Tagblatt Online, 01. Februar 2012 08:55:00
Warum Florida vorentscheidend ist
Im US-Sonnenstaat haben die Republikaner über ihre Präsidentschaftsanwärter abgestimmt. Die Politologin Susan McManus erklärt, weshalb Florida ein für US-Wahlen so wichtiger Staat ist.
Frau McManus, warum ist Florida bei den Vorwahlen der Republikaner so wichtig?
Susan McManus: Wir haben so viele Wahlmännerstimmen wie New York. Wir sind der einzige grosse Staat, in dem es wirklich Wettbewerb gibt: Kalifornien wählt verlässlich demokratisch, Texas immer republikanisch. Florida ist d e r Wechselwählerstaat. Deshalb denken viele Republikaner, dass einer, der in Florida nicht gewinnen kann, auch nicht ins Weisse Haus einziehen wird.
Newt Gingrich hat in South Carolina haushoch gewonnen. Könnte sich das hier wiederholen?
McManus: Nein, die Staaten sind
sehr verschieden. Religiös und ethnisch. Elf Prozent aller republikanischen Wähler in Florida sind Latinos. In South Carolina haben Sie dagegen fast kompakt erzkonservative protestantische Wähler. Hier in Florida gibt es viele jüdische Wähler und viele Katholiken. Und bei den Protestanten verteilt es sich zwischen Fundamentalisten und normalen evangelischen Christen.
Welche Rolle spielen die Latinos?
McManus: Auch sie sind keine geschlossene Gruppe. Kubaner und Puerto Ricaner dominieren. Die Älteren neigen eher zu konservativen Kandidaten. Generell sind die Latinos sehr an Wirtschaft und Jobs interessiert.
Dominiert Ökonomie die Wahlen?
McManus: Jede Umfrage besagt, dass die Wirtschaft dreimal so wichtig ist wie jedes andere Thema. Für einige ist es die Krise im Immobilienbereich, für andere der Arbeitsmarkt. Für wieder andere die Gesundheitsversicherung oder der Benzinpreis. Es sind die fundamentalen Dinge, welche die Menschen in Florida wirklich bewegen.
Das sollte dem Wutbürger-Kandidaten Gingrich doch eigentlich helfen?
McManus: Eigentlich. Aber die negative Werbung und die Angriffe Romneys gehen ihm unter die Haut. Sie ärgern Gingrich so sehr, dass er sich emotional herunterziehen lässt. Und vergessen Sie nicht, er war Speaker im Kongress. Eine Institution, die niemand leiden kann. Das macht es ihm schwierig zu sagen, er sei der Anti-Establishment-Kandidat.
Wie passt Romney in dieses Bild?
McManus: Die Leute können sich eher mit jemandem anfreunden, der von aussen nach Washington kommt und sich als Geschäftsmann anbietet.
Glauben Sie, dass hier in Florida Kandidaten ausscheiden werden?
McManus: Ich denke nicht. Santorum, Gingrich und Paul bleiben im Rennen. Die Ideologen glauben an ihre Mission.
Wie kann Romney dann auf 50 Prozent der Delegierten kommen, die er für die Nominierung braucht?
McManus: In Florida erhält zwar der Sieger alle Delegiertenstimmen. In anderen Staaten werden die Stimmen aber proportional verteilt. Ich halte es deshalb für denkbar, dass erst der Parteitag über den Kandidaten entscheidet, weil kein Bewerber genügend Stimmen aus den Vorwahlen hat.
Interview: Thomas Spang
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