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NZZ Online, 04. Januar 2012 08:40:00

Romney knapp vor Santorum in Iowa

Acht Stimmen Unterschied in den ersten Vorwahlen der Republikaner

Rick Santorum und Mitt Romney sind aus der ersten Vorwahl in Iowa praktisch gleichauf als Spitzenreiter im Rennen der amerikanischen Republikaner um die Kandidatur für das Präsidentenamt hervorgegangen.

Von Peter Winkler, Washington

Fast den ganzen Abend hatten der ehemalige Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, und der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, einander mit je rund 25 Prozent der Stimmen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Nach Auszählung der Resultate aus allen 1774 Wahlkreisen Iowas um 1 Uhr 30 morgens (Ortszeit) hatte Romney die Nase schliesslich mit dem Zufallsmehr von 8 Stimmen (30’015 zu 30’007) vorn.

Der hauchdünne Sieg hat hohen symbolischen Wert, aber für die Nomination des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ende August in Tampa (Florida) spielt er keine Rolle, da die 25 Delegierten aus Iowa proportional nach Stimmenanteil verteilt werden. In anderen Staaten erhält der Gewinner alle Delegierten.

Video: Romney und Santorum gewinnen in Iowa

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Rick Perry geht über die Bücher

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, musste sich mit 10 Prozent der Stimmen zufriedengeben und kündigte noch in der Nacht an, er werde den Wahlkampf vorläufig unterbrechen und zu Hause in Texas über die Bücher gehen. Die einzige Frau im Kandidatenfeld, die Abgeordnete des Repräsentantenhauses Michele Bachmann aus Minnesota, musste einen ebenfalls enttäuschenden fünften Rang (5 Prozent) verdauen, machte aber noch keine Andeutungen darüber, ob sie das Handtuch werfen wolle. Aber eigentlich bleibt ihr gar nicht viel anderes übrig, denn ihr schlechtes Ergebnis in Iowa lässt die bereits dünnen Rinnsale an Spendengeldern wohl noch weiter austrocknen. Hinter ihr kam nur noch der ehemalige Gouverneur von Utah Jon Huntsman mit 1 Prozent zu liegen, der in Iowa aber nicht aktiv um Stimmen geworben hatte.

Neue Situation

Das Resultat der Vorwahlversammlungen (Caucuses), an denen nur eingeschriebene Mitglieder der Republikanischen Partei teilnehmen durften, hat an der Spitze des Feldes eine neue Situation geschaffen: Mitt Romney, der seit Beginn der Kampagne stets einen der Spitzenplätze hielt, konnte sich auch in einem ausgeprägt konservativen, evangelikal geprägten Staat in dieser Position halten. Sie wird ihm nun – wie lange, wird sich zeigen – vom jüngsten Aufsteiger im Kandidatenfeld streitig gemacht.

McCain stellt sich hinter Romney

Senator John McCain, der republikanische US-Präsidentschaftskandidat von 2008, stellt sich im diesjährigen Nominierungswettkampf hinter Mitt Romney. Nach Angaben aus der Partei werde McCain dies am Mittwoch bekanntgeben, hiess es.

Santorum hat sich sein Spitzenergebnis mit ausserordentlichem Einsatz erarbeitet: Er hatte sämtliche 99 Bezirke des Gliedstaats mindestens einmal besucht, und er sprach mit seiner ausgeprägt gesellschaftlich-konservativen Haltung vor allem die ländliche Bevölkerung Iowas an. Santorum gewann in deutlich mehr Lokalparteien, doch Romney sicherte sich die grösseren Parteiverbände.

Blick nach New Hampshire

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die erste Urnen-Vorwahl, an der auch unabhängige Wähler teilnehmen können, in New Hampshire am 10. Januar. Dort führt Romney laut den letzten Meinungsumfragen deutlich mit fast 50 Prozent. Ein Sieg in Neuengland würde ihm, zusammen mit dem Spitzenplatz in Iowa, möglicherweise jenen Schwung verleihen, um die 25-Prozent-Grenze durchbrechen zu können, innerhalb derer er auf nationaler Ebene seit Beginn des Rennens gefangen zu sein scheint. Santorum liegt dort gegenwärtig weit abgeschlagen auf dem vierten Platz. Ob der Spitzenplatz in Iowa daran viel ändern kann, wird sich zeigen müssen.

Paul spricht Junge an

Zu den Eigentümlichkeiten der Iowa Caucuses gehörte, dass der älteste Kandidat offenbar die jüngste Anhängerschaft mobilisieren konnte. Der 76-jährige Paul traf mit seiner strikten Ablehnung der Kriegseinsätze in Irak und Afghanistan und mit seiner Forderung, Amerika solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, offensichtlich einen Nerv bei jenen Kreisen, die einen grundlegenden Wandel in der amerikanischen Politik anstreben.





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