Die Ostschweizer Wirtschaft geniesst nach der Flaute Rückenwind

KONJUNKTUR ⋅ Die Ostschweizer Industrie befindet sich dank der Exporte weiter auf dem aufsteigenden Ast. Die Umsätze im Detailhandel stagnieren, aber es zeigt sich Licht am Ende des Tunnels. Beim Bau läuft es rund.
08. November 2017, 20:33
Stefan Borkert
Die Zahlen lassen Optimismus aufkommen. «Die Ostschweizer Industriebetriebe berichten mehrheitlich über gute Geschäfte», erklärt Konjunkturexperte Peter Eisenhut. Er erstellt mit seiner Firma Ecopol für die St. Galler Kantonalbank und für das St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit regelmässig einen Konjunkturbericht für die Ostschweiz.

Die Weltwirtschaft drückt aufs Tempo. Vor allem in Europa hat sich Wachstum durchgesetzt und trägt zu einem stabilen Aufschwung bei. Die Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa hat ebenfalls an Fahrt gewonnen. Nach einem eher verhaltenen Start ins Jahr 2017 hat die US-Wirtschaft wieder auf den Weg einer ansehnlichen Expansion zurückgefunden. Auch in Asien läuft der Konjunkturmotor gut. In Lateinamerika gewinnt die konjunkturelle Dynamik an Schwung und Breite, so dass das Minus im Bruttoinlandprodukt aus dem vergangenen Jahr durch ein Plus im 2017 abgelöst wird. Soweit sind sich Eisenhut und die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich einig. 
 

Ostschweizer Ausfuhren über Schweizer Durchschnitt

«Ausschlaggebend für die positiven Nachrichten aus der Industrie ist das Exportwachstum», sagt Eisenhut. «Die Ausfuhren der Ostschweiz sind im dritten Quartal um 5,6 Prozent und seit Jahresbeginn um 5,3 Prozent gewachsen. Sie liegen damit über dem Schweizer Durchschnitt.» Zu diesem guten Abschneiden hätten besonders die Metalle, die Fahrzeuge, die Apparate der Elektroindustrie und der Elektronik sowie die Maschinen beigetragen. Dabei sei das Exportwachstum vorwiegend den Ländern der Eurozone zu verdanken, unterstützt durch den stärkeren Euro.

Allerdings gibt Eisenhut zu bedenken, dass die konjunkturelle Entwicklung zwischen den einzelnen Industriebranchen sehr unterschiedlich verlaufe. Während in der Maschinenindustrie die Sonne scheine, lasse der Aufschwung in der Metallindustrie auf sich warten. 
In der Textil- und der Papier-, Druck- und Verlagsindustrie herrsche schon lange Flaute. Die Ursachen hätten mehr strukturelle als konjunkturelle Gründe. «Der Blick voraus fällt vorsichtig optimistisch aus», stellt er fest. Die Teilnehmer an der Konjunkturumfrage würden mit steigenden Einkaufspreisen und leicht anziehenden Verkaufspreisen rechnen. Der Konjunkturmotor im Baugewerbe dreht weiter auf hohen Touren. «Die Baumeister bewerten die Geschäftslage als gut oder befriedigend. Im Vergleich von Hoch- und Tiefbau schwingt der Tiefbau oben aus, haben sich doch die Umsätze und der Auftragseingang besser entwickelt.» Im Ausbaugewerbe hingegen laufen die Geschäfte so gut, dass die personellen Kapazitäten eng werden, bemerkt Eisenhut. «Gut 30 Prozent der Firmen beklagen sich über einen Mangel an geeigneten Arbeitskräften.» Gemäss Einschätzung der Baumeister werde sich die Nachfrage in den kommenden Monaten aber abschwächen. Der Boom auf dem Wohnungsmarkt habe nach ihrer Beurteilung das mittel- und langfristige Risiko einer Korrektur erhöht.
 

Schlechter Rückblick, guter Ausblick im Detailhandel

Die Umsätze im Schweizer Detailhandel sind im dritten Quartal erneut gesunken. Daran änderte auch ein Anstieg der Konsumentenstimmung nichts. Betroffen von den harzenden Umsätzen sind auch die Arbeitsplätze, sank doch die Anzahl der Beschäftigten im Schweizer Detailhandel allein 2017 um rund 9000. Die Entwicklung im regionalen Detailhandel unterscheidet sich kaum vom Schweizer Durchschnitt. «Hingegen blicken die Detailhändler in der Ostschweiz mit weit mehr Zuversicht auf die kommenden Monate.» Die Wende zu steigenden Umsätzen stehe gemäss ihrer Einschätzung kurz bevor, erklärt Eisenhut.

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