Feuern ohne Feinstaub

Wenn im Winter Holz verbrannt wird, sorgt das in der Luft für Feinstaub. Ingenieure der NTB Buchs hatten die Idee für einen neuartigen Filter. Daraus entstand die Oekosolve AG. Sie ist heute führend in der Entwicklung von Feinstaubfiltern.

22. Januar 2014, 02:29
MARKUS ROHNER

PLONS. Es ist ein Faktum, das oft in die Nase steigt: Wenn an kalten Wintertagen Holzfeuerungen auf Hochtouren laufen, wird der durchs Kamin ausgestossene Feinstaub bei Inversionslagen zu einem Umweltproblem. Vor sieben Jahren hatte der damalige NTB-Professor Roland Rebsamen die Idee für einen Feinstaubfilter für Holzfeuerungen. Sogleich weckte er das Interesse bei seinem ehemaligen Studenten Beat Müller. Was in der Automobilindustrie mit dem Katalysator längst Standard war, war für Cheminées, Schweden- und Kachelöfen und grössere Holzöfen weitgehend unbekannt: Filter, die den gesundheitsschädlichen Feinstaub aus den Abgasen reinigten.

Ein grosses Potenzial

Die Tüftler aus dem Rheintal merkten bald, dass in einem Land, wo über eine halbe Million solcher Holzfeuerungen in Betrieb stehen, eine grosse Nachfrage nach Feinstaubfiltern bestehen muss. Zu zweit begannen der junge NTB-Ingenieur Beat Müller und ein Kollege von der ETH 2007 mit der Entwicklung und Produktion von Feinstaubfiltern. Ein Jahr später wurden mit dem «Oekotube» die ersten Filter für Holzofen mit einer Leistung bis 40 Kilowatt verkauft.

«Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erinnert sich Beat Müller an die Anfangszeiten der Oekosolve AG. Die vielen in Betrieb stehenden Holzöfen sowie immer strenger werdende Abgasvorschriften liessen ihn nie entmutigen. Neuentwicklungen kamen auf den europäischen Markt, und zusehends konzentrierten sich die Filterbauer auf Heizanlagen von über 70 Kilowatt Leistung. «Bei grösseren Öfen ist die Nachfrage für Filter stärker, weil der Bund für diese in den letzten Jahren strenge Abgasgrenzwerte und Vollzugsmassnahmen verordnet hat.»

Elektronen fangen Staubkörner

Das System, das Müller und sein Team entwickelt haben, ist bestechend einfach, und bis heute arbeiten alle Produkte des Unternehmens nach dem gleichen Prinzip. Feinstaubpartikel, die nach der Verbrennung von Holz in die Luft steigen, werden im Kamin von Elektronen geladen und an der Kaminwand festgesetzt. Die verklumpten, groben Flocken können später vom Kaminfeger bei der jährlichen Wartung problemlos beseitigt werden.

In Liechtenstein gegründet

Gegründet worden ist die Oekosolve in Liechtenstein, gearbeitet wurde allerdings in den letzten Jahren ausschliesslich in Buchs. Bis es dort zu eng wurde und Ende 2013 ein neues Domizil in Plons in der Gemeinde Mels bezogen wurde. In den Räumen einer ehemaligen Schreinerei entwickeln und erproben die neun Mitarbeiter Produkte bis zur Marktreife. Bei dieser Arbeit kann Beat Müller, ein 35jähriger Thurgauer aus Kradolf, der nach seiner Elektrikerlehre an der Hochschule für Technik NTB 2003 das Ingenieurdiplom erworben hat, das tun, was ihm am meisten liegt. Tüfteln, pröbeln und Neues entwickeln. Neben seiner Tätigkeit als Co-Geschäftsführer der Oekosolve steht er regelmässig an der Werkbank. «Ich bin ein Allrounder, der nicht nur theoretisch, sondern auch gern praktisch arbeitet. An der NTB in Buchs konnte ich diese beiden Seiten in mir bestens ausleben», sagt Müller. Heute entwickelt und fertigt er Prototypen und beobachtet die Veränderungen auf dem Markt. Und der läuft ganz zugunsten seiner Firma. Je strenger die Abgasvorschriften für Holzfeuerungen werden, desto besser läuft sein Geschäft.

Ein ganzes Dorf mit Oekotubes

Das junge Unternehmen aus dem NTB-Umfeld hat in den letzten fünf Jahren über 2000 Filter für kleine Holzfeuerungen bis 40 Kilowatt und rund 200 Filter für Anlagen bis 800 Kilowatt verkauft. Ein Vorzeigeobjekt der Oekosolve ist Saas Fee. Als erste Gemeinde Europas will der Walliser Ferienort feinstaubfrei werden und hat deshalb in den letzten vier Jahren einen Grossteil seiner Holzfeuerungen mit dem Filter aus der Ostschweiz ausgerüstet.


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