Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 03. September 2008 01:00:20

Streit um Digital-TV spitzt sich zu

Die Kritik an den Empfangsboxen für digitales Fernsehen wird lauter

Zoom

Digital-TV-Set von Cablecom. (Bild: Bild: pd)

BERN. Die Anbieter von digitalem Fernsehen über Set-Top-Boxen sehen sich mit breitem Widerstand konfrontiert. Immer mehr Stimmen fordern ein offenes System statt Zwangsboxen.

Der Fernseh-Fachhandel sowie Importeure, Gastrosuisse und Hotelleriesuisse haben sich zur «Interessengemeinschaft (IG) modernes Fernsehen» zusammengeschlossen. Sie wollen sich für ein Digitalfernsehen ohne Zwangsboxen stark machen.

Es drohe ein neues Gerätemonopol, sagte Roger Kissling von dem Unterhaltungselektronik- sowie Satelliten- und Antennentechnik-Unternehmen Telanor an einer Medienkonferenz. So verschlüsselten die beiden führenden Anbieter von digitalem Fernsehen sämtliche Angebote – und die Entschlüsselung sei nur mit der vom Netzbetreiber gelieferten Set-Top-Box möglich. Dies betreffe auch das Grundangebot, also die gebührenfinanzierten öffentlichen Sender und die werbefinanzierten Privatsender. Zwar würden Firmen wie Cablecom mit der Vermietung der Set-Top-Boxen ein gutes Geschäft machen. Wie zahlreiche kleinere Netzbetreiber täglich demonstrierten, seien diese aber nicht notwendig.

Offene Lösung ist möglich

Die «IG modernes Fernsehen» unterstützt deshalb die Motion der SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga, welche die Verschlüsselung von freien Kanälen im Grundangebot des Digitalfernsehens verbieten und einen offenen Standard für das Betriebssystem von Set-Top-Boxen einführen will. Laut Kissling verfügen moderne Fernsehgeräte bereits über einen eingebauten Digitalempfänger mit einer Schnittstelle für eine allfällige Entschlüsselung und machen damit eine Set-Top-Box überflüssig.

Diese Lösung überzeuge technologisch und sei kundenfreundlich. Speziell ältere Menschen seien oft überfordert, mit den zwei Fernbedienungen von Fernseher und Set-Top-Box umzugehen. Teuer kommen die Boxen auch die Hotellerie-Betriebe zu stehen, wie Beat Hagmann von Hotelleriesuisse sagte.

Box für jedes Zimmer

Digitaler Kabelfernseh-Empfang gehöre zum Standardangebot eines Schweizer Hotelbetriebes, sagte Hagmann. Jedoch müsse ein Hotelbetrieb bei der Cablecom, die im Kabelfernsehen in der Schweiz einen Marktanteil von 65% besitze, für jedes einzelne TV-Gerät eine separate Set-Top-Box anschaffen. Bei Städtehotels mit durchschnittlich 71 Zimmern gehe dies ganz schön ins Geld.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordert die Kabelnetzbetreiber auf, die Probleme rasch zu beheben. Innert nur sechs Wochen hätten 11 757 Fernsehliebhaber eine Online-Petition gegen den Set-Top-Boxen-Zwang unterschrieben. (ap)





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / apps

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: