Rösti zum Mitnehmen

Rösti ist die Spezialität der Restaurants von Swiss Break – doch der Erfolg blieb hinter den Erwartungen zurück. Nun will das Steinacher Unternehmen mit Schweizer Küche als Qualitäts-Fast-Food durchstarten.
06. Juni 2014, 02:35
MADELEINE STÄHELI TOUALBIA

STEINACH. Pfannen-Rösti mit Gemüse oder Speck, Swiss-Brötli mit Alpkäse und Knusperli mit Pommes-frites gibt's bei Swiss Break, Schweizer Küche als Schnellverpflegung. Die Gruppe mit Sitz in Steinach verkauft Convenience-Produkte exklusiv und will nun Imbissbuden im Franchising-Konzept in Deutschland und Österreich eröffnen. «Wir möchten in Zukunft auf kleineren Flächen Swiss Break als Take-away anbieten», sagt CEO Gert Latzke.

30 bis 40 Quadratmeter Fläche ist das Ziel für den Verkauf von Schweizer Qualitäts-Fast-Food. Die kleine Mietfläche, attraktive Gerichte und die tiefere Mehrwertsteuer, die in Deutschland auf den Verzehr von Speisen ausser Haus gilt, sollen für Umsatz sorgen. In der Schweiz plant das Unternehmen keine Take-aways. Swiss Break bezieht laut Gert Latzke die verarbeiteten Kartoffeln für die Rösti in Österreich. In der Schweiz bestehen aber Kontingente auf der Einfuhr von Kartoffelprodukten.

Bisher Restaurants

Mit den Take-aways will die Swiss-Break-Gruppe auf die Erfolgsstrasse einschwenken. Bisher setzte das Unternehmen auf Restaurants. Laut Gert Latzke betreibt die Gruppe aktuell vier Filialen in Wiesbaden, Frankfurt, Mülheim und Leipzig und will einen neuen Standort in Berlin aufbauen. Die Restaurants brachten jedoch bisher nicht den erwarteten Erfolg. 2011 gehörten zur 2006 gegründeten Swiss-Break-Gruppe zehn Restaurants, eine Pilotfiliale in Biel, eine in Konstanz und acht weitere in Deutschland. Die Aktiengesellschaft wurde mit 1,1 Millionen Franken an der Berliner Börse gelistet, und der damalige CEO Ralf Latzke erklärte, Swiss Break wolle in zehn Jahren in Europa über 200 Standorte verfügen. Es habe Anfragen aus Osteuropa gegeben und Swiss Break habe erste Fühler in China ausgestreckt. Die beiden Brüder Gert und Ralf Latzke waren in Besitz von 44,2 Prozent der Namenaktien, die übrigen Anteile waren in Streubesitz und verteilten sich auf 50 Aktionäre.

Doch die Pilotfilialen in Biel und Konstanz sind mittlerweile geschlossen, auch das Restaurant in Hamburg hat die Tore dichtgemacht. Gert Latzke erläutert einige Gründe für die Schliessungen: «Franchising im Gastrobereich ist ein extrem schwieriger Markt. Es gab Mieterhöhungen, die Pächter erreichten den Umsatz nicht, wir hatten zu wenig oder eine fehlende Grundfrequenz bei der Kundschaft.» Auf genussgenie.de, einer Internetseite für Restaurantkritik in Hamburg, ist zu lesen, die Röstis seien gewöhnungsbedürftig. Gert Latzke sagt dazu: «Die Rösti-Pizza kommt gut an.»

Im Oktober 2013 schied Frank Weigand als CEO der Tochter Swiss Break Deutschland AG aus dem Unternehmen aus. Er leitet heute das Agenturgebiet Mitte mit den Restaurants in Frankfurt und Wiesbaden. Anfang Oktober war der Aktienkurs eingebrochen, der sich in Vormonaten auf rund sieben Euro bewegte. Seit Dezember 2013 beträgt der Wert der Aktie noch 0,45 Euro. «Die Swiss-Break-Aktien werden nicht gehandelt. Der Kurssturz hat damit zu tun, dass ein Aktionär verkaufen wollte, aber keinen Käufer fand», sagt Gert Latzke. Die Aktionärsstruktur des seit September mit 1,3 Millionen Franken kapitalisierten Unternehmens hat sich mittlerweile geändert. «Swiss Break hat einen Mehrheitsaktionär. Das gesamte Aktienpaket verteilt sich auf etwa 40 Aktionäre», so Gert Latzke.

Franchising wird wachsen

«Es braucht eine Vision, Kapital und Partner», fasst Felix Peckert, Inhaber des gleichnamigen Beratungsunternehmens für die Franchise-Wirtschaft in Bonn, die Anforderungen an Restaurants zusammen. Investitionen in die Standardisierung des Produkt- und Speisenkonzeptes sowie des Marketings seien genauso erforderlich wie in die Expansion. «Es braucht in den ersten fünf Jahren zudem finanzielle Reserven in sechsstelliger Höhe. Und das Personal, das unter Erfolgsdruck steht, muss gut bezahlt werden.» Franchising-Konzepten im Gastrobereich räumt er gute Chancen ein. «Gastrounternehmen, die expandieren wollen, setzen auf Franchising. Ohne Franchising werden sie nicht zur Marke.» Während die Kneipe an der Ecke funktioniere, weil sie von der Person des Wirtes oder Chefkochs lebe, seien Erfolgsfaktoren von Franchise-Restaurants eine standardisierte Atmosphäre, standardisierte Speisen und ein standardisiertes Betriebskonzept, sagt Felix Peckert. «Der Franchising-Bereich wird wachsen, er wird Individualisten in der Gastronomie konkurrenzieren und kleinere Filialsysteme vom Markt verdrängen.»

Wachstumspläne hat Swiss Break für das Take-away-Konzept im deutschen Markt. Der Hauptsitz soll jedoch weiterhin in Steinach bleiben.


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