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Neue Zürcher Zeitung, 04. Januar 2012 00:00:00

Noch ein republikanischer «Shootingstar» in den Vorwahlen von Iowa

In einem durchlässigen Kandidatenfeld schiebt sich der bisher blasse Ex-Gouverneur Santorum an die Spitze des Kandidatenfelds

Das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber hat den amerikanischen Gliedstaat Iowa zum Endspurt vor den Caucuses nochmals intensiv beackert. Der bisher eher blasse ehemalige Gouverneur Santorum erhielt weiter Auftrieb.

Peter Winkler, Washington

In immer schnellerem Takt haben die sechs ernsthafteren republikanischen Präsidentschaftsbewerber die letzten Tage vor der ersten Vorwahl damit verbracht, den potenziellen Wählern in Iowa ihre Vorzüge plausibel zu machen und ihre Rivalen mehr oder weniger maliziös als ungeeignet darzustellen. Nur der frühere Gouverneur von Utah Jon Huntsman trat in Iowa gar nicht an, um sich ganz auf die Primary in New Hampshire in einer Woche zu konzentrieren. Allerdings muss Huntsman trotz seinem guten Ruf in Fachkreisen mit der Tatsache leben, dass er als einziger der prominenteren Kandidaten in den Umfragen noch nie über einen Platz am hinteren Ende hinauskam.

Gesetz der Logik

Unter den anderen sechs Bewerbern vermochte sich der ehemalige Gouverneur von Pennsylvania Rick Santorum kurz vor Schluss noch Auftrieb zu verschaffen. Laut den letzten Umfragen vor den Vorwahl-Versammlungen (Caucuses) bildete er Teil eines Spitzentrios, in dem auch der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney und der texanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses Ron Paul figurierten. Einige Kommentatoren führten Santorums Schub kurz vor der ersten Hürde allerdings darauf zurück, dass er neben Ron Paul der Einzige im Feld war, der nicht bereits einmal einen Höhenflug verzeichnet hatte. Ein beträchtlicher Teil des republikanischen Publikums scheint immer noch nach dem Wunschkandidaten zu suchen, und das Gesetz der Logik diktierte, dass irgendeinmal auch Santorum mindestens vorübergehend grösseren Zuspruch erhalten würde.

Präsidentschaftsbewerber als Scharfmacher

Mit einer kompromisslosen Linie gegenüber Iran will der republikanische Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum in den USA punkten. Falls er zum Präsidenten gewählt werden sollte, werde er die iranischen Atomanlagen bombardieren lassen, sofern sie nicht für internationale Inspektoren geöffnet oder abgebaut würden, verkündete er am Sonntag.

Amtsinhaber Barack Obama habe nicht genug dafür getan, die Iraner am Bau einer Atombombe zu hindern und die USA in einen Papiertiger verwandelt, sagte Santorum in einer Sendung des US-Senders NBC. Wie sein Vorgänger George W. Bush setzte Obama vor allem auf diplomatischen und wirtschaftlichen Druck, um den Iran zur Aufgabe seines Atomprogramms zu drängen.

Laut der Meinungsforschungs-Organisation Gallup wurde die Führungsposition seit Mai 2010 siebenmal umbesetzt, wobei es einzig Romney gelang, über die ganze Zeit immer wieder auf den Spitzenplatz zurückzukehren. Rick Perry, der Gouverneur von Texas, übernahm das Zepter kurz im Hochsommer, bevor der Unternehmer Herman Cain im Oktober am Feld vorbeizog. Perry stolperte über sich selbst, nachdem er in den Debatten mehrmals unzulänglich vorbereitet und zu wenig schlagfertig geschienen hatte. Cain fiel einer wachsenden Zahl von Vorwürfen zum Opfer, er habe Frauen sexuell belästigt oder aussereheliche Verhältnisse gepflegt.

Noch nie so durchlässig

Der frühere Speaker des Repräsentantenhauses Newt Gingrich, der gegen das Jahresende wie Phönix aus der Asche einer scheinbar hoffnungslosen Kandidatur stieg, wurde wegen seiner Vergangenheit als typischer Washingtoner Insider – und zwar als Politiker wie auch als Lobbyist – und wegen seiner oft unkontrolliert sprudelnden Quelle von unausgegorenen Ideen jäh gebremst.

Laut dem Gallup-Bericht war das Kandidatenfeld der Republikaner seit Beginn der eigenen Meinungsumfragen noch nie so durchlässig. Die sieben Ablösungen an der Spitze des Felds durch vier verschiedene Bewerber wurden nur noch von der demokratischen Ausmarchung in den Jahren 2003–2004 überboten. Damals wechselten sich sechs Kandidaten neunmal an der Spitze ab, bevor John Kerry die Nomination schaffte und die Wahl verlor. Berücksichtigt man noch andere Umfragen als nur jene von Gallup, so besetzte im abgelaufenen Jahr auch noch die Abgeordnete im Repräsentantenhaus Michele Bachmann aus Minnesota zumindest in Iowa vorübergehend den Spitzenplatz.

Doch nun kämpfte Bachmann in Iowa am deutlichsten ums Überleben. Sie hatte, ebenso wie Santorum, ihre Kampagne ganz auf die ländliche, stark evangelikal geprägte Gefolgschaft des Mittleren Westens ausgerichtet. Andere, unter ihnen Paul, Perry, Gingrich und vor allem Romney, könnten dagegen eine Niederlage in Iowa wegstecken – solange diese nicht zur Schlappe geriete.

Blick auf New Hampshire

Umgekehrt wäre ein Sieg oder ein Platz weit vorne für Romney eine gute Voraussetzung dafür, um in einer Woche in New Hampshire, in den ersten Vorwahlen an den Urnen, seinen Anspruch auf die republikanische Nomination zu untermauern. In Iowa meinte es am Dienstag zumindest das Wetter gut mit den Republikanern, die am Abend ja persönlich in den Versammlungslokalen aufmarschieren mussten. Im Gegensatz zu 2008, als geradezu sibirische Temperaturen herrschten, bewegte sich die Anzeige der Thermometer am Dienstag um den Gefrierpunkt herum.





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