Dänen beissen beim Piranha 5 an

KREUZLINGEN. Die Kreuzlinger Mowag, Tochter von General Dynamics, hat einen der grössten zu vergebenden Rüstungsaufträge in Europa unter Dach und Fach gebracht. Für gut 600 Millionen Franken werden in Kreuzlingen 309 Piranha 5 gebaut.

22. Januar 2016, 05:58
Stefan Borkert

Aufatmen und glückliche Gesichter bei der Mowag in Kreuzlingen. Mit der gestrigen Unterschrift des dänischen Verteidigungsministeriums hat sich die Mowag einen der grössten Rüstungsaufträge, die aktuell in Europa vergeben werden, gesichert. «Dieser Auftrag ist aus mehreren Gründen sehr, sehr wichtig für uns», sagt Mowag-Chef Oliver Dürr.

Er steht neben dem grössten Radpanzer der Mowag, dem Prototyp des Piranha 5. Seit gut vier Jahren wird das Fahrzeug getestet. Denn schon einmal erhielt die Mowag den Zuschlag zum Bau des Piranha 5. Aber vor der Produktion zog der Kunde den Auftrag wieder zurück. «Dänemark erhält nun ein modernes und ausgereiftes Fahrzeug», sagt Dürr. Es ist der erste Produktionsauftrag für den geschützten Radpanzer Piranha 5. Und Dänemark hat sich auch schon in der Vergangenheit als Türöffner für Aufträge weiterer Staaten gezeigt. Die 309 Piranhas 5 sichern der Mowag in Kreuzlingen Arbeit mindestens bis ins Jahr 2023. So lange dauert die Produktion der Fahrzeuge.

Entscheidung für Rad statt Kette

Mowag-Chef Dürr, der die Mowag-Fahrzeuge selbst auf dem Testgelände in Bürglen Probe fährt, betont, dass Dänemark seit mehr als 20 Jahren Kunde der Mowag sei. «Mit diesem Auftrag hat die dänische Armee auch einen Richtungsentscheid getroffen. Sie hat sich für geschützte Radfahrzeuge und gegen Kettenpanzer entschieden. Das ist natürlich gut für uns in Kreuzlingen.»

Alfonso Ramonet, Präsident von General Dynamics European Land Systems (GDELS) in Madrid, ergänzt: «Wir freuen uns, dass wir uns mit unserem Piranha 5 in einem sehr hart umkämpften Wettbewerb mit Ketten- und Radfahrzeugen gegen namhafte europäische Mitbewerber durchgesetzt haben.» Mowag-GDELS sei aufgrund des wirtschaftlich besten und technisch leistungsfähigsten Angebots als klarer Sieger hervorgegangen. Andere Armeen könnten dem Beispiel Dänemarks folgen. Denn gerade bei Auslandseinsätzen wirken die geschützten Radfahrzeuge weniger martialisch und bedrohlich als etwa ein rasselnder Kettenpanzer. Ausserdem seien die Radpanzer flexibler einsetzbar und mobiler als Kettenfahrzeuge. Auch wenn die Reifen zerschossen werden, könne der Piranha 5 immer noch fahren.

Einsatz bei Friedensmissionen

Dänemark will den Piranha 5 vor allem bei Friedensmissionen einsetzten, Missionen wo der Schutz der Soldaten an oberster Stelle steht. «Dafür haben wir den Piranha 5 gebaut», sagt Dürr, der aber darauf hinweist, dass Sicherheit immer auch vom Material und damit auch vom Gewicht abhängt. So wiegt der Piranha 5 bis zu 33 Tonnen. Trotzdem müsse man einen Kompromiss zwischen Beweglichkeit, Sicherheit und Einsatzmöglichkeiten suchen. Auf Sicherheit werde jedoch ganz besonders viel Wert gelegt, sagt Dürr und zeigt auf die dicken Stahlplatten der Karosserie, die spezielle Form des Fahrzeugbodens sowie die Speziallackierung.

Arbeitsplätze gesichert

Der Auftrag sichert nicht nur Arbeitsplätze bei der Mowag in Kreuzlingen. Dort werden bereits zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Derzeit beschäftigt die Mowag 600 Personen. Wird ein weiterer Grossauftrag, der bereits in der Pipeline ist, an Land gezogen, dann werden es bald rund 15% mehr sein. Viel darüber wolle man nicht gehen, um einer Entlassungswelle wie vor vier Jahren vorzubeugen, sagt Dürr. Der dänische Auftrag sorge ausserdem auch bei den Partnern in Dänemark und bei Zulieferfirmen für Beschäftigung.


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