Für Technik begeistern

Gerade in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld sind Innovationen für den Erfolg der Ostschweizer KMU entscheidend – sie verlangen aber Mut zum Risiko, wie am 12. Ostschweizer Technologiesymposium klar wurde.
27. August 2012, 01:35
KASPAR ENZ

ST. GALLEN. «Innovative Produkte fallen nicht vom Himmel», sagte der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth zum Auftakt des Ostschweizer Technologiesymposiums in der Olma-Halle. Gleichwohl seien Innovation und Technologie entscheidende Faktoren für den Erfolg der Ostschweizer Wirtschaft. Denn die, doppelte Valentin Vogt nach, sei vor allem in Nischen tätig, «wenn nicht in Ritzen». Dafür brauche es gut ausgebildete Arbeitskräfte, sagte der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Das duale Bildungssystem sei ein Grundpfeiler für den Erfolg der Schweizer Wirtschaft – aber auch die Personenfreizügigkeit. «Wir könnten so viele Lehrlinge ausbilden, wie wir wollen, wir hätten immer noch nicht genug», sagte Vogt.

Zu wenig Zeit für Technik

Doch gerade bei der Bildung sieht der Journalist und Philosoph Ludwig Hasler einiges im argen. Die Schweizer Schulen seien «auf dem Sprachentrip», sagte er. Neben Frühenglisch und Französisch bleibe kaum Zeit für die Naturwissenschaften und die Mathematik. Die Schweizer nutzten zwar die Errungenschaften der Technik, wollten aber nichts mit ihr zu tun haben. Mit der «Mentalität eines Hüttenwarts» sähen die Schweizer in Innovationen und Neuerungen zu oft nur das Risiko, sagte Hasler. «Fleischgewordene Technikbegeisterung» forderte er.

Technikbegeistert sind die Forscher der NTB Buchs oder der Empa in St. Gallen bereits. Josef Graf, Leiter des Instituts für Entwicklung Mechatronischer Systeme an der NTB, zeigte den anwesenden Vertretern von Ostschweizer KMU auf, wie sie mit den Hochschulen zusammenarbeiten können, um Innovationen zu verwirklichen. Harald Krug, Direktionsmitglied der Empa, regte an, für Entwicklungsprojekte auch auf die Empa zuzugehen. Für Innovationen sei aber auch Mut nötig, sagte Krug – der Mut, auch mal etwas zu tun, was falsch läuft.

Mitarbeiter einbeziehen

Nicht nur wegen der Vorträge kamen die rund 200 KMU-Vertreter in die Olma-Halle. Beim Mittagessen und an der Stand-Messe diskutierten sie das Gehörte und knüpften Beziehungen. Dabei wurde klar: Die Technikbegeisterung ist vorhanden. «Ich habe immer das Glühen in den Augen», sagt Tiziano Rosa, Aussendienstleiter der A+B Bürsten in Lichtensteig. Die flachen Strukturen des Unternehmens erlaubten es, Ideen der Mitarbeiter ohne viel Aufwand aufzunehmen, sagt er.

Auch bei der Altstätter PWB AG werden die Mitarbeiter integriert, wenn es um Verbesserungen geht, sagt Anton Bischofberger am Stand des Unternehmens. Zwar sei auch in der Firma manchmal Skepsis gegenüber Neuerungen zu spüren. Wichtig sei aber, dass die Firma wisse, wohin der Weg gehe. «Wir sind spezialisiert auf Nischen, auf komplexere Produkte», sagt Bischofberger». «Und wir machen alles im Haus – das ist in der Schweiz der richtige Weg.»


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