet. "Um uns nicht strafbar zu machen, mussten wir nun Konkurs anmelden", sagte Bühlmann.

In den vergangenen eineinhalb Jahren habe er vergeblich versucht, die Anlage zu verkaufen, sagte Bühlmann, der die Verhandlungen als Rechtsvertreter führte. Bei den Preisvorstellungen sei man von anfänglich 10 auf gut 6 Millionen Franken hinuntergegangen. Hemmschuh war auch ein am Bundesgericht hängiges Verfahren wegen der Lex Koller, welche den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer einschränkt. Das Resort sei mit Bankkrediten von 6 Millionen Franken belehnt. Wie viel es wert sei, sehe man dann wohl bei der Versteigerung, sagte Bühlmann.

Umnutzung schwierig

Das Walensee-Resort mit einem Hotel und 18 Ferienhäusern steht auf einer Halbinsel am Walensee, auf dem ehemaligen Areal einer Zementfabrik. Die für 80 Millionen Franken erbaute Anlage umfasst rund 160 Ferienwohnungen, eine Sporthalle, ein Schwimmbad, Läden, Restaurants und Bars sowie einen Hafen. Die Talstation der Luftseilbahn Unterterzen-Flumserberg ist in Gehdistanz.

Über dem Gebiet bestehe ein Gestaltungsplan, sagte Bühlmann. Eine Umnutzung wäre deshalb schwierig. Gegen eine notwendige Vergrösserung des Hotels würden sich die Besitzer der Ferienwohnungen wahrscheinlich wehren. (sda)


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