Bruno Piatti ist wohl bald Geschichte

KÜCHENBAU ⋅ Das Unternehmen ist kaum noch zu retten. Die Arbeitsplätze dürften verloren gehen.
Aktualisiert: 
14.09.2017, 17:00
14. September 2017, 14:56
Thomas Griesser Kym
Vom Konkurs der Küchenbauerin Bruno Piatti AG sind in der ganzen Schweiz zwischen 150 und 180 Mitarbeitende betroffen, davon rund 50 am Firmensitz in Dietlikon. Das sagt auf Anfrage Esther Züst, Notar-Stellvertreterin beim Konkursamt Wallisellen. Das Amt hat den Piatti-Betrieb per sofort eingestellt, und die Mitarbeitenden wurden freigestellt und nach Hause geschickt. Für die Belegschaft finden kommenden Dienstag und Mittwoch Informationsveranstaltungen am Firmensitz statt. Die Konkursverwaltung beabsichtigt, die beweglichen Sachen der Bruno Piatti AG wie Küchen, Warenvorräte und Einrichtungsgegenstände im Rahmen eines Gesamt- oder Einzelverkaufs zu liquidieren und damit zu Geld zu machen. Interessenten, auch allfällige solche an der Marke Bruno Piatti, können sich schriftlich ans Konkursamt Wallisellen wenden.
 
Für die Löhne der Belegschaft springen vorerst Versicherungen ein, wie Esther Züst sagt. Das ist zum einen die Arbeits­losenkasse des Kantons Zürich. Zum anderen sollen sich die Mitarbeitenden bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) melden, um nach Ablauf der Kündigungsfrist Arbeitslosengeld zu erhalten. Hoffnung auf Erhalt der Stellen oder eines Teils davon macht Züst den Piatti-Beschäftigten kaum. «Die Ar­beitsplätze gehen wohl verloren. Ausser es findet sich noch ein Investor.» Das dürfte aber schwierig werden, angesichts Überkapazität und Preisdrucks in der Branche. Allerdings hat sich für die Forster Schweizer Stahlküchen, die bis vor kurzem zur Bruno Piatti AG gehören, auch ein Investor gefunden. Die Küchen aus Stahl sind jedoch ein spezielleres Segment als die Piatti-Küchen.
 
Die Bruno Piatti AG ist eine Tochtergesellschaft des süddeutschen Alno-Konzerns, der zahlungsunfähig, hoch verschuldet und in akuter Existenznot ist. Alno ist der zweitgrösste Küchenbauers Deutschlands. Vor drei Jahren hatte Alno der AFG Arbonia-Forster-Gruppe (heute Arbonia) die beiden Schweizer Küchenbauer Bruno Piatti und Forster Schweizer Stahlküchen mit damals zusammen 500 Mitarbeitenden abgekauft und sie unter ein Dach namens AFP Küchen AG gestellt. Später wurde diese in Bruno Piatti AG umbenannt. Im Zuge der finanziellen Schlagseite des Alno-Konzerns geriet auch die Bruno Piatti AG ins Trudeln und wurde vergangenen Monat in die provisorische Nachlassstundung geschickt.
 

Küchen kommen seit zwei Jahren aus Deutschland

 Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Forster Schweizer Stahlküchen rückwirkend per Anfang Monat an die neu gegründete Forster Swiss Home AG verkauft worden sind. Diese hat den Forster-Geschäftssitz in Arbon, die dortige Küchenfabrik, das Anlagevermögen Forsters und alle  100 Mitarbeitenden übernommen. Hinter Forster Swiss Home steht der frühere Alno-Konzernchef Max Müller.

Piatti selber zählte einst 300 Mitarbeitende. Zuletzt wurden seit März schon 60 Stellen grösstenteils durch Entlassungen abgebaut. Die Fabrikation der Piatti-Küchen wurde bereits 2015 zu Alno ins süddeutsche Pfullendorf verlegt. In Dietlikon verblieben ist der Piatti-Firmensitz samt Verwaltung und Vermarktung. In der Schweiz betreut Piatti 11 Küchenzentren und gut 60 Fachhändler in allen Regionen.
 
Beim Alno-Konzern selber dürften die Sanierungsbemühungen darauf hinauslaufen, dass überlebens­fähige Teile der Gruppe verkauft werden sollen. Bei Piatti geht es vorerst darum, die Aktiven zu ermitteln, zu bewerten und zu verkaufen, um Geld hereinzubekommen für die Gläubiger.

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