Absicherung der Kundengelder gefordert

LUFTVERKEHR ⋅ Nach den vielen Airlinepleiten der letzten Monate haben die Reiseveranstalter die Nase voll: Die europäischen Reiseverbände fordern erneut eine Kundengeldabsicherung der Fluggesellschaften.
11. Januar 2018, 12:00

"Eine Million geschädigte Passagiere innerhalb von drei Monaten sind genug", schrieb die Branche am Donnerstag in einem Communiqué: Alle dem europäischen Dachverband der Reisebranche ECTAA angeschlossenen Landesverbände fordern vom EU-Ministerium für Mobilität und Verkehr, dass die Airlines endlich eine Kundengeldabsicherung haben müssen. Der Schweizer Reise-Verband SRV schloss sich der Forderung an.

Denn in den letzten Monaten waren gleich mehrere Fluggesellschaften am Boden geblieben. Bei der Pleite von Air Berlin würden mindestens 180'000 Kunden für den bereits gebuchten Flug keine Rückerstattung erhalten. Noch schlimmer wirkte sich die Insolvenz der Air Berlin-Tochter Niki aus. Hier seien über 400'000 Buchen storniert worden. "Davon waren über die Hälfte Reisebürokunden", hiess es.

Und in Grossbritannien strich die Fluggesellschaft Monarch abrupt die Segel. Mehr als 110'000 Passagiere seien nach der plötzlichen Ankündigung im Ausland gestrandet, während weitere 750'000 Menschen bereits für Flüge bezahlt hätten, dies sie nicht antreten konnten.

Existenzbedrohend für kleine Büros

Nicht nur Mitarbeiter und Passiere seien durch die Groundings geschädigt worden, sondern auch Reisebüros und Reiseveranstalter, die Flüge innerhalb einer Pauschalreise verkauft hätten. Damit hätten sie für die gestrandeten Kunden Ersatzflüge und Hotelübernachtungen organisieren müssen.

Meist sei der alternative Flug viel teurer als das, was der Kunde dem Reisebüro bezahlt habe, sagte SRV-Geschäftsführer Walter Kunz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. "Das heisst, das Reisebüro verliert erstens das Geld, das es der Pleitefluggesellschaft bezahlt hat. Und zweitens muss das Reisebüro noch einen viel teureren Flug besorgen. Gegen diese Situation wehren wir uns." Für kleinere Reisebüros könne das existenzbedrohend sein.

Es dürfe nicht sein, dass die Reisebranche für die Risiken der Fluggesellschaften geradestehen müsse, sagte Kunz. Der SRV und die anderen 29 Landesverbände fordern deshalb vom Europäischen Ministerium für Mobilität und Verkehr, diese Ungleichbehandlung endlich zu beseitigen. "Wir wollen gleich lange Spiesse", sagte Kunz.

Finanzierung über Ticketpreise

Die EU müsse die Fluggesellschaften verpflichten, die Kundengelder künftig abzusichern. Diese Absicherung solle über den Ticketpreis finanziert werden. Dies würde zu steigenden Flugpreisen führen. Das Ausmass sei aber schwierig zu beziffern, erklärte Kunz.

Dies hänge von der Art der Absicherung ab. Entweder müsse eine Airline eine Versicherung abschliessen. Oder es werde ein gemeinsamer Fonds geschaffen, der Ausfälle abdecken soll, analog zum Garantiefonds der Schweizer Reisebranche, der dafür gerade steht, wenn ein angeschlossenes Reisebüro pleite geht.

Jede Fluggesellschaft, die Europa anfliege, müsste so eine Kundengeldabsicherung aufweisen. Damit würden europäische Airlines nicht benachteiligt gegenüber ihren Konkurrenten aus dem Mittleren Osten oder Amerika, sagte der SRV-Geschäftsführer.

Zu den Erfolgsaussichten für den Vorstoss, sagte Kunz: "Ich denke, die Chancen waren noch nie so gut wie jetzt nach all den Airline-Konkursen in der letzten Zeit." Denn es seien sehr viele Kunden zu Schaden gekommen. Die Reisebranche hatte in den vergangenen Jahren wiederholt eine Kundengeldabsicherung der Airlines gefordert, war aber damit nie durchgedrungen. (sda)


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