Eine Chance für KMU

Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen am Werkplatz 4.0 gestärkt werden? Dies war eine der Fragen am 15. Ostschweizer Technologiesymposium in St. Gallen.
22. August 2015, 02:50
CHRISTOF LAMPART

ST. GALLEN. Experten beleuchteten während eines ganzen Tages die möglichen Potenziale und konkreten Vorteile, welche die Entwicklung neuer innovativer Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen unter Nutzung von Industrie-4.0-Technologien für den Schweizer und Ostschweizer Werkplatz mit sich bringen könnten. Unter 4.0-Technologien versteht man einfach ausgedrückt unter anderem die Automation, Anbindung, Wartung und Steuerung von Produktionsmaschinen über das Internet.

Thomas Zellweger von Zellweger Management Consultants sagte, dass die Schweizer Wirtschaft gut daran tue, auf den Werkplatz 4.0 zu setzen, denn dieser böte tolle Möglichkeiten hinsichtlich Automatisierungen und Produktionssteigerungen und sei somit auch eine gute Chance, um die Schweizer Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu stärken.

«4.0 wird die Welt verändern»

Für Konrad Wegener von der ETH Zürich ist der Trend zur Industrie 4.0, in welcher Internettechnologien konsequent mit der Produktionstechnik kombiniert werden, unumkehrbar: «Die Industrie 4.0 wird die Welt verändern.» Wie das gehen könnte, erklärte Burkhard Böckem. Der Werkplatz 4.0 werde sowohl in der Automation als auch bei der Echtzeitverfügung von Daten und deren Visualisierungen «einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für den Schweizer Werkplatz bringen», sagte der Vizepräsident Technologien der Leica Geosystems AG.

Damit der Werkplatz 4.0 aber wirklich auf breiter Ebene erfolgreich gelinge, müsse nicht nur ein technologischer Wechsel, sondern auch ein «Bewusstseinswandel in den Köpfen stattfinden», forderte Karin Frick, Leiterin des Think Tanks des Gottlieb Duttweiler Instituts. Für die Zukunftsforscherin ist das ein Muss: «Wenn das technisch Mögliche die Anpassungsfähigkeit der Menschen übersteigt, hängt der technische Fortschritt immer mehr vom Menschen ab. Nämlich davon, ob er die neue Technik versteht, begehrt und nutzt.»

Mathematik hilft sparen

Einar Nielsen von der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs zeigte anhand einer offenen Robotersoftware, wie KMU eigene, kostengünstige und somit hochflexible Produktionsmittel auf den Markt bringen könnten, deren Automatisierungstechnik die Fähigkeit zur Selbstoptimierung, -konfiguration und -diagnose hätten, so dass eine enge Kooperation zwischen Mensch und Maschine möglich werde. Harold Tiemessen von der Fachhochschule St. Gallen legte dar, wie mittels einfacher mathematischer Modelle, deren Parameterwert ständig aktualisiert werden, eine nahezu optimale integrale Wartungsstrategie erreicht werden könne. Die Herausforderung in der Praxis bestehe darin, den optimalen Zeitpunkt für den aktiven Austausch zu bestimmen. «Dies sollte möglichst spät passieren, um die gesamte Lebensdauer der Komponente zu nutzen, aber früh genug, um ungeplante Ausfälle zu vermeiden.»

Mehr Potenziale

Peter Jaeschke von der Fachhochschule St. Gallen wies darauf hin, dass es bei der Prozessoptimierung auch Potenziale jenseits der Unternehmensgrenze gebe.

So beinhalte die Industrie 4.0 auch die technologiebasierte Gestaltung, Integration und Optimierung der unternehmensübergreifenden Geschäftsprozesse. Das zusammen mit Kunden, Lieferanten und Partnern sowie die Entwicklung von Produkten mit Internetanbindung, welche aktiv in die Prozesssteuerung integriert seien. Das ermögliche technologiegestützte Dienstleistungen.


Leserkommentare

Anzeige: