Das Ende der Bananenkiste

ST. GALLEN. Letzte Woche ist in der Ostschweiz ein neues Unternehmen mit drei Standorten an den Start gegangen. Über Leihbox.com werden Mehrweg-Faltboxen für Umzüge angeboten.
01. Juni 2015, 07:23
Stefan Borkert

Es geschah zufällig beim Surfen auf US-amerikanischen Seiten. Erik Streller-Shen entdeckte Onlineportale, die Zügelkisten ausleihen. Der in Bischofszell aufgewachsene Unternehmer erkannte das Potenzial dieser Idee für die Schweiz. «Jährlich wird in der Schweiz, je nach Berechnungsgrundlage, zwischen 480 000- und 700 000mal gezügelt.» Allein in St. Gallen seien es 5000 Umzüge. Er selbst kennt Zügeln aus eigener Erfahrung und weiss, dass es für Personen mit schmalem Portemonnaie immer schwieriger wird, an die begehrten Bananenkisten der Grossverteiler zu kommen.

So einfach wie möglich

Also entwickelte er eine Idee, die das Ende der Bananenkisten bei den Umzügen einleiten soll. Für den Kunden solle die Buchung und Nutzung von Zügelkisten so einfach wie möglich sein, sagt er und ist letzte Woche nun mit Leihbox.com in der Ostschweiz an drei Standorten – Henau bei Wil, Herisau und St. Gallen – an den Start gegangen. Ende Juni soll auch Zürich folgen.

Die Pläne sind ehrgeizig: «Bis Ende Jahr wollen wir 25 Standorte in der Schweiz haben. Für den Kunden ist es praktisch, wenn er seine Zügelkisten nicht wieder an den vorigen Wohnort bringen muss.» Deshalb sind auch weitere Standorte möglich. Die Idee ist ganz simpel. Man bucht über die Internetplattform von Leihbox.com Umzugskisten in der gewünschten Zahl für mindestens sieben Tage, die Kiste für 20 Rp. pro Tag. Wer früh bucht, fährt am günstigsten.

Kisten aus der Industrie

Die Kisten werden in drei Grössen angeboten. Sie sind falt- und stapelbar und aus stabilem rezyklierfähigem Kunststoffmaterial. Die Kisten hat Streller-Shen in der Industrie entdeckt. Sie werden sonst beispielsweise in der Autoindustrie auf Förderbändern für den Transport von Teilen verwendet. «Die Lebensdauer dieser Faltkisten ist sehr hoch», sagt er und zeigt auf ein Exemplar, das schon fast 20 Jahre im Einsatz ist und immer noch seine Dienste tut. Die Kisten werden mit einer Auskleidung aus Plastikfolie geliefert. «Das erleichtert hinterher die Reinigung und ist auch hygienisch, wenn etwa Bettwäsche transportiert werden soll», sagt er.

Die erste Kundin

Zufällig taucht beim Fototermin die erste Kundin auf. Nein, sie wolle nicht namentlich in die Zeitung, sagt sie. Gerade bringt sie 20 Kisten zurück. Sie habe sie zweimal verwendet, um Kosten zu sparen, gibt sie dann doch Auskunft. Der Service sei top. Auf Leihbox sei sie zufällig gestossen. Im Vergleich zu Kartons aus dem Baumarkt sei das Angebot zeitlich und geldmässig besser.


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