Rheintaler Unternehmen schätzen sich nach Frankenschock stärker ein als zuvor

WORTMELDUNG ⋅ Auch die Wirtschaft im St.Galler Rheintal wurde Anfang 2015 von der Schockwelle erfasst, als die Nationalbank den Euromindestkurs unerwartet aufhob. Die exportorientierten Unternehmen glauben an den Standort Schweiz und fühlen sich nach dem Frankenschock gestärkt.
14. November 2017, 14:15
Auch die Wirtschaft im St.Galler Rheintal wurde Anfang 2015 von der Schockwelle erfasst, als die Nationalbank den Euromindestkurs unerwartet aufhob. Die exportorientierten Unternehmen glauben an den Standort Schweiz und fühlen sich nach dem Frankenschock gestärkt.

Eine starke Aufwertung des Schweizer Frankens schüttelt 2015 die Schweizer Wirtschaft durch. Gerade die Wirtschaft im St.Galler Rheintal, welche für fast die Hälfte des Exportvolumens des Kantons St.Gallen verantwortlich zeichnet, sah sich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.

Wie es ihnen heute geht, welche Massnahmen dabei erfolgreich waren und ob sie weiterhin an den Werkplatz Schweiz glauben, kommunizierten die Rheintaler Unternehmen SFS Group, Bauwerk Parkett, Coltène/Whaledent und Leica Geosystem am Dienstag in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Die SFS Group mit Hauptsitz in Heerbrugg gehört zu den weltweit führenden Unternehmen für mechanische Befestigungssysteme und Präzisionsformteile. Hauptabnehmer des Unternehmens sind Kunden der Automobil-, Bau-, Beschläge-, Elektro- und Elektronikindustrie.
 

Mit Massnahmenpaket reagiert

Die Schweizer Produktionswerke von SFS exportieren rund 90 Prozent ihrer Produkte ins Ausland. Die Preise sind dabei typischerweise in Euro festgelegt, die Kosten fallen jedoch überwiegend in Schweizer Franken an.

Um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, hat SFS mit einem umfassenden Massnahmenpaket reagiert, so CEO Jens Breu: SFS habe rasch gehandelt, ihre Stärken konsequent genutzt, die Abhängigkeit des Schweizer Frankens reduziert und die Partnerschaft mit den Mitarbeitenden aktiv gelebt.

Dank den ergriffenen Massnahmen stieg die Produktivität an den Schweizer Produktionsstandorten gegenüber 2015 um 15,9 Prozent gemessen am Deckungsbeitrag pro Mitarbeitenden. Der aktuelle Wert übertreffe sogar das Ergebnis von 2014 vor der Aufgabe des Euro-Mindestkurses um 5,8 Prozent, heisst es in der Mitteilung weiter.

SFS ist überzeugt, sich auch künftig aus der Schweiz heraus erfolgreich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können. So wird in der Schweiz die Fokussierung auf die Entwicklung und Herstellung von innovativen Produkten vorangetrieben. Im Gegenzug wird die Herstellung von anderen Produkten an ausländische Standorte transferiert. Das Beschäftigungsniveau in der Schweiz könne dabei aber gehalten werden.
 

Fusion als Herausforderung

Mit rund 280 Mio. Franken Umsatz und rund 1900 Mitarbeitenden ist Bauwerk Parkett einer der führenden Parketthersteller Europas. Das Unternehmen mit Sitz in St. Margrethen sei nach fünf schwierigen Jahren ebenfalls auf gutem Weg, zur alten Stärke zurück zu finden. CEO Klaus Brammertz rechnet damit, dass 2017 mit einem guten Ergebnis abgeschlossen wird.

Als grösste Herausforderung war der 2015 bereits initiierte Zusammenschluss mit der BOEN AS. Der Frankenschock forcierte eine beschleunigte Fusion der gleich grossen, aber kulturell sehr unterschiedlichen Unternehmen. "Aus heutiger Sicht war dies die mit Abstand wichtigste Massnahme, um heute gar stärker dazustehen, als vor 2015", so Brammertz. Durch den Zusammenschluss habe der Zugang zu Wachstumsmärkten und kostengünstige Produktionsstätten in Osteuropa generiert werden können.

Der Werkplatz Schweiz biete weiterhin die verlässlichste Basis für die Gruppe und ist ihr bedeutendster Absatzmarkt. "Deshalb haben wir in 2016 und 2017 jeweils über 2 Millionen Franken in der Schweiz investiert und werden dies auch weiterhin tun", so Brammertz. Herausforderungen seien der erwartete Rückgang der Bautätigkeit, die Sparmentalität und die wachsende Bedeutung von Holzersatzprodukten.
 

Kosten reduzieren

Auch Coltène/Whaledent, in der Entwicklung, Herstellung und im Vertrieb zahnmedizinischer Verbrauchsgüter und Kleingeräte tätig, hat sofort Massnahmen eingeleitet, um dem Frankenschock zu begegnen. Insbesondere beim Einkauf der Rohmaterialien musste reagiert werden. Zusätzlich wurden Effizienzprogramme und Optimierungen gestartet, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

"Von Lohnkürzungen oder Mehrarbeitszeiten haben wir bewusst abgesehen", sagt CEO Martin Schaufelberger. Es sei es auch in dieser Zeit wichtig gewesen, in Sachen Qualität und Innovation mitzuhalten, denn nur so liessen sich auch die Preise halten.

Coltène/Whaledent ist bezüglich Aktionären, Mitarbeitenden und vielen Zulieferfirmen ein Rheintaler Unternehmen. Deshalb und aufgrund der verschiedenen Standortvorteile werde in Altstätten in einen Neubau für Produktion und Büros über 11 Mio. Franken investiert.
 

Innovationsfabrik

Die Leica Geosystems AG, heute Teil von Hexagon AB, in Heerbrugg ist weiterhin erfolgreich unterwegs, wie CEO Jürgen Dold bekräftigt. "Wir halten an unserer globalen Wachstumsstrategie fest." Die hohe Innovationskraft und die kontinuierlichen Effizienzsteigerungen seien sicherlich Hauptgründe, warum sich Leica in einem sehr anspruchsvollen, weltweiten Marktumfeld gut positionieren könne.

Das Unternehmen müsse weiterhin agil unterwegs sein, um makroökonomische und geopolitische Herausforderungen zu bewältigen. Der CEO ist überzeugt, dass die Leica Geosystems ausgezeichnet positioniert sei, um die Chancen der Digitalisierung für ihr nachhaltiges Wachstum nutzen zu können. (sda)

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