Pioniere in Sachen Plastikflaschen

In Frauenfeld entsteht das erste Sortierzentrum der Schweiz für PET- und Kunststoffflaschen. Damit können dann jährlich 40 000 Tonnen Flaschen rezykliert werden. Die Müller Recycling AG rechnet mit der Eröffnung im Mai 2015.
04. September 2014, 02:37
STEFAN BORKERT

FRAUENFELD. Bei der Sammlung, Sortierung und Verarbeitung von PET-Flaschen hat die Frauenfelder Müller Recycling AG eine Pionierrolle eingenommen. Jetzt wird der nächste Schritt gemacht, und wieder ist es eine Pioniertat. Gestern erfolgte der Spatenstich zum ersten Sortierzentrum der Schweiz für Kunststoffflaschen. «Was für PET-Flaschen gilt, soll auch für Kunststoff gelten», sagt Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer der Branchenorganisation PET-Recycling Schweiz. Man komme immer mehr weg von der Abfall- und hin zu einer Kreislaufwirtschaft. 10,5 Mio. Fr. investiert die Müller Recycling AG in die neue Anlage. Erstmals können in der Schweiz ausser PET-Getränkeflaschen auch Plastikflaschen für Shampoos, Wasch– und Reinigungsmittel maschinell sortiert werden. «Damit ist ein vollständiges Recycling von Plastikflaschen im Inland möglich», sagt Würmli. Ab Mai 2015 beträgt die Kapazität zusammen mit den jetzigen 18 000 t PET-Flaschen insgesamt 40 000 t PET- und Kunststoffflaschen. 15 neue Arbeitsplätze werden entstehen.

Gebühr für Kunststoffflaschen

Cäsar Müller, Inhaber der Müller Recycling AG, hofft auf Unterstützung durch die Politik. Denn noch gibt es keine Recyclinggebühr auf Kunststoffflaschen. «Ich rechne aber in ein bis drei Jahren damit», sagt Cäsar Müller. Es sei bereits etwas im Gange. Ohne diese Gebühr, die bei PET-Flaschen heute 1,8 Rp. beträgt, würde sich das Recycling wirtschaftlich nicht rechnen. Die Thurgauer CVP-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller jedenfalls findet das Projekt von Cäsar Müller unterstützenswert. Müller sagt, dass versucht werde, die Grossverteiler ins Boot zu holen, um sich freiwillig zu beteiligen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Seit Anfang Jahr werden Kunststoffflaschen bereits gesammelt.

«Das Sortierwerk ist zukunftsweisend», schreibt Michel Monteil, Abteilungsleiter des Bundesamts für Umwelt, in einer Stellungnahme zum Projekt. Es leiste einen wichtigen Beitrag zur Schliessung von Stoffkreisläufen und damit zur Reduktion des ökologischen Fussabdruckes unseres Landes. Durch die Sortierung in der Schweiz würden Abfalltransporte ins Ausland vermieden und Arbeitsplätze im Inland generiert.

Bei der Sammlung der Plastikflaschen müssen die Konsumenten mitmachen. «Ohne den Menschen geht es nicht», sagt Jean-Claude Würmli. Vor 14 Jahren hat in Frauenfeld erstmals das Bottle-to-Bottle-Recycling, also die Schliessung des PET-Getränkeflaschenkreislaufs, vor allen anderen Ländern begonnen. Im neuen Sortierzentrum können dank der besseren Sortiertechnologie mehr hellblaue und klare PET-Getränkeflaschen gewonnen werden. «Nur diese eignen sich für die Herstellung eines lebensmitteltauglichen Rezyklats», sagt Roland Tischer, Geschäftsleiter der Borema Umwelttechnik AG, Schwarzenbach.

Keine gemeinsame Sammlung

Borema liefert die neue Sortieranlage. Die restlichen Flaschen werden für die Herstellung von diversen PET-Produkten wie Textilien und Verpackungen verwendet. Eine gemeinsame Sammlung von PET- und Plastikflaschen sei nach wie vor nicht möglich, weil der Reinheitsgrad für das Bottle-to-Bottle-Recycling nach der Sortierung mindestens 99,96% betragen müsse, so Tischer. «Das ist trotz neuster Technologie nur mit einer vorgängigen Separatsammlung machbar.»

Er betont auch die Bedeutung für die Umwelt. Den Energieverbrauch habe man um bis zu 60 Prozent senken können. Schon mit dem heutigen PET-Recycling würden jährlich 124 000 Tonnen Treibhausgas eingespart.


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