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Neue Zürcher Zeitung, 09. September 2011 00:00:00

Rick Perry dominiert das republikanische Kandidatenfeld

In seiner ersten Fernsehdebatte zieht der Gouverneur von Texas alle Aufmerksamkeit auf sich und lockt Mitt Romney aus der Reserve

In den USA hat die erste Fernsehdebatte mit Rick Perry auf dem Podium das Feld der republikanischen Präsidentschaftsanwärter in zwei Klassen geteilt. Perry ging keinem Zweikampf aus dem Weg und zwang Mitt Romney in die Offensive.

Peter Winkler, Washington

Zum dritten Mal haben die aussichtsreicheren Kandidaten der Republikanischen Partei für das amerikanische Präsidentenamt am Mittwochabend in einer Fernsehdebatte die Klingen gekreuzt. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass sich der Anlass in erster Linie um den Gouverneur von Texas, Rick Perry, drehen würde. Nach der Bekanntgabe seiner Bewerbung im vergangenen Monat hatte sich Perry in Umfragen aus dem Stand auf den Spitzenplatz geschwungen, den bis dahin der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney unbestritten besetzt hatte. Schon die Aufstellung der Kandidaten für die Debatte nahm den Verlauf vorweg: Perry und Romney standen im Zentrum.

Immer einen Schritt weiter

Perry eilt der Ruf voraus, der glaubwürdigere Konservative als Romney zu sein, obwohl er bis 1989 der Demokratischen Partei angehört hatte. Er setzte am Mittwochabend alles daran, diesen Ruf zu festigen. Während alle Kandidaten an Obamas Amtsführung kein gutes Haar liessen und das Rezept zu kennen vorgaben, das zur Gesundung der amerikanischen Wirtschaft führen werde, ging Perry immer noch einen Schritt weiter. Er unterstrich seine Zweifel am menschlichen Zutun bei der Klimaerwärmung, nannte die Sozialversicherung einen Pyramiden-Betrug, ein auf allen Ebenen versagendes Schema, und verteidigte die Rekordzahl an Hinrichtungen in Texas unter seiner Führung. Beim geladenen Publikum im grossen Saal der Ronald-Reagan-Bibliothek im kalifornischen Simi Valley kam Perry damit ausgezeichnet an. Schon die Erwähnung der 234 Exekutionen durch einen der Fragesteller löste den weitaus stärksten Applaus des ganzen Abends aus.

Perrys Positionsbezug auf dem radikal-konservativen Flügel zeitigte zwei einschneidende Folgen für das Kandidatenkarussell. Zum einen nahm er der Kongressabgeordneten Michele Bachmann völlig den Wind aus den Segeln. Sie war in den früheren Fernsehdebatten als eine Art Ersatz-Sarah-Palin das Sprachrohr der radikalen und evangelikalen Konservativen gewesen.

Ein Muster für Kommendes

Bachmanns Auftritt litt sicher darunter, dass ihr – wie den anderen fünf Kandidaten, die neben Perry und Romney eingeladen worden waren – weniger Fragen gestellt wurden als den beiden Favoriten. Doch sie schaffte es auch dann nicht, mit ihren Voten auf sich aufmerksam zu machen, als sie die Gelegenheit dazu hatte. Das Kandidatenfeld schied sich noch deutlicher in zwei Ligen, und Bachmann spielte erstmals in der unteren.

Mit seinen kompromisslosen Wortmeldungen eröffnete Perry dafür seinem derzeit einzigen ernstzunehmenden Gegenspieler, Romney, die Möglichkeit, sich als nicht weniger konservativer, aber bedeutend weniger radikaler Kandidat darzustellen. Perrys Husarenritt gegen die Sozialversicherung, welche für Millionen von Amerikanern der Sockel ihres Auskommens ist, konterte Romney mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Erhaltung dieser über 70 Jahre alten Institution – wozu allerdings Reformen nötig seien.

Das Duell zwischen Perry und Romney vom Mittwochabend schien das Muster für die Auseinandersetzung in den kommenden Monaten vorzugeben. Perry bemühte sich, beim harten Kern der radikalen Konservativen zu punkten und sich damit die republikanische Nomination zu sichern. Er vertraut darauf, dass die von der Tea-Party-Bewegung inspirierte Welle des Protests gegen Obama und die Demokraten, die im letzten November den Republikanern die Mehrheit im Repräsentantenhaus einbrachte, auch über die Präsidentenwahl vom nächsten Jahr hinwegfegen wird. Romney dagegen will sich als Alternative zu den Radikalen in Szene setzen, der zwar durchaus konservatives Gedankengut vertritt, aber auch bei einem gemässigten Publikum ankommt und damit für Obama in der direkten Ausmarchung gefährlicher wäre.

Kompetent, aber unpopulär

Unter den acht Kandidaten gibt es nur einen, der sich noch stärker zur Mitte hin ausrichtet und einigen ultrakonservativen «Glaubensbekenntnissen» offen eine Absage erteilt. Es ist ein früherer Gouverneur von Utah, Jim Huntsman, der bis zu seiner Kandidatur für die Administration Obama als Botschafter in China amtierte. Huntsman betont wie Perry und Romney seinen Leistungsausweis und seine Führungserfahrung. Aber er lässt sich von der Tea Party oder anderen Basisbewegungen nicht an die Leine nehmen und warnt davor, etwa bei der Diskussion um die Evolutionstheorie oder die Klimaerwärmung wissenschaftliche Erkenntnisse zu verleugnen. In Wirtschaftskreisen geniesst Huntsman einen ausgezeichneten Ruf, den er aber nicht in Popularität ummünzen kann. Er dümpelt in Umfrageergebnissen seit Beginn in einstelligen Zustimmungsraten.





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