Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 20. Oktober 2011 01:03:52

Wortgefechte im Spielerparadies

Das Rennen um die republikanische Präsidentschaftsnominierung tritt in eine neue Phase. Eine Schlammschlacht der Kandidaten in Las Vegas markiert den Auftakt zum Zweikampf des Bankers Romney gegen einen frommen Cowboy Perry.

THOMAS SPANG

LAS VEGAS. Mit jedem weiteren Wort des Texaners steigt die Röte in Mitt Romneys Gesicht. «Lässt Du mich einmal ausreden», giftet der sonst so unterkühlte Politikroboter seinen Rivalen an. Rick Perry hatte Romney zuvor «Heuchelei» in der Einwanderungsfrage vorgehalten. «Du hast aus meiner Sicht jede Glaubwürdigkeit in dieser Frage verloren, weil Du Illegale in Deinem Haus beschäftigt hast», kramt Perry eine zwar richtige, aber doch schon ziemlich angestaubte Geschichte hervor.

Kampfeslustig kneift der Texaner seine Augen zusammen und leckt die Lippen. Wie ein Raubtier, das fette Beute im Auge hat. «Anderson», ruft Romney mit inzwischen feuerrotem Kopf den Moderator der fünften und letzten Republikaner-Debatte in diesem Herbst zur Hilfe. Bevor er selber persönlich wird. «Ich verstehe, dass Du ein paar schwierige Debatten hinter Dir hast und Du deshalb jetzt etwas reizbar bist.» Das Publikum johlt, buht und lacht. So geht es weiter über Minuten.

Romney führt – mit 25 Prozent

Die beiden Titanen im Feld der sieben konservativen Zwerge, die an diesem Abend im Venetien-Hotel um die Sympathien der republikanischen Wählerschaft ringen, reden durcheinander, übereinander und vor allem gegeneinander.

Perry geht den ehemaligen Finanzdienstleister aus Neu-England frontal an, weil er um dessen wankelmütiger Unterstützung an der erzkonservativen Basis weiss. Die meisten Umfragen der vergangenen Wochen sehen Romney vorn. Aber auch er kommt über ein Viertel der Stimmen nicht hinaus.

Alle gegen den Pizza-König

Perry schien die Rolle des «Anti-Romney» zuzufallen, als er im August in das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur eintrat. Doch nach ein paar verschlafenen Debattenauftritten, in denen er sich fürchterlich verhaspelte, sank der Stern des Texaners deutlich. Wie aus dem Nichts startete dann der schwarze Pizza-König Herman Cain durch und überflügelte zeitweilig Romney und Perry in den Umfragen.

Dafür wurde bekam der Erfinder des «9-9-9»-Steuerplans in Las Vegas von allen anderen Bewerbern tüchtig sein Fett ab. Einer nach dem anderen rechnete Cain vor, seine Idee einer flachen Steuer von jeweils neun Prozent auf Einkommen, Einkäufe und Einkünfte aus Kapitalanlagen sei vielleicht ein guter Slogan, aber schlechte Politik. «Sie vergleichen Äpfel mit Birnen», verteidigt Cain seinen Plan wenig überzeugend, bevor er sich für den Rest der Debatte praktisch abmeldete.

Entscheidet die «Kriegskasse»?

Die Schlammschlacht im Spielerparadies ist das Ergebnis eines Bewerberfelds, dem es nach Ansicht vieler Experten an einem echten Schwergewicht mangelt. Tatsächlich dürfte nach dem Hauen und Stechen in der Stadt, die sich damit rühmt, Träume wahr zu machen und zu zerstören, einigen bald die Puste ausgehen. Allein Romney und Perry haben genügend Geld in der Kasse, in der nächsten Phase des Wahlkampfes zu bestehen.

Erfahrene Wahlkampfstrategen sehen nun alles auf einen Zweikampf zwischen zwei Männern hinauslaufen, die sich nicht mögen. Wie die unterschiedlichen Flügel der kopflosen Partei der Republikaner, die allein die Abneigung gegen Präsident Obama vereint: Der vornehme Banker aus Neu-England gegen den frommen Cowboy aus Texas.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: