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Tagblatt Online, 09. Januar 2012 01:04:00

Romney auf dem «heissen Stuhl»

«Schüchterner Moderator», «scheinheiliger Unsinn»: Der republikanische Spitzenreiter für die US-Präsidentschaftswahlen, Mitt Romney, hat sich von seinen parteiinternen Gegenspielern in New Hampshire einiges anhören müssen.

THOMAS SPANG

CONCORD. Am Sonntag wachen die Verfolger Mitt Romneys plötzlich auf. Statt einander gegenseitig an den Kragen zu gehen wie in der ersten Präsidentschaftsdebatte am Samstagabend, knöpfen sich Rick Santorum und Newt Gingrich diesmal den Favoriten der ersten Primaries von morgen Dienstag in New Hampshire vor. Es sind noch keine fünf Minuten vergangen, da verpasst Gingrich Romney, dem früheren Gouverneur des Nachbarstaates, das Etikett «schüchterner Moderater aus Massachusetts», was in konservativen Kreisen beileibe keine Auszeichnung ist, gilt Massachusetts doch als Inbegriff des liberalen Amerikas.

Offener Schlagabtausch

Santorum, der nach dem Patt bei den Caucuses in Iowa in New Hampshire viele Neugierige anzieht, will dem nicht nachstehen. «Er positionierte sich links von Ted Kennedy», erinnert der erzkonservative frühere Senator aus Pennsylvania an die politischen Wandlungen Romneys. «Wir brauchen jemanden, der aufsteht und für konservative Prinzipien kämpft.» Während er, Santorum, in einem überwiegend demokratischen Wahlbezirk für diese Werte eingetreten sei, habe sich Romney nicht getraut, ein zweites Mal als Gouverneur anzutreten.

Romney pariert die Angriffe von rechts geschickt, indem er beliebte Konservative wie die Gouverneure Nikki Haley aus South Carolina und Chris Christie zu Kronzeugen seiner eigenen Glaubwürdigkeit macht. «Noch einmal antreten», feuert er dann gegen Santorum und Gingrich zurück, die beide Jahrzehnte im US-Kongress verbrachten. Er habe nie ein Interesse daran gehabt, in der Politik Karriere zu machen: «Ich bin zurück in die Wirtschaft gegangen.»

«Seien Sie ehrlich mit dem Volk»

Worauf Gingrich Romney vorhält, unaufrichtig zu sein. Tatsächlich habe sich dieser 2006 nicht der Wiederwahl gestellt, um sich auf eine Präsidentschaftskandidatur 2008 vorzubereiten. «Können wir diesen scheinheiligen Unsinn sein lassen», provoziert der ehemalige Speaker Romney. «Seien Sie ehrlich mit dem amerikanischen Volk: Sie kandidieren mindestens seit den 90er- Jahren.»

Im Unterschied zur ersten Debatte im Saint Anselm College bleibt Romney, der in letzten Umfragen 20 Punkte vor seinen Verfolgern im Granitstaat liegt, über die 90 Minuten Zielscheibe seiner Konkurrenten. Diese hatten sich in einer zähen Debatte am Samstag vor allem untereinander gestritten. Dies offensichtlich im Wettbewerb um den rechten Flügel der Partei, der sich bisher noch nicht hinter einen einzelnen Kandidaten gestellt hat.

Santorum festigt Position

Gemessen am Zulauf und der Intensität der Wahlkampfveranstaltungen in New Hampshire scheint Santorum seine Position als konservativer Herausforderer Romneys zu festigen. Bei einer Veranstaltung in Hollis tauchen über tausend Interessierte auf. Der Kandidat klettert auf einen Stein, um erst zu den Menschen zu sprechen, die keinen Platz in der historischen Scheune fanden.

Einigen Enthusiasmus gibt es auch bei Ron Paul, der sich auf ein Netz hochmotivierter junger Anhänger stützen kann, die seine libertäre Botschaft anspricht. Paul steht für aussenpolitischen Isolationismus, einen radikalen Sparkurs und einen kleinen Staat ein.

Trotz seiner Führungsposition könnte es eine Weile dauern, ehe Romney eine Mehrheit für den Wahlparteitag in Tampa hat. Entscheidend sein wird South Carolina, ein Staat, der sehr viel konservativer ist als New Hampshire.





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