«Swissness statt Bschissness»

Die Glaubwürdigkeit von Schweizer Produkten hängt auch davon ab, wie viel Schweiz tatsächlich in ihnen steckt. Das Kreuz mit dem Schweizer Kreuz ist zentrales Thema in Weinfelden gewesen.
22. September 2016, 02:40
Stefan Borkert

Auch wenn man wie Marcel Jüstrich mit dem Appenzeller Familienunternehmen Just schon seit fast 90 Jahren in der Schweiz produziert und die Produkte das Schweizer Kreuz zieren, ist diese Kennzeichnung nicht unbedingt gesetzeskonform. Felix Addor warnte am Wirtschaftsforum Thurgau davor, Swissness missbräuchlich zu verwenden.

Wirtschaft sieht Vorlage und Umsetzung kritisch

Er plädierte für «Swissness statt Bschissness». Zwar wusste der Vizedirektor des Instituts für Geistiges Eigentum, dass Just nach gängigem Recht das Schweizer Kreuz nicht verwenden dürfte, aber er beruhigte auch, dass ab 2017 gemäss den neuen Swissness-Regeln Just das Schweizer Kreuz tragen dürfe. Jüstrich nahm's gelassen. Das Schweizer Kreuz stehe für die Werte und sei ein Qualitätsversprechen.

Das Beispiel zeigte, was der Thurgauer IHK-Präsident Christian Neuweiler meinte, als er bei seiner Eröffnungsrede vor den rund 250 Gästen darauf hinwies, dass die Swissness-Vorlage und deren Umsetzung in der Wirtschaft durchaus auch kritisch gesehen werde. Er warnte, auch angesichts der zahlreichen Ausnahmen von den Regeln, vor einer weiteren Bürokratisierung. Bürokratie war bei Ludwig Hasler nur ein Randthema. Er hob die Swissness-Debatte auf eine eher philosophische Plattform. «Swissness ist am Widerstand gross geworden.» Als Beispiel führte er den Gotthard an. Der Gotthard sei schlicht im Weg, ein monströses Hindernis. «Aber wir beten den Berg nicht an, sondern durchlöchern ihn.» Die Schweiz sei doch eigentlich eine Erfolgsstory und angesichts der kulturellen Vielfalt auch ein Labor für die Zukunft.

Aber diese Erfolgsstory könne auch leicht zur Achillesferse werden. Dann nämlich, wenn man nichts mehr verändern wolle. Denn Veränderung bedeute Risiken eingehen. «Wir wollen eigentlich keine Zukunft, sondern eine bereinigte Fristverlängerung für die Gegenwart, Wohlstand ohne Veränderung.» Dass das nicht möglich sei, wüssten alle. «Denn entweder wir werden besser oder andere werden besser als wir.» Dem Thurgauer FDP-Nationalrat und Unternehmer Hermann Hess ist wenig bange. Er ist überzeugt, dass unter anderem das föderalistische System den Erfolg der Schweiz garantiere.


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