Tagblatt Online, 10. Januar 2012 04:25:00
Romney: Ich möchte Leute feuern können
(Bild: )
Sqwoschhhh – so oder so ähnlich muss er geklungen haben als Mitt Romney vor der Handelskammer in Nashua mit beiden Füßen in den Fettnapf tappte. Vor 300 Unternehmern sprach er über seine Ideen zur Krankenversicherung. Einigermaßen unvermittelt meint er dann: ”Ich möchte dazu in der Lage sein, Leute, die Dienstleistungen für mich erbringen, zu feuern.”
Das Video mit der Passage aus der Rede verbreitete sich via YouTube in Windeseile: http://www.youtube.com/watch?v=nBfWB64iHAs

Als das Kind schon in den Brunnen gefallen war, versuchte er zurückzurudern. Seine Opponenten und die Medien hätten ihn aus dem Zusammenhang gerissen. Darüber lässt sich streiten. Tatsächlich sprach der Kandidat vorher über Krankenversicherungen. Nur “Versicherungen” sind außerhalb Romney Welt keine “Leute”.
Am Ende kommt es nicht darauf an, was der Kandidat wirklich gemeint hat. Dies ist ein lupenreiner Fehler, der ihm zum Verhängnis werden könnte. Wie damals dem Demokraten John Kerry, den der Satz verfolgte, erst für und dann gegen den Irak-Krieg gestimmt zu haben. Dies festigte bei den Leuten der Eindruck, der Präsidentschaftskandidat sei ein Wendehals.
Politische Propaganda wirkt immer dann, wenn sie an vorhandene Eindrücke anknüpfen kann und sie verstärkt. Deshalb ist Romneys Ausrutscher so schädigend für ihn. Wie die 10.000 Dollar-Wette, die er Rick Perry während einer Debatte anbot. Oder als er in Hudson vor Arbeitern einer Metallfabrik darüber räsoniert, wie er seine Millionen an seine 16 Enkel vererbt.
So kann er mit seinen “Buddies” im Country Club oder auf dem Golfplatz reden. Als Kandidat für das Weiße Haus wirkt das von oben herab. “Out of touch”, wie man hier sagt.
Romney lieferte seinen Konkurrenten um die Präsidentschafts-Nominierung eine Steilvorlage. Gingrich, Perry und Huntsman stürzten sich auf den Ausrutscher, um den Verdacht zu nähren, Romney habe seinen eigenen Wohlstand nicht nur durch harte Arbeit, sondern skrupellose Methoden aufgebaut. Die Demokraten stießen ins gleiche Horn. Obama-Anhänger verteilten in New Hampshire “Pinkslips”, also Papiere auf denen Arbeiter ihre Kündigung erhalten.
Als härteste Klassenkämpfer profilieren sich jedoch die Republikaner selbst, die Mitt zum “King of Bain” kürten.
Gingrichs SuperPAC hat in South Carolina begonnen, einen Film auszustrahlen, der sich kritisch mit den Praktiken von Romneys Investmentfirma “Bain Capital”, auseinandersetzt. Eine 3,4 Millionen Dollar teure Werbekamapgne wird über die kommenden zehn Tage den Südstaat mit der Botschaft überziehen, das Romney “Millionen mit dem Aufkauf von Firmen verdiente, indem er Arbeiter feuerte.”
Selbst der texanische Gouverneur Rick Perry lässt sich die Chance nicht nehmen, Romney als elitär abzustempeln. Er machte sich lustig über die Aussage des über 200 Millionen Dollar schweren Kandidaten vom Sonntag, wonach er sich selber auch schon einmal vor Arbeitslosigkeit gefürchtet habe. “Ich habe keinen Zweifel, das er sich um ‘Pinklslips’ sorgte – ob er genügend zur Hand hat, sie zu verteilen.”
Zusammen mit dem Zitat vor der örtlichen Handelskammer vor Nashua ist das eine brisante Mischung, die Romney nachhaltig negativ definiert. Sollte er die Breitseiten der Konservativen in South Carolina überstehen, hat Obama leichtes Spiel, seinen Opponenten zur Karikatur zu machen.
Romney wird diesen denkwürdigen Tag in Nashua noch oft verfluchen.
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