Tagblatt Online, 02. Februar 2012 09:17:00
Romney wieder im Aufwind
TAMPA. Mitt Romney feiert in den Vorwahlen in Florida einen überzeugenden Sieg. Gesichert hat er sich die Nominierung der Republikaner damit aber noch nicht. Herausforderer Newt Gingrich bleibt im Rennen – und unberechenbar.
THOMAS SPANG
«Umkämpfte Vorwahlen spalten uns nicht, sondern bereiten uns für den Kampf gegen Obama vor», lautet die Botschaft der Wahlnacht von Florida, die Romneys Einflüsterer dem Sieger für seine Rede aufgeschrieben haben. Gedacht ist sie als Beruhigung für die Parteiführer der Republikaner, die besorgt sind über den zunehmend giftigen Ton im Wahlkampf, und als Fingerzeig an die Demokraten, sich keine falschen Hoffnungen zu machen.
Die Botschaft könnte aber auch als Rechtfertigung für einen teuer erkauften 14-Punkte-Sieg über den Wutbürger-Führer Newt Gingrich interpretiert werden. Die Wahlkampfmaschine Romneys hat diesen im bevölkerungsreichen Florida regelrecht überrollt. Und zwar mit mehr als 8000 ausschliesslich negativen Fernsehspots, die dem ehemaligen Speaker das Image eines unberechenbaren und irgendwie spinnerten Charakters anzuheften versuchten. Romney hat für die Schlammschlacht in Florida die Rekordsumme von knapp 16 Millionen Dollar ausgegeben. Viermal so viel, wie Gingrich aufzubieten hatte.
Establishment will Mässigung
«Es besteht unter Republikanern die Sorge, dass die harte Auseinandersetzung kontraproduktiv geworden ist», bringt der ehemalige Parteichef Ed Gillespie die Bedenken des Establishments auf den Punkt. Alte Hasen in der «Grand Old Party» warnen Romney deshalb und raten ihm, einen anderen Ton zu kultivieren.
Unabhängige Analysten heben das doppelte Ergebnis von Florida hervor. Während die Schutzmauer gegen die aufständischen «Tea-Party»-Rebellen hielt, laufen Romney die unabhängigen Wähler in Scharen davon. Präsident Barack Obama führt bei dieser im November wahlentscheidenden Gruppe im direkten Vergleich mit 44 zu 36 Prozent. Vor Beginn der heissen Phase der republikanischen Vorwahlen war es noch genau anders herum. Nicht minder laut schrillen die Alarmglocken angesichts der Unzufriedenheit in den eigenen Reihen. Nach 19 Debatten, vier Vorwahlen und zweistelligen Millionenbeträgen an Werbung sagen vier von zehn Republikanern in Umfragen, sie sähen lieber noch einen anderen Kandidaten in das Rennen einsteigen. Ein Vertrauensbeweis sieht anders aus.
Sieg liegt nicht nur am Geld
Wutbürger Gingrich zieht in der Wahlnacht ein langes Gesicht. Die Niederlage im Sonnenstaat gegen den «Moderaten aus Massachusetts» schmerzt. Drehte Romney damit doch das Ergebnis von South Carolina um und verwandelte den Rückenwind für den Speaker zu einem lauen Lüftchen. Doch es liegt nicht nur am Geld, wie Gingrich suggeriert. In der Wahlnacht lieferte Newt ein Anschauungsbeispiel, warum die Kritik Romneys verfängt. In einer selbstgefälligen Art phantasierte der Verlierer über seine ersten Stunden im Weissen Haus. Wie er alle möglichen Herzensanliegen der Rechten noch vor der Ballnacht zur Amtseinführung per Federstrich in Kraft setzen wird. In diesem Moment wirkt er so entrückt wie vor knapp einer Woche, als er den Bewohnern der Weltraumküste versprach, zum Ende seiner zweiten Amtszeit eine Kolonie auf dem Mond zu errichten.
Noch ist alles möglich
Wie realistisch Gingrichs Südstrategie ist, wird sich am Super-Dienstag (6. März) zeigen, wenn in mehreren Südstaaten gleichzeitig gewählt wird. Dort findet sich die gleiche Koalition aus Tea-Party, christlichen Fundamentalisten und erzkonservativen Wählern, die Gingrich in South Carolina zu einem Erdrutschsieg verholfen hatten. Eine Gruppe, die der Kandidat in Florida mit dem gleichen Anteil (etwa 40 Prozent) gewinnen konnte, aber im Vergleich zu den Moderaten zahlenmässig einfach nicht gross genug war. «Wir werden überall antreten und in Tampa die Nominierung holen», verspricht Gingrich, dessen Team unter sein Mikrophon eine Tafel mit den fetten weissen Lettern «46 states to go» angebracht hatte. «Damit die Medien es verstehen», fügt Gingrich schnippisch hinzu.
Romney kann es sich nicht leisten, die Herausforderung zu ignorieren. Er braucht 1144 Delegierte, um sich die Mehrheit beim Wahlparteitag zu sichern. In Florida holte er 50. Der Sieger von Florida müsste von jetzt an einschliesslich der Wahlen in Kalifornien und mehreren anderen Staaten am 5. Juni 60 Prozent aller Delegierten zum Wahlparteitag gewinnen, um dort die erforderliche Stimmenmehrheit für die Nominierung zu haben. Keine einfache Aufgabe, solange neben Gingrich auch Rick Santorum (13 Prozent in Florida) und Ron Paul (7 Prozent) im Rennen bleiben.
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