Beratung für eine bessere Welt

Die Studierenden der HSG, die bei Oikos Consulting Unternehmen beraten, wollen ihren Kunden nicht einfach helfen, mehr Geld zu verdienen. Sie beraten vorwiegend Start-ups, die einen «Beitrag für eine bessere Welt» leisten.
09. Dezember 2013, 02:34
KASPAR ENZ

ST. GALLEN. Wie andere Unternehmen installiert die Swiss Photovoltaik AG Photovoltaikanlagen auf Dächern, aber das ist ihr nicht genug. Sie vermarktet auch den gewonnenen Ökostrom. Ein Geschäftsfeld, das das Unternehmen aus St. Margrethen noch ausbauen will. Das Konzept dafür hat eine Gruppe von HSG-Studenten der Oikos Consulting erstellt. «Da kamen kreative Ideen heraus», sagt Gründer Willy Langenegger.

Beratung und Nachhaltigkeit

Dass es zur Zusammenarbeit gekommen sei, sei «Zufall», sagt Willy Langenegger. Sein Unternehmen war dieses Jahr für den Jungunternehmerpreis «Startfeld Diamant» nominiert, den die SGKB mit der Start-up-Plattform Startfeld ausrichtet. Da traf er Gianina Caviezel. Die Studentin hatte im Mai 2012 Oikos Consulting gegründet. «Ich wollte Beratung und Nachhaltigkeit zusammenbringen», sagt sie. «Und die Studierenden sollen Praxiserfahrung sammeln.» Dass Caviezel das studentische Beratungsunternehmen unter dem Dach von Oikos gründete, ist kein Zufall: Seit 1987 will die Studentenorganisation Ökologie und Ökonomie näher zusammenbringen. Die Idee habe schnell eingeschlagen, sagt Caviezel. Im Sommer hatte Oikos Consulting schon zehn Mitglieder, bald waren es 50. «Bei dieser Grösse wollen wir uns einpendeln.»

Mit einem Projektleiter an der Spitze kümmern sich Gruppen von rund fünf Studenten um jeweils ein Projekt – dessen Dauer strikt auf die Länge eines Semesters begrenzt ist. Denn «die Ausbildung steht im Vordergrund», sagt Caviezel. Die Studierenden arbeiten dabei ehrenamtlich. Deshalb liegen die Kosten für die Beratung durch Oikos Consulting relativ tief. Trotzdem «wollen wir nicht einfach günstige Arbeitskräfte für Grossunternehmen sein», sagt sie.

Wählerische Auswahl

Deshalb ist Oikos Consulting bei der Auswahl der Kunden wählerisch. Meist sind es Start-ups und Kleinunternehmen. «Die können sich ein herkömmliches Beratungsunternehmen kaum leisten. Wir wollen diejenigen unterstützen, die unsere Hilfe auch brauchen können», sagt Gianina Caviezel. Die Kunden müssen der Nachhaltigkeit verpflichtet sein. «Ihre Ideen sollten nachhaltig sein, sprich einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.» Oft haben diese Start-ups zwar eine gute Idee, aber noch wenig konkrete Vorstellungen, wie daraus ein Geschäft zu machen ist. Wie die Mutter eines behinderten Kindes, die das Projekt «Ich bin da» gründete. Sie wollte behinderte Kinder und Jugendliche besser in den Arbeitsprozess integrieren. Oikos Consulting erarbeitete Produktideen und Marktanalysen.

«Es braucht Gespür für die Kunden», sagt Gianina Caviezel. Unternehmen, denen es in erster Linie um den Gewinn gehe, seien bei Oikos Consulting fehl am Platz. «Heute sagen viele Unternehmen, sie seien nachhaltig. Ob der langfristige Nutzen einer Projektidee tatsächlich gegeben ist, evaluieren wir im Gespräch und sagen auch mal Nein, wenn es nicht zu uns passt.»

So passt die Swiss Photovoltaik AG gut zu Oikos Consulting. «Sonst hätten wir kein Beratungsunternehmen beigezogen», sagt Willy Langenegger. Denn das hätte sich sein 2008 gegründetes Unternehmen kaum leisten können. «So aber ist es eine Win-win-Situation.»

Freundschaften entstanden

Aber Oikos Consulting ist nicht nur eine Organisation, wo Studenten Praxiserfahrung sammeln. Inzwischen sei unter den Mitgliedern «ein freundschaftliches Beziehungsnetzwerk entstanden», sagt Gianina Caviezel. Doch die Teammitglieder werden Oikos Consulting nicht ewig erhalten bleiben – sie alle machen in absehbarer Zeit einen Abschluss. «Eine Herausforderung», sagt sie. Caviezel wird die Uni Anfang nächsten Jahres verlassen. «An der Nachfolgeregelung sind wir noch dran.»


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