NZZ Online, 06. Oktober 2011 13:32:00
Wer nimmt es nun mit Obama auf?
Nach dem Rückzug von Sarah Palin bahnt sich ein Duell zwischen Romney und Perry an
Die US-Republikaner tun sich weiter schwer, einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl aufzubieten. Nach der Absage von Sarah Palin läuft es auf einen Zweikampf zwischen Mitt Romney und Rick Perry hinaus. Beide müssen aber noch die eigene Partei überzeugen.
(srs./sda/dpa)
Nach langem Zögern hat die konservative amerikanische Politikerin Sarah Palin erklärt, in der Präsidentschaftswahl nicht gegen Amtsinhaber Barack Obama antreten zu wollen. Zur Begründung führte Palin unter anderem an, sie und ihr Ehemann Todd wollten sich Gott, der Familie und dem Land widmen – in dieser Reihenfolge.
Palin sagte weiter, sie wolle auch nicht als Kandidatin einer anderen Partei antreten, weil dies Obama die Wiederwahl sichern würde. In den Präsidentenwahlen 2008 war sie Kandidatin für die Vizepräsidentschaft an der Seite von John McCain. Zeitweise galt sie als Ikone der populistischen Tea-Party-Bewegung.
Bei deren Basis ist Palin immer noch beliebt. Lange galt sie als grosse Hoffnung der Republikaner, die insgeheim wohl auf einen Politiker vom Schlage eines Ronald Reagan hoffen.
Sarah Palin will sich in dieser Reihenfolge Gott, der Familie und dem Land widmen.
(Bild: Imago)
Der Schritt, nicht zu kandidieren, war gleichwohl von vielen Republikanern erwartet worden. Vor allem seitdem ihre Konkurrentin Michele Bachmann sich als Kandidatin der Tea-Party-Bewegung zunehmend profiliert.
In Umfragen war Palin schon seit Monaten zurückgefallen. Es heisst, die strikt konservative Politikerin polarisiere die Amerikaner zu sehr.
Romney gegen Perry
Als Favoriten im Lager der Republikaner gelten derzeit der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, und der texanische Gouverneur Rick Perry. Momentan deutet alles auf einen Zweikampf dieser Kontrahenten hin. Die Chancen für die Republikaner auf einen Sieg in den Wahlen stehen gemäss Umfragen zwar nicht schlecht. Romney wie Perry wird allerdings nachgesagt, die eigene Partei noch nicht von sich überzeugt zu haben.
Die bisherigen Favoriten personifizieren bei den Republikanern zwei Lager. Auf der einen Seite steht Romney, der als Mitglied des Ostküsten-Establishments von der wirtschaftsfreundlichen Parteimitte unterstützt wird. Ihm gegenüber steht mit dem evangelikalen Christen Rick Perry ein Favorit des Anti-Establishment-Flügels.
Gespaltene Republikaner
Die Republikaner erscheinen darum als eine gespaltene Partei. Da seien die Wirtschaftsliberalen einerseits und die in Sozialfragen Konservativen sowie Tea-Party-Anhänger andererseits, die etablierten Politikern ebenso wenig wie dem Politikbetrieb in Washington im allgemeinen trauen.
Das Establishment der Republikaner fürchtet, die Chancen, einen wegen der schwachen Wirtschaft angeschlagenen Obama abzulösen, könnten in den Vorwahlen zunichte gemacht werden.
Bei vielen der Wähler kommen die Erzkonservativen an. Deren Positionen zu Themen von Klima- bis Geldpolitik könnten allerdings, so die Sorge, Moderate und Unabhängige vertreiben, die für einen Sieg entscheidend seien.
Grundlegende Frage
In der Debatte geht es, hört man Beobachter, nicht nur um die Frage, wer bei den Republikaner das Sagen in der wichtigen Personalfrage der nächsten Jahre hat. Die Diskussion ziele auf die Grundfeste der Partei. Am Ende könnten verbliebene Moderate und Sozialliberale hinausgedrängt und genötigt werden, sich eine neue politische Heimat zu suchen.
Viel Zeit zur weiteren Profilierung bleibt den momentanen Favoriten nicht mehr. Die Vorwahlen beginnen vermutlich Anfang Januar, die Präsidentenwahl ist am 6. November 2012.
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