Über den Miststock hinausschauen

MUT ⋅ Etwas Neues wagen, unbequeme Themen anpacken und einfach mal einen neuen Weg beschreiten. Am Wirtschaftsforum Thurgau (WFT) ist viel von Optimismus und Tatkraft berichtet worden.
02. September 2017, 05:19
Stefan Borkert

Stefan Borkert

Ein Abt kann es auch eilig haben. So eilig, dass er das Mobiltelefon am Rednerpult vergisst. Doch es wurde ihm noch auf der Weiterreise nachgereicht. Die Digitalisierung macht eben auch vor einem Mann Gottes nicht halt. Unterschwellig hat der techno- logische Wandel das Wirtschaftsforum Thurgau thematisch bestimmt. Das Motto «Mut tut gut – mit Mut Ideen und Veränderungen anpacken» gilt in der Wirtschaft besonders für die Herausforderungen der Digitalisierung, des Internets der Dinge und Industrie 4.0. Postchefin Susanne Ruoff weiss davon ein Lied zu singen. Und auch der SFS-Verwaltungsratspräsident Heinrich C. Spoerry hat tagtäglich damit zu tun. Das gilt auch für Alfred Müller, dem Inhaber der Thurgauer Baufirma Stutz AG. Wobei Müller den Umgang mit Mitarbeitern und Kunden als Grundlage für mutige Entscheidungen in den Vordergrund stellte.

«Erfolg hat immer auch mit Mut zu tun», darin waren sich die Referenten einig. Mut hatte Nicolas Zahn mit der Gründung der Operation Libero, die für eine offene Schweiz eintritt und gegen das Klima der Verdrossenheit. «Die Schweiz hat die Zukunft vor sich. Die Schweiz ist ein Chancenland», sagte er. Eine persönliche und spirituelle Note brachte alt Abt Gregor Henckel-Donnersmarck ins Spiel.

Einsteigen in die Berufung

Er hat als Topmanager den Mut gehabt, seiner Berufung zu folgen und ging ins Kloster. Auch dort sind seine Fähigkeiten aus der Wirtschaft noch gefragt. Als Troubleshooter hilft er unter anderem Klöster, die in spirituelle und wirtschaftliche Not geraten sind. «Ich bin kein Aussteiger, sondern ein Einsteiger, weil ich den Mut hatte, das zu tun, was mich tatsächlich interessiert. Aber keine Angst, ich predige hier nicht, ich halte ein Referat», bewies er Humor.

Noch ein roter Faden hat sich durch die Veranstaltung gezogen. Wer nicht den Mut hat, über den Tellerrand zu blicken, oder wie Moderatorin Mona Vetsch ihren Grossvater zitierte, über den eigenen Miststock hinauszuschauen, der hat als Unternehmer, Politiker und als Spitzensportler wie Bronzemedaillengewinnerin Pistolenschützin Heidi Diethelm Gerber bald das Nachsehen. Spoerry zeigte Beispiele, wie die SFS zu einem Weltunternehmen wurde, wie Weltklasse erreicht werden kann. 87 Teile im neuen iPhone werden von der SFS geliefert, verriet er. Olympia-Siegerin und Ex-Skirennfahrerin Dominique Gisin hatte als Basis für ihre Karriere einen guten Start schon in den Kinderjahren. Sie trieben Mut und jene Besessenheit an, die der Zuger Mentalcoach Christian Marcolli als Voraussetzung für eine Karriere als Spitzensportlerin sieht. Trotz vieler Verletzungen hat Gisin der Mut nie wirklich verlassen, wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Christian Neuweiler, Präsident der IHK Thurgau, sagte in seinem Fazit, dass auch Unternehmer vom Mut wie ihn Gisin zeigt, lernen können.


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