Bühler-Chef nach Kauf von Haas: "Wir haben die Chance, die Nummer eins zu werden"

INTERVIEW MIT STEFAN SCHREIBER ⋅ Mit dem Kauf der Haas-Gruppe verleibt sich der Technologiekonzern Bühler den Weltmarktführer für Anlagen zur Waffel- und Keksproduktion ein.
12. September 2017, 18:44
Interview: Thomas Griesser Kym
Die Nummer eins werden im Markt der Verarbeitungstechnologie für Consumer Foods – mit dieser Absicht erwirbt der Bühler-Konzern die österreichische Haas-Gruppe mit 1750 Mitarbeitenden und 300 Millionen Euro Umsatz, wie Bühler-Chef Stefan Scheiber sagt.

Stefan Scheiber, Haas hatte laut Mitteilung exklusiv das Gespräch mit Bühler gesucht. Warum?
In ihrer über hundertjährigen Firmengeschichte hat die Haas-Gruppe eine weltweite dominante Marktposition aufgebaut. Sie ist darum aus strategischer Sicht eine ideale Ergänzung zum Geschäft Bühlers. Für die Familie Haas ist die langfristige Entwicklung ihres Unternehmens wichtig. Folglich trat sie nur mit der Familiengesellschaft Bühler in Gespräche ein.

Das Haas-Portfolio mit den Anlagen zur Herstellung von Waffeln und Keksen ergänzt Bühlers Schokoladeanlagen. Trotzdem stösst mit der Übernahme ein neues Geschäftsfeld zu Bühler. Warum diese Expansion?
 Es gibt sehr viele ideale Verbindungspunkte zwischen dem Geschäft von Haas und Bühler.  Zum Beispiel haben viele Haas-Kunden eine Mühle, da Mehl aus Getreide das Grundmaterial für Waffeln und Kekse ist. Wir selbst haben Lösungen für die Teigherstellung und Teigverarbeitung. Mit Haas an Bord können wir jetzt unseren Kunden und jenen von Haas Gesamtlösungen anbieten – vom Getreidehandling über die Vermahlung und Verarbeitung bis hin zu Endprodukten in Kombination mit Schokolade. Mit dieser strategischen Akquisition haben wir die Chance, weltweit zur Nummer eins im Markt der Verarbeitungstechnologie für Consumer Foods zu werden. Das ist für beide Unternehmen eine einmalige Gelegenheit und Chance.

Wo sehen Sie Synergien?
Überschneidungen gibt es auf der Produktebene fast keine, was wirklich ideal ist. Haas ist ebenso wie Bühler Technologieführer mit einem hervorragenden Applikations-Know-how. Betreffend Innovation, digitale Transformation und weltweiten Service wie auch in gewissen regionalen Märkten wie China ergänzen wir uns hervorragend. Der Reiz dieser Akquisition liegt darin, sich gegenseitig zu stärken und Mehrwerte zu schaffen.

Die Umsetzung der Pläne erfordert «den vollen Einsatz aller Mitarbeitenden» beider Unternehmen. Wie soll die Integration ablaufen?
Haas wird eine eigenständige Einheit unter dem Dach von Bühler. Bis zum geplanten Abschluss der Transaktion Ende dieses Jahres haben wir nun wichtige formelle Themen zu erfüllen sowie auch die gemeinsame Planung für die nächsten Jahre zu erstellen, wobei die aktuelle Strategie der Firma Haas gültig bleibt. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, uns gegenseitig nicht mit viel Administration zu überfrachten, sondern uns auf Mehrwerte für unsere Kunden zu konzentrieren und unseren Mitarbeitenden ein stabiles Umfeld zu bieten.

Wo gibt es allenfalls Stolpersteine?
Die meisten Akquisitionen scheitern an unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Doch auch hier haben wir gute Voraussetzungen, weil Haas und Bühler Familienunternehmen sind. Wir sind den gleichen Werten wie Qualität, Vertrauen, Respekt und Nachhaltigkeit verpflichtet. Wir wollen alles dafür tun, dass die Haas-Mitarbeitenden in und mit Bühler eine neue Heimat finden können.

Wie stellt Bühler die Steuerung und Überwachung des übernommenen Unternehmens sicher?
Wir vertrauen dem neuen CEO, Germar Wacker, und dem erfahrenen Managementteam von Haas. Wir werden Haas in unser Berichtswesen und in unseren Managementrhythmus integrieren. Darüber hinaus werden wir jetzt Projekte entlang der gemeinsam festgelegten Prioritäten für 2018 und die Zeit danach entwickeln.

Germar Wacker ist erst seit einer Woche im Amt und von der Bahnsparte Bombardiers gekommen. Ist es da klug, just jetzt den Eigentümer des Unternehmens zu wechseln?
Mit Germar Wacker haben wir einen international erfahrenen Manager mit ausgezeichnetem Leistungsausweis im Investitionsgütergeschäft gewonnen. Sowohl die Familie Haas wie auch wir von Bühler sind überzeugt, dass er die Fähigkeiten hat, die Firma erfolgreich weiterzuentwickeln.

Haas-Verwaltungsrat Johann Haas hat den Verkauf an Bühler auch damit begründet, dass es Haas allein längerfristig an Grösse, globaler Präsenz und Investitionskraft mangle. Gibt es auch Sanierungsbedarf?
Haas ist mit seinen 1750 Mitarbeitenden weltweit bestens aufgestellt und Marktführer in den Schlüsselmärkten Waffeln und Kekse.

Wie viel bezahlt Bühler für Haas?
Wir haben über die Vertragskonditionen Stillschweigen vereinbart.

Und wie stemmt Bühler den Kaufpreis? Aus eigenen Mitteln oder mit Krediten oder einem Mix davon?
Auch zu diesem Punkt wollen wir keine Stellung nehmen.

Bühler will am Hauptsitz in Uzwil bis Anfang 2019 bekanntlich einen Innovationscampus bauen. In welchem Stadium ist das Projekt?
Hier laufen Planungen auf Hochtouren, und wir werden in Kürze mit dem Bau beginnen.

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