NZZ Online, 25. Januar 2012 18:50:06
Mitt Romneys UBS-Konto
Ein «Blind trust» der Familie legte in der Schweiz 3 Millionen Dollar an
Ausgerechnet ein unabhängig verwalteter «blind trust» bringt den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney in die Bredouille. 3 Millionen Dollar seines Familienvermögens lagen bis Ende 2010 auf einem UBS-Konto.
Am Dienstagabend Ortszeit hat sich das Wahlkampfteam von Mitt Romney dem öffentlichen Druck gebeugt und weitere Details zu den Vermögensverhältnissen des republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaft bekanntgegeben. Demnach handelt es sich beim Schweizer Bankkonto, das Romney in den amerikanischen Medien zum «Swiss Mitt» werden liess, um eines der UBS. Wie das Wahlkampfteam an einer Telefonkonferenz präzisierte, wurden die 3 Mio. $ aber nicht von Romney selber, sondern von einem «blind trust» bei der UBS angelegt.
Es war das Geld der Ehefrau
«Blind trusts» sind in den USA die gängige Form für politisch oder anderweitig exponierte Personen, um ihr Vermögen gänzlich unabhängig verwalten zu lassen. Die finanzielle Verantwortung wird bis zur Niederlegung des öffentlichen Amtes delegiert, in dieser Zeit weiss der Besitzer des Geldes über die einzelnen Transaktionen nicht Bescheid. In der Schweiz brachte kürzlich der zurückgetretene Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand «blind trusts» ins Spiel, um auf diese Weise jegliche Interessenkonflikte auszuschliessen.
Beim «blind trust», der 2003 die 3 Mio. $ bei der UBS in der Schweiz anlegte, handelte es sich im übrigen um jenen von Romneys Ehefrau Ann. Das Konto war Ende 2010 offenbar auf Anraten eines Wahlhelfers aufgelöst worden. Brad Malt, der Anwalt, der Romneys verschiedene «blind trusts» beaufsichtigt, nannte an der Telefonkonferenz als Grund, man habe jegliche mögliche Quelle für eine heikle Situation ausräumen wollen. Der Anwalt betonte mehrfach, das Konto sei bei den US-Steuerbehörden gemeldet gewesen, die Anlage in der Schweiz habe einzig der geografischen Diversifikation gedient.
Zwar löste die UBS Mitte 2008, während des Steuerstreits mit den US-Behörden, sämtliche Verbindungen mit amerikanischen Off-shore-Kunden auf. Doch eine Tochtergesellschaft, die Swiss Financial Advisors (SFA), betreut in der Schweiz weiterhin US-Kunden unter der Bedingung, dass die Gelder bei der US-Steuerbehörde gemeldet sind. Derzeit verwaltet die SFA Vermögen im oberen einstelligen Milliardenbereich. Dies ist ein Bruchteil des UBS Wealth Management Americas, das derzeit in den USA (und Kanada) onshore rund 650 Mia. $ verwaltet.
Mitbesitzer des Prime Tower
Aus der über 500 Seiten umfassenden Steuererklärung, die Mitt Romney offenlegte, sind weitere Verbindungen in die Schweiz ersichtlich. So wurde über ein Konto der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs ein reger Handel mit Wertschriften abgewickelt – allerdings ebenfalls nicht von Romney persönlich, sondern von einem «blind trust». Dieser investierte in Dutzende von Aktien, darunter auch in Nestlé, Novartis, Roche oder Logitech. Ebenfalls beteiligt ist Romney in die Schweizer Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, die in Zürich unter anderem das Einkaufszentrum Sihlcity, das Warenhaus Jelmoli und den Prime Tower besitzt.
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