Herkunft ist keine Alles-oder-nichts-Frage

Neue Vorgaben schützen die Marke Schweiz ab 2017. Felix Addor vom Eidg. Institut für Geistiges Eigentum und Redner am Wirtschaftsforum Thurgau versichert, dass die Regeln praxisnah angelegt seien.
22. September 2016, 02:40
Thorsten Fischer

Die neuen Swissness-Regeln sieht Felix Addor, stellvertretender Direktor des Eidg. Instituts für Geistiges Eigentum (IGE), als Marketing-Instrument für die Schweizer Wirtschaft. «Sie stellen sicher, dass dort, wo <Schweiz> draufsteht, auch <Schweiz> drin ist.» So werde das positive Wertimage von Schweizer Produkten und Dienstleistungen sowie der Marke Schweiz erhalten.

Wie Addor betont, sei das gerade wichtig für Firmen, die trotz Frankenstärke ihre Forschung und Produktion mehrheitlich in der Schweiz beliessen oder Zutaten für Lebensmittel vorab aus der Schweiz bezögen. «Sie können damit langfristig auf eine glaubwürdige Marke Schweiz zählen.» Die Firmen dürften sich auf dem Markt preislich entsprechend höher positionieren als vergleichbare Angebote, deren Herkunft unbekannt sei oder die nicht aus der Schweiz stammten. «Und sie können effektiver gegen trittbrettfahrende Konkurrenz im In- und Ausland vorgehen.»

Was bei Schweizer Schoggi erwartet wird

Allerdings hat es von Konzernen im Vorfeld auch Kritik gegeben: Die Swissness-Vorgaben seien zu streng. Sind solche Regeln in einer Zeit, in der Produkte oft länderübergreifend hergestellt werden, letztlich nicht eine unnötige Hürde? Addor legt Wert auf eine differenzierte Sichtweise: «Konsumentinnen und Konsumenten erwarten von einem Produkt, das mit Schweizer Kreuz oder <Swiss made> beworben wird, dass es grösstenteils in der Schweiz hergestellt worden ist. Im Falle von Lebensmitteln zudem, dass die Zutaten zum grössten Teil aus der Schweiz stammen.» Dabei erwarte aber niemand von «Schweizer Schokolade», dass darin in der Schweiz geerntete Kakaobohnen verarbeitet wurden. «Die Swissness-Regeln enthalten daher zahlreiche Ausnahmen und Flexibilitäten, die für eine praxisnahe, unternehmensfreundliche Umsetzung sorgen», sagt Addor.

Auch sei der Gebrauch von Schweizer Herkunftsangaben freiwillig und für die Unternehmen keine «Alles-oder-nichts-Frage». Viele Unternehmen haben sich deshalb für eine Mehrmarkenstrategie entschieden, wie Addor feststellt. «Produkte, die überwiegend im Ausland hergestellt werden, loben sie mit einer Dachmarke aus. Diese Marke kombinieren sie dann, wenn ein besonderer Herstellungsschritt in der Schweiz stattfand, mit Swissness, zum Beispiel <Swiss engineering>». Solches bedinge, dass hierzulande die gesamten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erfolgten. Das marketingmässig wertvollste Herkunftszeichen, das Schweizer Kreuz, prange schliesslich nur auf Produkten, welche die Swissness-Voraussetzungen erfüllten.

Nur wenige wüssten zudem, dass die Verwendung des Schweizer Kreuzes nach geltendem Recht nicht zulässig sei. Erst ab Anfang nächsten Jahres dürften Unternehmen das Schweizer Kreuz legal nutzen, wenn das Produkt die neuen gesetzlichen Vorgaben erfülle. Und das «gratis und franko», ohne Bewilligungsverfahren. «Unternehmen werden also nicht weitere Hürden auferlegt – im Gegenteil, sie bekommen mehr Optionen für ihre Marketingstrategie.»


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