Deutsche Wirtschaft wächst um 2,2 Prozent

KONJUNKTUR ⋅ Die deutsche Wirtschaft ist 2017 so kräftig gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 2,2 Prozent. Obwohl es diesmal drei Arbeitstage weniger gab, wurden die 2016 erreichten 1,9 Prozent übertroffen.
Aktualisiert: 
11.01.2018, 11:48
11. Januar 2018, 10:09

Konjunkturboom und Rekordüberschuss: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 2,2 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin anhand vorläufiger Zahlen bekanntgab.

Auch der Fiskus profitierte von dem Aufschwung: Sprudelnde Steuern und Sozialbeiträge sorgten für einen Rekordüberschuss in der Staatskasse.

Die deutsche Wirtschaft wuchs damit das achte Jahr in Folge und so kräftig wie seit 2011 nicht mehr. Damals musste sich Europas grösste Volkswirtschaft allerdings von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen. 2016 war die Wirtschaft um 1,9 Prozent gewachsen.

Zum Jahresende 2017 legte das BIP nach ersten Schätzungen der Behörde um ein halbes Prozent zum Vorquartal zu.

Getragen wurde der Aufschwung im vergangenen Jahr vor allem von positiven Impulsen aus Deutschland selbst: Die privaten Konsumausgaben stiegen um 2 Prozent. Die Konsumenten sind in Kauflaune, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig und Sparen wirft wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch etwas. Nach Angaben der Konsumforscher der Nürnberger GfK machen sich derzeit die wenigsten Menschen in Deutschland Sorgen um ihren Job. Das Vertrauen in die boomende Wirtschaft sei weiterhin hoch.

Zugleich sorgt die kräftige Erholung der Weltwirtschaft für steigende Nachfrage nach Waren "Made in Germany". Deutschlands Exporteure steuern 2017 auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres wurden Maschinen, Autos und andere Waren im Wert von 1,18 Billionen Euro ausgeführt - ein Plus von 6,5 Prozent zum Vorjahr.

Auch die gestiegene Investitionslust der Unternehmen in Deutschland trug zum Aufschwung bei. Die Firmen steckten 3,5 Prozent mehr Geld in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Die staatlichen Konsumausgaben stiegen mit 1,4 Prozent unterdurchschnittlich.

Der deutsche Staat nahm 2017 das vierte Mal in Folge mehr Geld ein als er ausgab. Auf den Rekord von 38,4 Milliarden Euro summierte sich der Überschuss bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent des BIP. Damit liegt Deutschland in der Eurozone an der Spitze.

Europas grösste Volkswirtschaft und der wichtigste Handelspartner der Schweiz profitiert auch von den niedrigen Zinsen. Der Staat kommt dadurch am Kapitalmarkt billiger an Geld. Ein - wenn auch minimales - Minus hatte Deutschland zuletzt 2013 verbucht.

Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft auch im laufenden Jahr ein kräftiges Wachstum von mehr als zwei Prozent zu. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute sowie Bank-Volkswirte hatten zuletzt ihre Prognosen angehoben. "Die deutsche Wirtschaft brummt", brachte es jüngst ifo-Präsident Clemens Fuest auf den Punkt. (sda/dpa)


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